BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Vier-Tage-Woche: Erfolgsrezept gegen Stellenabbau? | BR24

© picture alliance/Michael Kappeler/dpa Pool/dpa

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, wartet auf den Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.

35
Per Mail sharen

    Vier-Tage-Woche: Erfolgsrezept gegen Stellenabbau?

    Die IG Metall ist dafür, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zeigt sich auch offen – aber wie realistisch ist die Idee wirklich? Gewerkschaftler und Linkspartei hatten die 4-Tage-Woche vorgeschlagen, auch um Unternehmen in der Corona-Krise zu helfen.

    35
    Per Mail sharen

    Deutschlands Industrie hat gerade eine Menge zu schultern: Ob die Unternehmen nach überstandener Corona-Krise noch dieselben sein werden wie vorher, ist fraglich. Hinzu kommt die langfristige Herausforderung, die alles umwälzende Digitalisierung zu meistern. Die Frage ist: Kann eine Idee wie die Vier-Tage-Woche helfen, die Folgen von all dem abzumildern?

    "Auch Arbeitszeitverkürzung kann in bestimmten Branchen helfen, Beschäftigung zu sichern. Und ich setze darauf, dass das nun die Stunde der Sozialpartner ist." Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister

    Heil: Kurzarbeitergeld als Form von Arbeitszeitverkürzung

    Bundesarbeitsminister Hubertus Heil findet im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio grundsätzlich lobende Worte für Vorschläge wie die Vier-Tage-Woche. Und verweist darauf, dass der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise auch eine Art der Arbeitszeitverkürzung sei – die schließlich geholfen habe, Millionen von Arbeitsplätzen zu sichern. Doch bei der Umsetzung einer 30-Stunden- oder Vier-Tage Woche ist der Einfluss der Bundesregierung begrenzt: Darauf einigen müssten sich letztlich die Tarifparteien. Und von denen kommen sehr unterschiedliche Signale – skeptische von den Arbeitgebern.

    Arbeitgeberverbände strikt gegen Vier-Tage-Woche

    So sandte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem ARD-Hauptstadtstudio schriftlich diese Reaktion:

    "Die deutsche Wirtschaft erleidet gerade einen riesigen Produktivitätsschock. Eine Vier-Tage-Woche mit Lohnausgleich verschärft diesen Schock noch. Wir werden die Krise aber nur überwinden, wenn wir mit mehr Arbeit Wohlstand und soziale Sicherheit ermöglichen." Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

    IG-Metall will keine "ideologischen Schlachten"

    Ganz anders klingt das bei den Gewerkschaften: Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann meint, mit einer Vier-Tage-Woche ließen sich "Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben". Es klingt nicht danach, als würden mögliche Verhandlungen angesichts der gegensätzlichen Positionen einfach werden. Bundesarbeitsminister Heil verweist darauf, dass es auch in größeren Industriebetrieben aber bereits Gespräche gebe:

    "Ich rate dazu, dass wir solche Fragen pragmatisch betrachten und nicht ideologische Schlachten schlagen. Es geht darum, Arbeitsplätze zu sichern. Und da kann Arbeitszeitverkürzung durchaus helfen, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, um Beschäftigung zu sichern." Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister

    Linkspartei-Chefin Kipping will die 30-Stunden-Woche

    Historische Vorbilder aus anderen Krisenzeiten gäbe es: In den 90er Jahren einigte sich Deutschlands größter Autobauer VW mit den Gewerkschaften auf eine 28,8-Stunden-Woche – um im Gegenzug Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Wenn es nun zu ernsthaften Verhandlungen kommt, wäre eine entscheidende Frage: Soll eine Arbeitszeitverkürzung mit oder ohne Lohnausgleich vollzogen werden – und wenn ja: Mit wie viel? Für die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, ist klar: Ohne Lohnausgleich wäre das ansonsten eine verkappte Lohnkürzung. Kipping kommt aber ansonsten angesichts der 30-Stunden-Wochen-Diskussion regelrecht ins Schwärmen.

    "Wenn eher 30 Stunden pro Woche der Standard ist, ist Erfolg im Beruf leichter zu vereinen mit Zeit für Freunde, Familie und andere schöne Dinge im Leben. Wenn 40 Stunden plus x Überstunden aber den Standard abbilden, dann bedeutet Erfolg im Beruf oft, dass die anderen wichtigen Tätigkeiten auf andere abgewälzt werden - leider noch viel zu oft innerhalb der Familie auf die Frauen." Katja Kipping, Vorsitzende Linkspartei

    Letztlich rolle der technische Fortschritt der linken Forderung nach Arbeitszeitverkürzung den "roten Teppich" aus, frohlockt Kipping. Auf der Arbeitgeberseite würde man das sicher anders ausdrücken. Dort verweist man darauf, dass drei Arbeitskräfte, die sich eine Stelle teilen, letztlich eine größere Belastung darstellten, als nur ein Arbeitnehmer.

    Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!