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USA: Virtueller Parteitag der Demokraten startet

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USA: Virtueller Parteitag der Demokraten startet

Heute beginnt in den USA der viertägige Parteitag der Demokraten, auf dem sie Joe Biden zu ihrem Präsidentschaftskandidaten wählen sollen. Wegen der Corona-Pandemie findet der Parteitag virtuell statt. Alle Redner werden per Video zugeschaltet.

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Der Parteitag der Demokraten hat noch nicht mal angefangen. Aber für Trace Freese aus der Kleinstadt Dike in Iowa ist er schon wieder vorbei: "Alles erledigt." Tracy hat wie die übrigen 4.750 Delegierten ihre Stimme schon bis zum Wochenende online abgegeben, erzählt die Mitdreißigerin mit den roten Haaren im Skype-Interview. Und meint trocken: "Toller Parteitag, zuhause am Computer."

50.000 Demokraten zuhause an den Rechnern

Die Finanzberaterin hatte sich schon sehr gefreut, auf ihren ersten Parteitag, auf vier Tage im Politrausch in Milwaukee, um gemeinsam mit 50.000 Demokraten Energie zu tanken und Ideen zu entwickeln für den Wahlkampf. Jetzt ist sie enttäuscht.

Tracy ist selbstständige Finanzberaterin, Vorsitzende ihres Kreisverbandes und hat im Vorwahlkampf den Parteilinken Senator Bernie Sanders unterstützt. Trotzdem hat sie jetzt für Joe Biden, den designierten Kandidaten gestimmt. Wenn auch hörbar ohne große Begeisterung: Die Zeit sich zu verlieben sei vorbei. Jetzt sei es Zeit, sich zu versammeln.

Staatliche Krankenversicherung? Auch nicht mit Biden

Dass der Parteitag nur online stattfindet, ist nicht der einzige Wermutstropfen, den Tracy und die übrigen Delegierten im Sanders-Lager schlucken mussten. Eine ihrer zentralen Forderungen und eines der großen Streitthemen im Vorwahlkampf, nämlich eine staatliche Krankenversicherung für alle, wird ein Präsident Biden nicht erfüllen. Stattdessen soll das staatliche Programm, Obamacare genannt, nur reformiert und ausgebaut werden.

"Bidens Wahlprogramm kommt bei uns Progressiven nicht gut an. Wir haben nicht dafür gestimmt." Tracy Freese, Delegierte der US-Demokraten

Auch von Kamala Harris, die Vizepräsidentschafts-Kandidatin werden soll, ist die Freese nicht restlos begeistert. Aber immerhin: Rhetorisch sei die gut und Freese hofft, dass die Kampagne auch nutzt. Wenn Biden und Harris unentschlossene Republikaner überzeugen wollten, dann müssten sie auch bei konservativen Sendern wie Fox News auftreten. Aber Biden komme mit so einem Druck nicht so gut klar, glaubt die Delegierte.

"Damals waren wir noch unschuldige Sommerkinder"

Bei aller Enttäuschung: Tracy hofft, dass alle Demokraten, egal ob ursprünglich für oder gegen Biden, nun alles tun, um ihn ins Weiße Haus zu bringen. Oder: Um Trump daraus zu vertreiben. Anders als 2016, wo viele Delegierte Hilary Clinton nicht ihre Stimme geben wollten, würden sie jetzt diese Wahl nutzen: "Damals waren wir noch unschuldige Sommerkinder. Wir sind nicht mehr die gleichen Demokraten, weil wir erleben, wie unsere Demokratie zerstört wird."

Virtueller Parteitag mit vier mal zwei Stunden zur besten Sendezeit

Die vier Tage des Parteitags, reduziert auf jeweils zwei sorgfältig choreografierte Stunden zur besten Sendezeit, mit Reden von allen demokratischen Promis wie den Clintons, den Obamas, Bernie Sanders und Dutzenden mehr, wird Tracy nun allein zuhause verfolgen.

Nicht mal die gut 50 Delegierten aus ihrem ländlichen Bundesstaat Iowa wollten sich aus Angst vor der Pandemie persönlich treffen. Immerhin: Ein paar Souvenirs haben Tracy und ein paar Mitstreiter organisiert: "Die Delegierten bekommen eine coole Jacke, einen Kaffeebecher und ein Notizblock, um an den demokratischen Parteitag 2020 zu erinnern. Der Parteitag, der nicht stattfand."

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