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"Wir sind Trump": Portrait einer Familie im Süden der USA | BR24

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Viele in den großen Städten der USA entlang der Küsten können sich kaum vorstellen, warum jemand Donald Trump erneut zum Präsidenten wählen sollte. Ganz anders die Lage im Kernland der USA. Insbesondere hier ist Trump beliebt.

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"Wir sind Trump": Portrait einer Familie im Süden der USA

Viele in den großen Städten der USA, vor allem entlang der Küsten, können sich kaum vorstellen, warum jemand bei der vergangenen Wahl für Trump gestimmt hat und ihn nun erneut zum Präsidenten wählen sollte. Ganz anders die Lage im Kernland der USA.

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Im Kernland der USA ist Trump ganz besonders beliebt. Sein Wählerpotential: Weiße der unteren Mittelschicht, die fest an die traditionellen amerikanischen Werte glauben. Menschen, die sich von der etablierten Politik und den "politisch korrekten" Themen des urbanen Mainstreams entfremdet haben. Für sie ist Donald Trump ein Held.

Insbesondere im amerikanischen Süden, an der Grenze zu Alabama etwa, wird Donald Trump wie ein Star gefeiert. Seine Besuche, erzählt die Krankenschwester Ruth, würden stets regelrechte Begeisterungsstürme hervorrufen. Sie hat Donald Trump selbst bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen gesehen, hat sich für Stunden in die Schlange gestellt.

"Wir sind heute ein erfolgreicheres, glücklicheres Land"

Ruth ist von Donald Trump überzeugt, ja, man könne durchaus sagen, sie sei sein Fan, erklärt sie. Im Fenster ihres Hauses hängt stolz die Trump-Flagge. Vor dem Haus hat sie Trump-Wahlplakate aufgestellt. Auch Ruths Mann Dan ist von Donald Trump begeistert. Dan ist Lehrer an der örtlichen Mittelschule, er unterrichtet Geschichte. "Donald Trump ist einer von uns", sagt Dan. "Er ist ein patriotischer Amerikaner, er stellt Amerika an die Spitze."

Und der Blick zurück auf die knapp vier Jahre Trump Regierung? Alle Versprechen gehalten, antwortet Dan. Anders als Politiker sonst, die viel versprechen und nach der Wahl alles vergessen würden."Unsere Arbeitslosenquote ist großartig zurückgegangen, die Leute haben wieder Arbeit, verdienen Geld", meint Dan. "Sie sind glücklicher. Wir sind heute ein viel erfolgreicheres, glücklicheres Land als wir es für lange Zeit waren."

Die schweigende Mehrheit entscheidet

"Silent Majority", die "schweigende Mehrheit", ist ein Begriff, der beim Besuch in der Familie von Ruth und Dan immer wieder fällt. Die schweigende Mehrheit in Amerika, davon ist Dan überzeugt, werde bei der Wahl am 3. November zeigen, woran sie glaube. Das werde eine große Überraschung für viele Menschen sein, glaubt der Geschichtslehrer.

Aber worum geht es eigentlich? Um nicht weniger als die Frage, was es eigentlich heißt, Amerikaner zu sein. Wofür steht dieses Land, welche Werte prägen den Alltag. Werte, die nach Ansicht von Ruth und Dan die Vereinigten Staaten groß gemacht haben: Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, hart zu arbeiten, Familie, Religion, sich selbst schützen zu können. Stolz zu sein auf die eigene Geschichte, darauf, eine Nation geschaffen zu haben. Vor allem, dass es einmal diese Werte waren, die die Menschen zusammenhielten.

Viele Trump-Wähler fühlen sich nicht ernst genommen

Und sie selbst waren einmal diejenigen, die diese Werte repräsentierten und in ihren Augen weiter repräsentieren, die Mittelschicht, die Amerikas Kern ausmacht. Sie hier auf dem Land, die von denen in den großen Städten entlang der Küsten nicht mehr ernst genommen werden.

