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Verbraucherärger: Schlechte Ebay-Bewertung wegen Feiertag | BR24

© picture alliance / Eibner-Pressefoto

Verbraucherärger: Schlechte ebay-Bewertung wegen Feiertag

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    Verbraucherärger: Schlechte Ebay-Bewertung wegen Feiertag

    Bayern hat andere Feiertage als der Rest von Deutschland. Das kann beim Verkaufen auf Ebay für erhebliche Probleme sorgen. Verkäufer können wegen eines dadurch verzögerten Versands ihren Status als guter Verkäufer verlieren. Aber ist das rechtens?

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    Johann Fischer ärgert sich über Ebay. Eigentlich ist er ja ein sehr erfolgreicher Verkäufer mit dem Spezialgebiet Smartphone-Hüllen. Doch das soll sich nach dem sechsten Januar in diesem Jahr ändern – denn Fischer, der eigentlich anders heißt, bekommt einen Versandmangel eingetragen, wie er dem BR-Verbraucherteam in einer Mail schildert:

    "Das Dreikönigsfest ist in Bayern und zwei weiteren Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag! Leider aber nicht bei der Firma Ebay! Wenn Du einen Versand an diesem Tag angibst, hast Du ein Problem, da kein Paket-Dienstleister arbeitet. Bei Ebay bekommst Du dafür einen Versandmangel eingetragen." Weil der Versand eben einen Tag länger gedauert hat, als er in seinem Verkaufsangebot angegeben hat.

    Status wegen Versandmangel gefährdet

    Durch den eingetragenen Versandmangel würde er als Ebay-Nutzer seinen mühsam aufgebauten Status als vertrauensvoller Verkäufer verlieren und Ebay würde sich Vergünstigungen ihm gegenüber einsparen – so der Vorwurf von Fischer. Und dabei steht auf der Ebay-Seite klipp und klar bei den Versandbedingungen: Wochenenden und Feiertage werden nicht als Werktage gezählt.

    Wir haben uns die Ebay-Nutzungsbedingungen angeschaut, da steht drin, dass Wochenenden und Feiertage nicht als Werktage gezählt werden, bestätigt auch Julia Zeller, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. "Daher müssen wir dem Kunden auch recht geben. Der sechste Januar ist ein gesetzlicher Feiertag in Bayern. Da es sich hier um einen Verbraucher handelt, ist es immer auf den Wohnort des Verbrauchers abzustellen, daher muss der sechste Januar als Feiertag angesehen werden und Ebay entsprechend handeln."

    Ebay sieht nur bundesweite Feiertage

    Doch Ebay schreibt auf Anfrage des BR-Verbraucherteams: "Dass Feiertage, die nicht bundesweit sind, von uns nicht berücksichtigt werden, ist korrekt." Und das kann Ebay durchaus so handhaben, sagt Verbraucherschützerin Julia Zeller – müsste das aber in seinen Nutzungsbedingungen auch mitteilen: "Wenn da steht "bundesweite Feiertage", dann kann man Ebay nichts vorwerfen."

    Doch es steht anders auf der Ebay-Seite – heißt das nun für Fischer, dass er seinen guten Verkäufer-Status wiederbekommt? Wer sich einen guten Ruf als Ebay-Verkäufer erarbeiten will, sollte jedenfalls wissen, dass ein Versand über nicht bundesweite Feiertage, wie in Bayern Heilig-Drei-König, Fronleichnam oder Allerheiligen länger dauert und man seine Kunden, vor allem außerhalb Bayerns, darüber informieren sollte.

    Daneben gibt es noch weitere Dinge zu beachten, meint Julia Zeller: "Wenn ich als Privatperson auf Ebay oder ähnlichen Seiten etwas verkaufen möchte, muss ich daran denken, dass die ganzen verbraucherschützenden Regeln hier nicht gelten, denn ich verkaufe hier von privat zu privat."

    Verkäufer kann sich von Gewährleistungspflichten freimachen

    Und das bringt für den Verkäufer erst einmal Vorteile: Denn der Käufer hat kein Widerrufsrecht und trägt auch das Versandrisiko. Falls die verschickte Ware nicht ankommt, sollte man als Verkäufer lediglich die Versandquittung parat haben, um nicht für den Verlust aufkommen zu müssen. Außerdem kann sich der Verkäufer von Gewährleistungspflichten freimachen, wenn er das klar in seiner Produktbeschreibung auf Ebay schreibt. Verschicken sollte man ein Produkt erst, wenn das Geld eingegangen ist und auch beachten, dass Ebay Gebühren für den Verkauf erhebt.

    Für das Einstellen von Produkten auf Plattformen wie Ebay gilt, so Julia Zeller: "Man sollte den Artikel einmal ordentlich beschreiben, was man verkauft, welche Qualität das hat. Und ganz wichtig, wenn man ein Bild hoch lädt, sollte das ein eigenes Bild sein. Man sollte jetzt nicht ein Bild von einem anderen Ebay-Verkäufer oder vom Original-Hersteller hernehmen. Dann kann das schnell eine Urheberrechtsverletzung sein und ich kann von demjenigen, dem das Bild gehört abgemahnt werden."

    Vorsicht: Wer viel verkauft, muss Steuern zahlen

    Wer oft und viele Produkte auf Ebay oder ähnlichen Plattformen verkauft, dem kann es außerdem passieren, dass er als gewerblicher Verkäufer eingestuft wird und evtl. Steuern bezahlen muss, so Julia Zeller: "Das sind meistens Einzelfallentscheidungen. Wenn ich zum Beispiel innerhalb einer sehr kurzen Zeit viele neue Produkte verkaufe, zum Beispiel neue Handyhüllen, sehr viele neue Handyhüllen in einer kurzen Zeit, dann ist die Vermutung, dass ich Unternehmer bin, höher, als wenn ich meinen Keller entrümpele und viele gebrauchte alte Sachen verkaufe."

    Johann Fischer hat alle Tipps beherzigt und sieht sich selbst als vertrauensvollen Ebay-Verkäufer. Trotzdem klagt er darüber, dass er wegen seines verzögerten Versandes über den nicht-bundesweiten Feiertag Heilig-Drei-König von Ebay in seinem Verkäufer-Status herabgestuft wurde. Er befürchtet, dass ihm dadurch womöglich Vergünstigungen durch die Lappen gehen, weil sich Ebay dann Prämien oder Gutschriften sparen könnte.

    Ebay sieht das anders: "Es entspricht nicht den Tatsachen, dass Ebay einen einzelnen Versandmangel mit einem Statusverlust abstraft. Das Mitgliedskonto muss bereits vorher eine kritische Leistungs-Service-Performance gehabt haben. Auch spart sich Ebay keine Gutschriften: Es gibt keine auf den Status des Kunden basierenden Rabatte."

    Woher sein Status-Verlust kommt, lässt sich nicht abschließend beurteilen – denn der Kunde will mit seinem Ebay-Konto anonym bleiben.

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