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Viele Kliniken für chronisch Kranke immer noch geschlossen | BR24

© Robert Kneschke/Zoonar.com/dpa

In Deutschland gibt es knapp vier Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen.

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    Viele Kliniken für chronisch Kranke immer noch geschlossen

    In der Corona-Krise mussten viele Kliniken für chronisch Kranke schließen. Die Patienten warten nun darauf, wieder behandelt werden zu können - und vermeiden es häufig, Arztpraxen aufzusuchen. Experten rechnen mit gravierenden Folgen.

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    Chronisch kranke Menschen meiden im Moment aus Angst vor Covid-19 oft den Gang in die Klinik oder Arztpraxis. Eine Entwicklung, die den betreuenden Ärzten Sorgen bereitet.

    Professor Günter Stalla ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie in München. Er fürchtet, dass seine Patienten Kollateralschäden davontragen könnten. Viele erschienen nicht mehr zu Kontrollterminen. "Besonders fatal ist natürlich, dass Patienten mit einem schlecht eingestellten Diabetes häufig auch noch fatalen Outcome haben bei den Covid-19-Erkrankungen", erklärt Stalla. "Das heißt, sie bekommen häufiger eine Lungenentzündung oder auch mal ein Nierenversagen."

    Keine stationäre Aufnahme von Schmerzpatienten

    Schmerztherapeut Rainhard Thoma beschäftigt derzeit noch ein anderes Problem: Seine Schmerzklinik wurde geschlossen. Seit Wochen stehen die Räume für die Gruppentherapie leer, freigehalten für Covid-19-Patienten. Normalerweise ist dort Platz für 34 schwerstkranke Schmerzpatienten. Diese warten nun zu Hause darauf, wieder in die Klinik kommen zu dürfen.

    "Die Politik hat entschieden, dass Patienten, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, derzeit nicht stationär behandelt werden dürfen", so Thoma. "Das betrifft auch unsere chronischen Schmerzpatienten. Sie sind nicht lebensbedrohlich erkrankt, werden aber durch das Schließen der Betten jeglicher notwendigen Therapie beraubt."

    75 Prozent der Schmerzkliniken geschlossen

    In Deutschland gibt es knapp vier Millionen Patienten mit schweren chronischen Schmerzen. Normalerweise wurden pro Quartal etwa 380.000 Patienten von knapp 500 Kliniken und 1.269 ambulant tätigen Schmerzmedizinern vor der Coronakrise versorgt.

    Seit Anfang März wurden 75 Prozent der Fachkliniken geschlossen – so das Ergebnis einer Umfrage des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD). Alle anderen Kliniken (25 Prozent) waren gezwungen, ihre schmerzmedizinischen Kapazitäten massiv zu reduzieren.

    Einzige Option: Videosprechstunden

    Telefon- und Videosprechstunden sind die einzige Betreuungsmöglichkeit, die Ärzte wie Reinhard Thoma momentan haben. Viele Patienten brauchen diese Hilfe dringend, denn sie sind psychisch angeschlagen. Ärzte raten betroffenen Patienten, ihre Vorsorge- und Kontrolltermine in den ambulanten Praxen wieder wahrzunehmen. Viele Praxen haben Schutzvorkehrungen getroffen, Masken und Handdesinfektion sind Pflicht. So wollen sie Patienten vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen - und Folgen sowie Komplikationen mit bestehenden Erkrankungen möglichst vermeiden.

    Die Tagesklinik in der Schmerzklinik von Thoma in München hat seit dieser Woche wieder mit einem reduzierten Angebot geöffnet. Für stationäre Patienten hingegen gibt es noch keine Perspektive. Doch genau die bräuchten chronisch kranke Menschen im Moment dringend.

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