Ihre Werte seien von einer macht- und geldgierigen Allianz aus Politik, Wirtschaft und Medien als provinziell dargestellt und lächerlich gemacht worden. Man würde sie als "Hillbillies", als Hinterwäldler verunglimpfen, schimpft Dan: "Wir glauben daran, dass wir das Recht auf Arbeit haben, das Recht stolz zu sein auf das, was wir tun und erreicht haben. Wir wollen Menschen und anderen Ländern helfen, die in Not sind. Wir glauben, dass wir unsere Religion ausüben dürfen, zu sagen, was wir denken. Und wenn wir das wollen, Schusswaffen zu besitzen."

Stolz darauf Amerikaner zu sein

Dans ältester Sohn Matt hat das Gefühl, dass ihnen die urbane Gesellschaft alle Rechte und ihre Freiheiten nehmen will. Die Freiheit etwa sagen zu können, was sie für richtig halten: "Amerikaner sein heißt, die Freiheit zu haben zu sagen, was ich sagen will. Das Recht mein Leben zu leben wie ich es möchte."

Matt hat Grafik und Design studiert. Ein Bereich in dem es gerade keine Jobs gibt. Also arbeitet er bei der Tourismusorganisation weiter südlich am Golf von Mexiko, sorgt dort als Strandmanager dafür, dass sich Touristen wohlfühlen. Die Angst, seine Meinung nicht mehr sagen zu dürfen, kommt immer wieder. "Sie sagen, sie wollen Amerika wieder zu dem machen, was es war", so Matt. "Aber dann kommen sie und wollen den Menschen das Recht nehmen, ihre Meinung zu sagen. Alles wird "rassistisch" genannt. Alles nennen sie "Hassbotschaft". Und dann greifen sie Menschen persönlich an."

Das Gefühl verunglimpft zu werden

Dabei seien sie nicht rassistisch, betont Matt. Viele Freunde der Familie, darunter auch die besten, gehörten zu Minderheiten. Es gehe lediglich darum, dass sich alle an dieselben Regeln hielten. Vor vier Jahren war es Hillary Clinton, die mit einem Satz die Menschen hier auf dem Land endgültig entfremdet habe, sagt Dan.

Trump Anhänger habe es damals geheißen, seien nichts als ein Haufen bedauernswerter Menschen. "Ja, und ich bin stolz darauf ein 'Bedauernswerter' zu sein, weil ich 2016 Hillary Clinton nicht unterstützt habe", sagt Dan. "Der Satz hat furchtbar viele Leute abgeschreckt, Hillary zu wählen."

Die Ereignisse der vergangenen Monate, die Proteste, Aufstände, Gewalt in den Straßen, das alles sei Beweis dafür, dass in der Nation etwas auseinander gebrochen ist. "Da randalieren Leute in den Straßen, verbrennen Flaggen und so", sagt Dan. "Die sind nicht stolz darauf, was Amerika ist oder war."

Hassobjekt: "Politische Elite"

Die Demokraten, die sie früher alle einmal gewählt haben, als das eine Partei des Volkes gewesen sei, ergänzt die Mutter von Dan, hätten sich so weit weg bewegt. Sie nutzten die Leute aus, seien habgierig und wollten alles für sich. Und dann sei Donald Trump gekommen. Seine Botschaft: Ihr seid die wahren Amerikaner. Ihr steht für das, was Amerika ausmacht. Ihr seid die wahre Elite dieses Landes, nicht diejenigen, die sich dafürhalten würden.

"Ihr seid die Elite. Ihr wisst doch, wie sie über die Elite sprechen. Sie halten sich für die Elite. Ich sehe die ständig, die sind keine Elite, ihr seid die Elite. 'Die Elite hat entschieden', oh wie haben wir die Elite gehört. Ihr seid die Super-Elite." Donald Trump, US-Präsident

Trumps Versprechen: Er werde den Sumpf dieser selbst ernannten Elite austrocknen und vor allem: Politisch korrekte Sprache werde er ignorieren. Denn die sei nichts als ein Instrument, um wahre Amerikaner mundtot zu machen, meint der mittlere Sohn Danny. Ihm sei es wichtig, dass politische Führer in den USA die Werte unterstützen, die er habe. Donald Trump komme einer solchen Führungsperson am nächsten.

