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Vereinigte Staaten? Die US-Präsidenten und ihre Krisen | BR24

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US Präsidenten in der Krise

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    Vereinigte Staaten? Die US-Präsidenten und ihre Krisen

    Wie vereinigt sind die Vereinigten Staaten noch? Wenn Joe Biden als 46. Präsident der USA vereidigt wird, rechnet das FBI mit gewalttätigen Protesten. Er wird ein Präsident in der Krise - damit ist Biden aber nicht der erste.

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    Von
    • Thomas Morawetz
    • Nicole Ruchlak

    "Vereinigte Staaten" – das klingt nach einer in sich geschlossenen Supermacht. Doch während ihrer Geschichte wurden die USA immer wieder von heftigen Krisen erschüttert, die diese Einheit gefährdeten. Das Wort "Vereinigt" in seinem Namen musste sich das Land immer wieder schwer erringen. Die Präsidenten – gehasst und umjubelt – spielten bei diesen Krisen meist eine entscheidende Rolle. Ein Rückblick:

    Abraham Lincoln (1861-1865) – Neugeburt der Freiheit

    Rund 90 Jahre nach der Gründung der Vereinigten Staaten schien die Einheit wieder verloren zu sein. Der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten brach aus. Auslöser war der Wahlsieg von Abraham Lincoln, dem Star der jungen Republikanischen Partei, der in den Südstaaten als Präsident der Sklavenbefreier galt. Sie verließen die Union. Tatsächlich kam es 1865 in Folge des Krieges zur Abschaffung der Sklaverei.

    Der Krieg ist aus – der Konflikt schwelt weiter

    Mit der Niederlage der Südstaaten war die Einheit der USA wiederhergestellt – doch alte Kränkungen und Rassismus wurden zur dauerhaften Hypothek für die Zukunft des Landes. Trotz der rund 700.000 Bürgerkriegstoten gelang es Präsident Abraham Lincoln, an das amerikanische Selbstverständnis mit seinem Versprechen von individueller Freiheit und Demokratie wieder anzuknüpfen.

    Bis heute ist seine Gettysburg-Rede berühmt, in der er beschwört, "dass die Toten nicht umsonst gestorben sein sollen; dass diese Nation eine Neugeburt der Freiheit erfahre; und dass die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk nicht aus der Welt verschwinde."

    Franklin D. Roosevelt (1933-1945) – Hoffnung in der Depression

    An die 70 Jahre später kam es zu einer weiteren Katastrophe, die das ganze Land heimsuchte: die Große Depression. Nach dem Börsencrash von 1929 brach die Wirtschaft zusammen. Ein Viertel der Bevölkerung war arbeitslos. Die Menschen hatten kaum etwas zu essen, vereinzelt gab es Hungertote.

    Die Situation galt als ausweglos. Mit der Kandidatur des Demokraten Franklin D. Roosevelt schöpften die Menschen wieder Hoffnung. Gegen die marktliberalen Grundsätze seines Konkurrenten Herbert Hoover propagierte Roosevelt: Man dürfe die Armen und Schwachen nicht alleine lassen. Der Staat müsse sich um sie kümmern.

    Der Staat als Retter in der Wirtschaftskrise?

    Prompt setzte er nach seinem Wahlerfolg Sozialreformen und eines der größten Wirtschaftsprogramme der Geschichte um – den "New Deal". Die zahlreichen Einzelmaßnahmen, bei denen der Staat als Arbeitgeber auftrat und den Grundstein für die amerikanische Version des Sozialstaats legte, sind bis heute umstritten. Aber über eines herrscht Einigkeit: Roosevelts Programm riss die Menschen aus der Hoffnungslosigkeit, die Gesellschaft glaubte wieder an ihre Zukunft.

