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Vertuschungsverdacht: Laien kündigen Zusammenarbeit mit Woelki | BR24

© dpa-Bildfunk/Andreas Arnold

Dem Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki laufen die Schäfchen in Scharen davon.

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    Vertuschungsverdacht: Laien kündigen Zusammenarbeit mit Woelki

    Im Erzbistum Köln treten derzeit bis zu 1.000 Menschen im Monat aus der Kirche aus. Ein Grund: Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal Rainer Maria Woelki in Sachen Missbrauch. Nun kündigen die katholischen Laien ihm ganz öffentlich die Zusammenarbeit.

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    • BR24 Redaktion

    "Pastoraler Zukunftsweg" - der Name des Reformprozesses, der schon seit längerem im Erzbistum Köln läuft, verströmt eigentlich Zuversicht. Doch die Zahlen sprechen aktuell eine andere Sprache: Standesämter in Köln verzeichnen bis zu 1.000 Kirchenaustritte pro Monat. Die Zahl der Online-Terminbuchungen für Kirchenaustritte sei extra aufgestockt worden, so ein Sprecher des Amtsgerichts gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).

    Katholiken verlassen ihre Kirche in Scharen. Der Grund unter anderem: Der Kardinal hält seit längerem ein Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zum Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauch wegen angeblicher methodischer Mängel zurück.

    Katholische Laien wollen nicht mehr mit Erzbischof arbeiten

    Nun kündigt der Diözesanrat der Katholiken, die offizielle Vertretung katholischer Laien im Erzbistum, dem Kardinal ganz offen die Zusammenarbeit beim gemeinsamen Reformprozess, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet. Ein bislang einmaliger Vorgang. Demnach haben die Diözesanräte am Donnerstagabend nahezu einstimmig (bei nur einer Gegenstimme) beschlossen, ihrem Bischof vorläufig die Gefolgschaft zu verweigern.

    Ihr Grund: Der "fragwürdige Publikationsstopp" des Rechtsgutachtens zur Missbrauchsaufarbeitung und der daraus resultierende Vertrauensverlust der Kirche. Die Menschen erwarteten "endlich Klartext und konkrete Schritte der Verantwortung", so die Laienvertreter. Leitende Geistliche und solche, die ehemals Personalverantwortung im Erzbistum trugen und gegebenenfalls falsch mit Missbrauchsfällen umgegangen seien, fordern sie zu persönlichen Konsequenzen auf.

    Priester fordern in Brandbrief Aufklärung von Woelki

    Und auch zwei Gruppen von Priestern haben sich in einer Art Brandbrief an die Bistumsleitung gewandt. In ihrem Schreiben kritisieren sie die "die misslingende Missbrauchsaufarbeitung", diese habe die Loyalität der Seelsorger gegenüber ihrem Dienstherren in den vergangenen Monaten stark strapaziert. In einem weiteren Schreiben von Priestern des Erzbistums wird der damit einhergehende Vertrauensverlust beklagt. "Wir sind nicht bereit, bei dieser Entwicklung still resignierend zuzuschauen", so die kämpferische Botschaft der Geistlichen an Kardinal Woelki, seinen Generalvikar und die Kölner Weihbischöfe.

    Sie fordern Rainer Maria Woelki auf, die Vertrauenskrise mit mehr Transparenz bei der Missbrauchsaufarbeitung zu bekämpfen: "Ein Ausweg aus dieser Not kann nur in einem wahrhaftigen und transparenten Umgang mit eigenen Fehlern sowie der Erkenntnis strukturellen Versagens in Vergangenheit und Gegenwart bestehen."

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