Danny studiert noch und will Ingenieur werden. Unter der Führung von Donald Trump, sagt er, könnten alle arbeiten, wo sie arbeiten wollten. Könnten nach Glück streben, Geld verdienen, ihr Leben verbessern statt selbstgefällig zu werden und Almosen anzunehmen.

"Demokraten haben uns vor langer Zeit verlassen"

Damit kommt Danny auf einen Punkt zu sprechen von dem die ganze Familie glaubt, dass etwas falsch läuft im Land. Die Demokraten wollten einen Staat, der alles für die Menschen regelt, das wollen sie nicht. Die Demokraten kümmerten sich vor allem um diejenigen, die Ansprüche stellten, die Hand aufhielten. Das wollen sie nicht. "Die Demokraten haben uns vor langer Zeit verlassen", meint Danny. "Die stehen für nichts mehr, was mir wichtig ist. Denen ist so etwas wie Familie egal geworden. Sie sagen das eine und tun das andere."

Klar, ergänzt sein Bruder Matt, die Welt ändere sich und man müsse gewisse Dinge verändern. Und wenn Leute auf die Straße gingen, um dagegen zu protestieren, dass Schwarze noch immer schlechter da stünden und Opfer von Gewalt würden, dann sei das gerechtfertigt. Nur, wie sie es machten, sei eben zu radikal.

Trumps Wähler: Fromm und patriotisch

Der Kirchgang am Sonntag ist für die meisten hier in Nordwest Florida an der Grenze zu Alabama ein Pflichttermin. Dans und Ruths Familie sind Südstaaten Baptisten, so wie die Mehrheit in der Region. Sehr auf die Gemeinde fokussiert, man gehört zusammen. Der Gottesdienst ist vor allem Anlass, sich mal wieder zu sehen und zu diskutieren. Wer hier zur Kirche geht, denkt konservativ. Die meisten halten an den gleichen Werten fest, die auch Dan und Ruth so wichtig sind.

Und Donald Trump, da ist sich Danny sicher, wird ihnen helfen, dass sie erhalten bleiben. "Ich glaube als Christ fest daran, dass Gott Trump für diese Zeit aufgebaut hat", meint Donny. "Welcher andere Mann könnte diese Schläge aushalten? Den Missbrauch, den dieser Mann hinnehmen muss."

Für Donny, den Farmer mit 30.000 Hektar Land und vor allem Erdnüssen für den Export, ist Trump offenbar auch beruflich ein Segen. Er sei wunderbar, sagt der Farmer, weil er Zölle auf chinesische Waren verhängt habe. Dann habe Trump das Geld aus den Zöllen genommen, um den Farmern zu helfen, die Verluste auszugleichen.

Auch Rebecca hat Trump gewählt. Sie habe klare Kriterien, nach denen sie Kandidaten überprüfe, sagt sie. Sie sei konservativ, klar, aber sie schaue immer in die Bibel, frage was Gott wolle und wähle dann die richtige Person.

Mit Gottes Hilfe zum Präsidenten

Auf der anderen Seite: Donald Trump ist nicht gerade das Musterbeispiel für eine Lebensweise nach christlicher Moral. Wie geht das zusammen? Dans Frau Ruth hat dafür eine simple Erklärung: Gott habe Trump nicht in die Position gebracht, weil er ein perfekter Mensch sei. Gott bringe alle an den Platz, an den die Menschen gehörten, dort wo sie perfekt für ihre Aufgabe seien.

Deshalb ist Ruth fest davon überzeugt, dass Donald Trump im Januar für eine zweite Amtszeit eingeschworen wird. Gott sei bei allem beteiligt was in der Welt passiere. Er wisse schon jetzt wer die Wahl gewinne und das werde Donald Trump sein.

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