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Vatikan geißelt Gender-Theorie | BR24

© picture alliance/Stefano Spaziani

Petersplatz im Vatikan am 8. Juni 2019.

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    Vatikan geißelt Gender-Theorie

    Der Vatikan hat am Pfingstmontag eine kritische Stellungnahme zum Thema Gender veröffentlicht. Das Dokument kritisiert unter anderem Gender-Vorstellungen, die "Manipulationen des Körpers nach Belieben" befürworten.

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    Der Vatikan hat sich offiziell gegen eine "Gender-Theorie" ausgesprochen, nach der Menschen ihr Geschlecht wählen oder ändern können. Fließende Grenzen zwischen Geschlechtern seien ein Symptom eines "konfusen Konzepts der Freiheit" und nur für den Augenblick bestimmte "Sehnsüchte", die für die postmoderne Kultur typisch seien, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Dokument der Kongregation für das katholische Bildungswesen.

    In Schulen herrsche beim Thema Sexualität ein "Bildungsnotstand"

    In Schulen mache sich zudem beim Thema Sexualität ein "Bildungsnotstand" breit, heißt es in dem Dokument mit dem Titel "Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs zur Genderfrage in der Bildung". Die Gender-Theorie sei eine "Ideologie, die den Unterschied (...) in der Natur eines Mannes und einer Frau leugnet und eine Gesellschaft ohne geschlechtliche Unterschiede vorsieht und somit die anthropologische Grundlage der Familie eliminiert".

    Der Leiter der Vatikanischen Bildungskongregation, Kardinal Giuseppe Versaldi, betonte, beim Thema Gender gebe es ein "hohes Risiko an Missverständnissen und ideologischen Konflikten". Die Bildungskongregation wolle mit ihrem Dokument zum Dialog einladen, schrieb er in einem Begleitartikel zu dem Dokument für die Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano".

    Vatikan: Familien sollen Vorbild sein

    Zur besseren Vermittlung der katholischen Geschlechtervorstellung nimmt das Schreiben besonders Familien sowie katholische Bildungseinrichtungen in die Pflicht. Diese sollten selbst Vorbild sein, müssten jedoch auch besser auf aktuelle Entwicklungen und Diskussionen zu dem Thema vorbereitet werden. Die katholische Kirche spricht sich immer wieder offen gegen die Gender-Theorie aus, weil dies der traditionellen Vorstellung von Mann und Frau als Eheleuten und Eltern widerspreche.

    Skeptische Äußerungen zur Gender-Theorie gab es zuvor bereits in Papst Franziskus' Schreiben zu Ehe und Familie "Amoris laetitia". "Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann", heißt es in dem Lehrschreiben von 2016.

    Kritik von Schwulen- und Lesben-Verband

    Der Verband New Ways Ministry, der für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) in der katholischen Kirche einsteht, kritisierte das Papier umgehend. Es befeuere Vorurteile und Gewalt gegen Homosexuelle und Transgender. Zudem sorge der Text bei Personen, die ihre Geschlechteridentität oder sexuelle Orientierung infrage stellten, nur für weitere Verwirrung. Betroffene stünden unter einem vermehrten Risiko, sich selbst Schaden zuzufügen.

    Das Geschlecht werde "nicht nur durch sichtbare Genitalien bestimmt", heißt es in einer Mitteilung von New Ways Ministry, "sondern auch durch Genetik, Hormone und Chemie - Dinge, die bei der Geburt nicht sichtbar sind". "Der Vatikan bleibt im Mittelalter, fördert die falsche Lehre und stützt sich auf Mythen, Gerüchte und Unwahrheiten."