    Flecken auf Roosevelts weißer Weste brachte später der Zweite Weltkrieg. Nach dem Überfall auf Pearl Harbor ließ Roosevelt unschuldige japanischstämmige US-Bürger in Internierungslager sperren. Und er gab grünes Licht für das Manhattan-Projekt, für die Entwicklung der ersten Atombombe. Doch Roosevelts New Deal ist bis heute ein feststehender Begriff, wenn es darum geht, in der Krise mit staatlichen Maßnahmen ein Wirtschaftsfeuer anzufachen.

    John F. Kennedy (1961-1963) - Lichtgestalt und Kalter Krieger

    John F. Kennedy reichten rund 1.000 Tage als Präsident, um zur Legende zu werden. Er begann sein Amt als Lichtgestalt einer fortschrittsbegeisterten Nation. Im Mai 1961 kündigte der jugendlich wirkende Kennedy an, dass die USA noch bis Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond schicken und sicher wieder zurückbringen würden. Dieses zuversichtliche Ultimatum sollte die Vereinigten Staaten für lange Zeit zur führenden Raumfahrtnation machen.

    Im technologischen Wettlauf um Präsenz im Weltraum waren die USA gegenüber der UdSSR ins Hintertreffen geraten. Kennedys berühmte Aussage "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt" steht für das Selbstvertrauen und die Integrationskraft seiner kurzen Präsidentschaft.

    Charisma und schwere Krisen

    Trotzdem war auch der Demokrat Kennedy ein Präsident der Krisen. Der Bau der Berliner Mauer traf ihn unvorbereitet, während der Kuba-Krise bewegte sich die Menschheit am Rand des Dritten Weltkriegs, der Vietnamkrieg begann zu eskalieren. Kennedy war auch ein Präsident des Kalten Krieges.

    In den USA flammten Rassenunruhen auf. Der Präsident setzte sich für die Rechte der Schwarzen ein, die nach wie vor als Menschen zweiter Klasse galten und diskriminiert wurden. Diese Haltung kostete Kennedy bei der weißen Bevölkerung viele Sympathien. Die alte Hypothek aus der Sklavenhalterzeit ist zur dauerhaften Verwerfungslinie in der US-amerikanischen Gesellschaft geworden. Seine bis heute nicht befriedigend aufgeklärte Ermordung in Dallas machte ihn zum Märtyrer, bevor ihn die Wucht dieser Probleme einholen konnte.

    Richard Nixon (1969 -1974) – Tricky Dicks Entspannungspolitik

    Eine besondere Krisen-Präsidentschaft war auch die des Republikaners Richard Nixon. Er stolperte über die Watergate-Affäre, einen Abhörskandal im Weißen Haus. Ihm drohte ein Impeachment, das berüchtigte gefürchtete Amtsenthebungsverfahren. Um ihm zuvorzukommen, trat Richard Nixon zurück. Er gehört zu den US-Präsidenten, die bis heute heftige Reaktionen hervorrufen. Nixon galt als "Tricky Dick", als skrupelloser Machtpolitiker.

    Watergate und Waffenstillstand

    Er selbst leugnete die Verantwortung für die Abhöraffäre und versicherte: "Das Volk muss wissen, ob sein Präsident ein Gauner ist. Nun, ich bin kein Gauner." Trotz seines unrühmlichen Abgangs hat Nixon allerdings auch ein unbestreitbares Verdienst: Der frühere Kommunistenhasser wurde während des Vietnamkriegs zum Entspannungspolitiker. Unter seiner Präsidentschaft beendeten die USA ihre Beteiligung am Krieg und zogen ihre Truppen ab. Vietnam gilt als erster Krieg, den die USA verloren haben – und als drohendes Musterbeispiel für gescheiterte Kriegseinsätze im Ausland.

    Mehr über das Leben dieser Krisen-Präsidenten und zur Geschichte der USA gibt es im Podcast "Alles Geschichte – History von radioWissen".

    Und wenn Sie überraschende Geschichten über drei US-First Ladys erfahren wollen, dann schauen Sie auf dem Instagram-Kanal "FrauenGeschichte" vorbei.

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