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Venedig: Ausverkauf einer Traumstadt | BR24

© pa/dpa

Gondoliere auf dem Canal Grande, Venedig, Italien, Europa

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    Venedig: Ausverkauf einer Traumstadt

    In Venedig boomt der Tourismus – ein Milliardengeschäft, das die Stadt massiv verändert. Die Einheimischen schlagen Alarm: Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werde, sei das ursprüngliche Venedig bald komplett zerstört.

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    Der Anwalt Marco Gasparinetti ist aus dem Stadtzentrum Venedigs in die Peripherie gezogen – auf die Nachbarinsel Murano. Denn dort gibt es weniger Touristen. Marco kämpft seit Jahren gegen den langsamen Tod seiner Heimatstadt. So oft er kann, fährt er über die Lagune ins Stadtzentrum, um die massiven Veränderungen in Venedig im Auge zu behalten.

    "Überall nur noch Hotels, Privatboote dürfen gar nicht mehr anlegen. Natürlich ist es toll, hier zu wohnen. Aber ansonsten gibt es nur Nachteile, durch die Touristenmassen." Marco Gasparinetti, Rechtsanwalt aus Venedig

    Venedig hat jedes Jahr 30 Millionen Touristen

    30 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Venedig und das hat auch Folgen für die Stadt. Inzwischen leben nur noch rund 50.000 Venezianer in Venedig, in den 1950er Jahren waren es noch mehr als dreimal so viele. Die Alten sterben, die Jungen ziehen weg. Verdrängt werden die Menschen von den immer höher werdenden Mietpreisen. Immer mehr historische Paläste werden zu Bed & Breakfast-Immobilien umfunktioniert und den Verantwortlichen in der Stadt ist diese Gefahr bewusst.

    "Letztes Jahr haben wir beschlossen, dass es im Stadtzentrum keine neuen Hotels mehr geben darf." Paola Mar, städtische Tourismusbeauftragte

    Venedigs Charakter geht verloren

    Dafür sei es aber zu spät, sagen die Kritiker. Venedig habe längst schon seinen ursprünglichen Charakter als Gesamtkunstwerk verloren. Und Hotels entstehen trotz angeblichen Verbotes weiterhin. Vor allem chinesische Investoren haben in den vergangenen Jahren massiv in die Stadt investiert.

    "In den kommenden Jahren möchten 400 Millionen Chinesen Venedig besuchen. Deshalb erwerben Chinesen schon jetzt Hotels und Lokale mit Plastiktüten voller Geld – Millionenbeträge ausschließlich in bar." Marco Gasparinetti

    Der Tourismus soll sich demnächst auf das nahe gelegene Festland ausweiten. Auch dort sollen dann noch mehr Luxusläden und Hotelhochhäuser entstehen. Eine glänzende Zukunft für die Wirtschaft – doch die Venezianer befürchten den Ausverkauf ihrer Stadt.

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    report München

    Autoren
    • Karl Hoffmann
    • Ann-Kathrin Wetter
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