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Veranstaltungsbranche: Tausende demonstrieren für Rettung | BR24

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Auf einer Demonstration in Berlin haben Schausteller, Messebauer und andere Beschäftigte der Veranstaltungsbranche von der Politik weitere finanzielle Unterstützung gefordert.

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Veranstaltungsbranche: Tausende demonstrieren für Rettung

Durch die Corona-Krise ist die Eventbranche am Boden - mit 80 Prozent weniger Umsatz. Vor dem Reichstag legten heute Demonstranten des Bündnisses "Alarmstufe Rot" symbolisch ihr "letztes Hemd" nieder. Sie fordern massive Rettungshilfen vom Staat.

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Tobias Viße aus Feldkirchen bei München ist sauer: "Wir befinden uns seit März in der Situation, dass wir eigentlich ein Berufsverbot erleben." Seitdem macht sein Unternehmen "Party Rent", ein Eventausstatter, 90 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. "Die Situation ist mittlerweile existenzbedrohend. Die Rettungsprogramme, die wir bisher erfahren haben, sind einfach nicht auf diese Dauer ausgelegt." Deshalb fordert er mehr finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung. Um auf die bedrohliche Lage seiner Branche aufmerksam zu machen, ist Viße zusammen mit 40 Mitarbeitern von Feldkirchen nach Berlin gereist.

Bundesweiter Protest

Dort haben heute nach Veranstalterangaben 15.000 Menschen für die Rettung der Veranstaltungswirtschaft demonstriert. Ihre Kritik gilt nicht dem Verbot von Großveranstaltungen in der Corona-Krise, sondern der unzureichenden Unterstützung der Bundesregierung. Maskenpflicht und Abstand werden auf der Demonstration penibel beachtet. Zum bundesweiten Protest hat das Bündnis "Alarmstufe Rot" aufgerufen. Vor dem Reichstag legen die Demonstranten symbolisch ihr "letztes Hemd" nieder. Mit der Aktion wollen sie den Ernst ihrer Lage zum Ausdruck bringen.

Bündnis kritisiert Vorgehen bei Anerkennung der Fixkosten

Von der Bundesregierung fordert das Bündnis umfangreiche Überbrückungshilfen. Darunter ein monatlicher Zuschuss von 80 Prozent der Fixkosten, wie zum Beispiel für Miete oder Personalausgaben. Der soll gelten, solange der Umsatzeinbruch über 60 Prozent beträgt. Die Bundesregierung fördert kleine und mittlere Betriebe mit 24,6 Milliarden Euro. Davon ist nach Angaben von "Alarmstufe Rot" aber erst ein Prozent ausbezahlt worden. Denn bei der Anerkennung der Fixkosten gibt es Probleme: Das Bundeswirtschaftsministerium erstattet nicht alle Fixkosten der Branche. Abschreibungen zählten nicht dazu, kritisiert "Alarmstufe Rot". In der Praxis würden nur höchstens 30 Prozent der Gesamtkosten übernommen.

Österreich als Vorbild für Unterstützung der Veranstalter

Als Vorbild für die Unterstützung der Veranstaltungsbranche nennt "Alarmstufe Rot" Österreich: Dort würden die Fixkosten zu 100 Prozent anerkannt. Damit in Deutschland nicht die Lichter einer ganzen Branche ausgehen, erwartet das Bündnis nun schnelles Handeln von der Bundesregierung: "Wir brauchen einen Bundesbeauftragten für die Veranstaltungswirtschaft, um einen Rettungsdialog zu starten", fordert Christian Eichenberger, Mitinitiator von "Alarmstufe Rot". Denn: "Der Bundesregierung ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungswirtschaft nicht klar."

Veranstalter sind sechstgrößter Wirtschaftszweig

Tatsächlich ist der Umsatz der Veranstaltungsindustrie immens. Wenn man wirtschaftsbezogene Events wie Messen mitrechnet, die den Löwenanteil der Branche ausmachen, setzt die Veranstaltungswirtschaft im Jahr 129 Milliarden Euro um. Damit ist die Branche Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig. Mit Kulturveranstaltungen wie Konzerten oder Theatern werden nach eigenen Angaben allerdings nur 6,6 Milliarden Euro umgesetzt.

Demonstration – ein "extrem wichtiges Zeichen"

Mit dem Tag ist Tobias Viße aus Feldkirchen bei München zufrieden – nicht nur, was die Einhaltung der Hygienestandards betrifft: "Die Demonstration heute war ein extrem wichtiges Zeichen. Ich bin sehr sicher, dass wir nicht überhört werden können." Für seine Mitarbeiter und ihn geht es am Abend zurück nach Feldkirchen.

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