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Verrechnet: Lungenarzt nutzt falsche Zahlen in Sachen Feinstaub | BR24

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Die EU billigt Deutschland bei Fahrverboten einen Spielraum zu. Gleichzeitig wird der Rechenfehler eines Lungenarztes diskutiert, der die Grenzwerte infrage gestellt hatte. BR-Reporter Meyer-Fünffinger erklärt.

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Verrechnet: Lungenarzt nutzt falsche Zahlen in Sachen Feinstaub

Wie schädlich ist Feinstaub aus dem Straßenverkehr? Nicht so schlimm wie das Rauchen, hatte der Lungenfacharzt Dieter Köhler mit 100 weiteren Ärzten behauptet und die Debatte im Januar neu angeheizt. Nun gibt er zu: Er habe sich heftig verrechnet.

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Der als Kritiker der Schadstoff-Grenzwerte bekannt gewordene Lungenfacharzt Köhler hat Fehler in seinen Berechnungen eingeräumt. Das berichtet die Zeitung "taz". Köhler habe sich um den Faktor 100 verrechnet, als er die Schadstoffbelastung durch Zigarettenrauch mit der Luft an stark befahrenen Straßen verglich. Zudem habe er die Konzentration von Stickoxid im Zigarettenrauch falsch angegeben.

Trotz Rechenfehler: Köhler bleibt bei seinen Aussagen

Köhler hatte argumentiert, dass ein Raucher in wenigen Monaten die gleiche Stickoxidmenge aufnehme wie ein 80-jähriger Nichtraucher, der sein Leben lang Außenluft im Grenzwertbereich einatme. Tatsächlich kommt ein Raucher erst nach sechs bis 32 Jahren auf einen solchen Wert. Seine Berechnungen hatte der Mediziner im Januar in einer Stellungnahme veröffentlicht und die geltenden EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in Frage gestellt.

Trotz der Rechenfehler will der pensionierte Lungenarzt, der vor mehreren Jahren Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie war, aber offenbar nicht von seiner Position abrücken. Die Größenordnung sei weiter richtig, zitiert die "taz" den Lungenfacharzt, der selbst nur wenig wissenschaftliche Expertise zum Thema Stickoxid vorzuweisen haben soll.

Keine Reaktion von bayerischen Ärzten, die unterzeichnet haben

Viele Experten hatten Köhlers Papier schon zuvor als unseriös kritisiert. Außerdem hatte sich der BR24 Faktenfuchs unter anderem mit der Frage "Weshalb schließen Sie sich den Forderungen von Dr. Köhler an?" an die sieben bayerischen Ärzte, die unterzeichnet hatten, gewandt, aber von keinem eine Antwort bekommen.

Die gesundheitsschädliche Wirkung von Stickstoffdioxiden ist unumstritten. Streit gibt es vor allem um die Grenzwerte. In der Lunge kann das Reizgas Zellen angreifen und Entzündungsprozesse auslösen. Tatsächlich gibt es Studien an Menschen und Tieren, in denen Probanden Stickoxide eingeatmet haben, in denen dieser Zusammenhang belegt wird. Grundsätzlich gelten Luftschadstoffe als Risikofaktor für bestimmte Krankheiten. Allerdings ist es schwierig, die Wirkungen verschiedener Schadstoffe voneinander abzugrenzen.