BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Andrew Medichini
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Andrew Medichini

13.06.2021, Vatikan, Vatikanstadt: Menschen drängen sich auf dem Petersplatz im Vatikan

3
Per Mail sharen

    Vatikan und Berlin feiern 100 Jahre diplomatische Beziehungen

    Der vatikanische Kardinalstaatssekretär ist zu Besuch in Berlin. Offizieller Anlass: Seit 100 Jahren pflegen der Heilige Stuhl und Deutschland diplomatische Beziehungen. Ein nicht immer einfaches Verhältnis.

    3
    Per Mail sharen
    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Pietro Kardinal Parolin, der Staatssekretär von Papst Franziskus, predigt heute Abend bei einem Festgottesdienst in der St. Johannes Basilika in Berlin. In der deutschen Hauptstadt trifft der Vertreter des Heiligen Stuhls auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. Anlass sind die seit 100 Jahren bestehenden diplomatischen Beziehungen.

    Deutsche Beziehungen zum Heiligen Stuhl seit 1920

    Vier Jahre lang war Annette Schavan, ehemalige Bundesministerin, deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl. Der Titel Vatikan-Botschafterin sei eigentlich nicht korrekt, sagt sie: "Es ist ja nie die Beziehung zum kleinen Territorialsaat, sondern die Beziehung zum Heiligen Stuhl. Diese sehr pathetisch klingende Bezeichnung ist ein eigenes Völkerrechtssubjekt und bedeutet: Beziehung zur Weltkirche, die auf fünf Kontinenten präsent ist."

    Die deutschen Beziehungen zum Heiligen Stuhl sind im Übrigen auch älter als der Vatikanstaat, der sich als Zwergstaat mitten in Rom erst 1929 gründete. 1920 schickte der Papst zum ersten Mal einen Nuntius, einen Botschafter, nach Berlin. Pandemiebedingt wird das hundertjährige Jubiläum dieses Ereignis nun, ein Jahr später, groß gefeiert und dabei wird natürlich auch an diesen ersten Botschafter erinnert: Eugenio Pacelli, der auch später als Papst Pius XII. enge Beziehungen zu Deutschland pflegte. Zum Beispiel 1949, als er sich in einer Radioansprache an Berliner Katholiken wandte: "Das Werk der Zerstörung, das die vergangenen Jahre hinterlassen haben, kann nur überwunden werden von Menschen, die jetzt an die Barmherzigkeit und Liebe Gottes glauben."

    Diplomatische Krise: Merkel kritisiert 2009 den Papst

    Ganz unkompliziert war die Beziehungsgeschichte zwischen Deutschland und dem Vatikan nie. 2009 sorgte ausgerechnet Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine kleine Krise, als sie ohne diplomatische Rücksichtnahme Papst Benedikt XVI. dafür kritisierte, dass er den Holocaust-Leugner Williamson von der Piusbruderschaft wieder in die katholische Kirche aufgenommen hatte. "Es geht darum, dass von Papst und Vatikan klargestellt wird, dass es keine Leugnung geben kann und dass es positiven Umgang mit dem Judentum geben muss, diese Klarstellungen sind noch nicht ausreichend erfolgt", forderte sie damals.

    Weiterer Konfliktfall: Die Schwangerenkonfliktberatung

    In Fällen wie diesen muss der deutsche Botschafter am Heiligen Stuhl die Wogen glätten. In anderen Konflikten kann die Diplomatie wenig ausrichten. Das sind dann innerkirchliche Angelegenheiten, die der Vatikan direkt mit der Kirche vor Ort klärt.

    Nach der gesetzlichen Neuregelung des Schwangerschaftsabbruches in Deutschland Ende der 1990er-Jahre wollte sich eigentlich auch die katholische Kirche in Deutschland an der Beratung von Schwangeren beteiligen. Annette Schavan bezeichnet es als "harten Tobak", dass der Papst den katholischen Beratungsstellen das damals verbot.

    Beziehungen zwischen Respekt und Skepsis

    Für die CDU-Politikerin schwanken die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl immer zwischen Respekt und Skepsis. "Die Deutschen, die schauen, was Rom sich wieder ausdenkt und in ihre Landschaft nicht passt. Und die Römer sagen: Na ja, einen Luther hatten sie ja schon. Es ist eben das Land der Reformation." Gerade überwiegt wieder die Skepsis. Im Vatikan beobachtet man den Reformprozess in der deutschen katholischen Kirche in Deutschland mit Argusaugen.

    Newsletter abonnieren

    Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Fachredaktion Religion und Orientierung.