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Verbotene Bibliotheken - in Minecraft vor der Zensur versteckt | BR24

© Alexandre Marchi/MAXPPP/dpa

Virtuell erstellte Gebäude im Videospiel Minecraft (Symbolbild)

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    Verbotene Bibliotheken - in Minecraft vor der Zensur versteckt

    Unabhängiges Schreiben wird immer schwieriger, die Artikel vieler kritischer Journalisten werden weltweit zensiert. Um sie aber trotzdem zugänglich zu machen, baut Reporter ohne Grenzen gerade eine Bibliothek - virtuell versteckt im Spiel Minecraft.

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    Stein auf Stein, das ist das Prinzip des Videospiels Minecraft. Das Spiel besteht aus unzähligen Klötzen, die abgebaut und zu Gebäuden aufgebaut werden müssen. Ein bisschen wie Lego – nur am Computer. Auch Reporter ohne Grenzen hat etwas gebaut: Eine Bücherei für journalistische Artikel, die zensiert worden sind. So sind Texte, für Besucher aus Ländern mit Zensur, über das Internet frei zugänglich.

    Minecraft bietet Schlupfloch für unzensierte Artikel

    Kristin Bässe von Reporter ohne Grenzen ist für das Projekt verantwortlich: "Wir hatten ja schon mal eine Kampagne, das war ein ähnliches Prinzip, die 'uncensored Playlist'. Da hatten wir auch einen ganz kreativen Weg um Zensur zu umgehen. Damals war das aber über Streamingdienste. Artikel wurden in Songtexte gepackt und dann über Streamingdienste in Ländern verbreitet, wo sie sonst nicht verfügbar wären."

    Einem ähnlichen Prinzip folgt laut Bässe nun auch die 'uncensored Libary'. Denn in vielen repressiven Staaten sei zwar keine Pressefreiheit, aber dafür das Computerspiel Minecraft verfügbar.

    Projekt steht erst am Anfang

    Artikel sind in dem Computerspiel in riesigen Bibliothekshallen ausgestellt. Drei Monate lang haben verschiedene Agenturen das Monument gebaut. Die Regale sind aber noch wenig gefüllt: Bis jetzt sind erst 25 Artikel von Journalisten erschienen, in der nächsten Zeit wird die Bibliothek weiter ausgebaut.

    Reporter ohne Grenzen hat zunächst wenige Länder ausgewählt. "Wir haben uns erstmal auf fünf Länder beschränkt also Saudi-Arabien, Vietnam, Russland, Mexiko und Ägypten", erklärt Bässe. "Und da gings uns erstmal darum, dass da ne große Minecraftcommunity vorhanden ist." Das sei wichtig, um eine große Zielgruppe erreichen zu können. Zudem sollten es Länder sein, in denen viel Zensur, vor allem im Internet stattfindet.

    Schon 35.000 Spieler waren in virtueller Bibliothek

    Die Community nimmt das Programm gut an. Spieler stehen vor den virtuellen Bücherständen und lesen sich die Beiträge durch. Auch im Chat wird in verschiedenen Sprachen über Inhalte und das neue Gebäude diskutiert. Bis zu 101 Spieler können gleichzeitig zusammen lesen. Insgesamt sind seit dem 12. März schon über 35.000 Spieler durch die Bibliothekshallen gelaufen.

    Kristin Bässe hat große Pläne für die Zukunft: "Wir würden auch gerne noch mehr Länder hinzufügen, das ist natürlich alles viel Arbeit. Weil wir natürlich schauen wollen, dass die Inhalte auch von uns kuratiert sind. Wir arbeiten dann mit den Journalisten zusammen und mit den Medien."

    Sorgfältige Prüfung der Inhalte braucht Ressourcen

    Auch Journalisten aus der Türkei haben sich schon gemeldet, um am Projekt teilzuhaben. Welche Artikel erscheinen und welche nicht – diese Entscheidung braucht aber Zeit. Denn die Berichte werden immer erst auf verstörende oder gewaltlastige Inhalte überprüft - denn die Zielgruppe von Minecraft ist relativ jung.

    Die Spieler wünschen sich mehr zu lesen. In den Chats fragen sie, warum nur so wenige Artikel verfügbar sind. Am liebsten wolle man natürlich noch mehr hinzufügen, so Bässe. Doch das hänge auch davon ab, wie viele Kapazitäten sie hätten: "Wir haben leider ein bisschen höhere Serverkosten als erwartet, weil eben mehr Leute auf den Server zugreifen wollen", sagt sie. "Das sind alles so unvorhergesehene Dinge die man am Anfang nicht eingeplant hatte, aber es wäre schön, wenn die Bücherei noch lange geöffnet bleibt."

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