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Venezuela: Darbende Wirtschaft im ölreichsten Land der Erde | BR24

© picture-alliance/dpa

Unruhen in Venezuela: Das Land liegt wirtschaftlich und politisch am Boden

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Venezuela: Darbende Wirtschaft im ölreichsten Land der Erde

Der Machtkampf in Venezuela spitzt sich zu - und damit die katastrophale Versorgungslage. Die Wirtschaft liegt am Boden. Doch wie konnte sich das ölreiche Land an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs manövrieren?

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Venezuelas Wirtschaft liegt am Boden: In dem Land mit den größten Ölreserven der Welt leben heute mehr als 80 Prozent der Menschen in Armut, viele hungern, die staatliche Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen.

Vor allem die Ärmsten leiden darunter - und immer lauter machen viele einen Schuldigen aus: Staatschef Nicolás Maduro.

"Früher konnten wir essen, was wir wollten, heute gibt es nichts mehr. Maduro sagt, es gibt genug, aber das ist eine Lüge! Weg mit Dir, Maduro!" Demonstrantin in Caracas

Venezuelas Führung macht Ausland für Misere verantwortlich

Staatschef Nicolás Maduro weist jede Schuld von sich, sieht den Grund für den Zusammenbruch der venezolanischen Wirtschaft nicht in seiner Politik, sondern im Ausland. "Wir fordern ein Ende der Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade. Das ist das erste Thema für eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung", sagt Maduro.

Venezuela hängt seit jeher am Öl. Jahrelang hatte Maduros Amtsvorgänger und Mentor, Hugo Chávez, Sozialprogramme aus den damals sprudelnden Öleinnahmen finanziert und die Armut in Venezuela drastisch reduziert. Außerdem unterstützte er befreundete Staaten wie Kuba und Bolivien.

Kursrutsch des Ölpreis ließ Wirtschaft schrumpfen

Das ging so lange gut, wie der Ölpreis nach der Jahrtausendwende stieg und stieg. Doch nach Chávez' Tod 2013 rutschte der Kurs dramatisch ab. In der Folge stiegen Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit auf Rekordwerte, die Wirtschaft ist im Vergleich zu Chávez Zeiten um zwei Drittel geschrumpft.

Daran ist allerdings nicht nur der Ölpreisverfall Schuld. Ökonomen wie Luis Oliveros zu Folge war es fatal, die staatliche Ölgesellschaft PDVSA nach und nach zu politisieren. 2017 sei die gesamte PDVSA-Führung entlassen und durch Militärs ersetzt worden, sagt der Ökonom und kritisiert:

"Die haben keine Ahnung von dem Geschäft. Die Fördermenge ist in den sechs Monaten danach nochmals um ein Drittel gesunken. Das illustriert den Zusammenbruch." Luis Oliveros, Ökonom

Der einstige Goldesel Ölindustrie lahmt

Die Ölgesellschaft PDVSA ist schwer krank. Heute fördert der einstige Goldesel höchstens noch ein Drittel so viel Öl wie vor 20 Jahren. Besserung ist nicht in Sicht. Milliarden sind durch Korruption verschwunden, durch fehlende Investitionen sind die Förderanlagen marode. Hinzu kommen andere wirtschaftliche Entscheidungen aus der Ära Chávez.

Mit der Begründung, Reiche schafften Geld ins Ausland und Unternehmer versuchten, das sozialistische Projekt zu sabotierten, führte Chávez Wechselkurskontrollen ein und begann Firmen zu verstaatlichen - in Stahl- und Zementindustrie, der Telekommunikation, im Bankensektor.

Verstaatlichung der Privatwirtschaft und Korruption

Schon 2010 warnte Ökonom Elio Ohep, die Privatwirtschaft habe keinen Anreiz mehr zu investieren. "Entweder verkauft sie ihr Eigentum an den Staat oder die Firmen werden enteignet", schildert Elio Ohep. Aber der Staat als Unternehmer sei ineffizient. Fähige Leute seien gegangen, weil sie nicht auf Linie mit der bolivarianischen Revolution waren und viele, die danach dort das Sagen hatten, seien korrupt, so der Vorwurf des Wirtschaftsexperten.

Maduro weitete seit 2013 den Einfluss der Armee auf die Wirtschaft aus. Heute stehen aktuelle und ehemalige Militärs Dutzenden Staatsunternehmen und hunderten Privatunternehmen vor. Auf die Einnahmeausfälle durch den bröckelnden Ölpreis reagierte der aber nicht mit einem Sparkurs, sondern ließ die Zentralbank frisches Geld drucken. Die folgende Hyperinflation versuchte Maduro zu bekämpfen, indem er der rasant abstürzenden Landeswährung, dem Bolivar, einfach fünf Nullen strich. Das hatte schon unter Chávez nicht funktioniert.

Schon einmal drohte Venezuela der Kollaps

Vor fast genau 30 Jahren, Ende Februar 1989, kam es in Venezuela zu einem Aufstand der Armen. Ein Verfall der Ölpreise und Korruptionsskandale hatten die damalige Marktwirtschaft an den Rand des Kollaps gebracht und zu rasant steigender Inflation und Arbeitslosigkeit geführt.

Der Caracazo genannte und brutal niedergeschlagene Aufstand läutete das Ende der Jahrzehnte lang stabilen Zweiparteiendemokratie ein und begründete den Aufstieg eines neuen Politikers. Sein Name: Hugo Chávez.

Mehr zur Krise in Venezuela im Dossier Politik heute ab 21:05 Uhr in Bayern 2.