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US-Wahl 2020: Die Swing States - Heute Trump, morgen Biden? | BR24

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Bildrechte: picture alliance/Yegor Aleyev/TASS/dpa

Das Duell Trump gegen Biden geht in die finale Phase. Was beide Kandidaten in dieser Zeit tun: Sie besuchen fast nur die "Swing States", jene Staaten, die mal republikanisch, mal demokratisch wählen. Welche sind es und warum sind sie so wichtig?

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US-Wahl 2020: Die Swing States - Heute Trump, morgen Biden?

Das Duell Trump gegen Biden geht in die finale Phase. Was beide Kandidaten in dieser Zeit tun: Sie besuchen fast nur die "Swing States", jene Staaten, die mal republikanisch, mal demokratisch wählen. Welche sind es und warum sind sie so wichtig?

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Von
  • Julia Kastein

Swing State - wer den US-Wahlkampf verfolgt, kennt den Begriff längst: gemeint sind die Staaten, deren Wähler mehrheitlich mal einen Demokraten, mal einen Republikaner fürs Präsidentenamt favorisieren. Und damit sind diese Wähler entscheidend - und im Wahlkampf heiß umkämpft.

Harter Wahlkampf in den Swing States

David, Logistik-Experte aus dem traditionellen Swing State Ohio, darf sich geschmeichelt fühlen: Wegen Wählern wie ihm geben die Wahlkampf-Teams Millionen Dollar für TV-Werbung aus, lassen ehrenamtliche Helfer anrufen oder an der Tür klingeln und schicken ihre Kandidaten fürs Präsidentenamt so häufig wie möglich für Wahlkampf-Auftritte in seine Gegend.

"Ist schon eine Ehre, Teil dieses Prozesses zu sein", sagt der 67-Jährige, der sich selbst als unabhängigen Konservativen beschreibt und noch nicht weiß, für wen er stimmen will. "Ohio ist immer ausschlaggebend. Wer in Ohio gewinnt, der gewinnt auch das Präsidentenamt."

Kandidat mit Mehrheit in Staat, bekommt alle Stimmen

Dass die sogenannten Swing States so entscheidend sind - das liegt an den Besonderheiten des US-Wahlsystems: Der Präsident wird nicht direkt, sondern durch Wahlleute gewählt. Die Zahl der Wahlleute richtet sich primär nach der Bevölkerungszahl. Der Kandidat, der in einem Bundesstaat gewonnen hat, bekommt alle Wahlleute-Stimmen aus diesem Staat - egal wie knapp die Mehrheit war.

In den meisten Staaten ist schon vorab klar, wie die Wahl ausgehen wird - weil die Mehrheitsverhältnisse klar und stabil sind, erklärt David Schultz von der Hamline University in Minnesota. Der Politologe hat schon mehrere Bücher zum Thema Swing States geschrieben. Diesmal wird es voraussichtlich in sieben bis acht Staaten knapp und damit wahlentscheidend: "Arizona, Florida, Michigan, Pennsylvania, North Carolina, Wisconisn - und ich würde Minnesota jetzt raus und Ohio reinnehmen."

Trump gewann 2016 viele Swing States knapp

Ob ein Staat wirklich ein Swing State ist - das kann sich schnell ändern. Beispiel: Minnesota. 2016 gewann Hillary Clinton die Wahl dort - aber nur ganz knapp. Donald Trump, sagt Schultz, hat sich deshalb diesmal Chancen ausgerechnet. Aber: "Im September hat Donald Trump noch für Millionen Dollar TV-Werbung in Minnesota geschaltet - richtig viel Geld." Jetzt habe er aber die meiste Werbung gestrichen. "Und Fakt ist, dass Joe Biden in den Umfragen konstant mit acht bis neun Prozentpunkten führt", so Schultz. Er vermutet, dass Trump eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht hat und deshalb Minnesota aufgegeben habe. "Nicht offiziell, aber gewissermaßen."

2016 gewann Trump die Wahl, weil er in vielen Swing States knapp siegte - in Michigan beispielsweise nur mit 10.000 Stimmen Vorsprung. Und auch diesmal wird es wieder sehr eng, glaubt Schultz: "Die Wahl entscheiden letztlich zehn Prozent der Wähler in ungefähr elf Landkreisen verteilt auf sieben Staaten. Das sind nicht viele Menschen: Ich denke, wir reden hier letztlich über ungefähr über 50.000 Wähler, die den Ausgang entscheiden."

Weniger Wechselwähler als 2016

Nur ganz wenige - höchstens fünf Prozent - sind diesmal wirkliche Wechselwähler, die beim letzten Mal republikanisch und jetzt demokratisch wählen oder umgekehrt, sagt Schultz. Stattdessen bedeutet "Swing Voter": Ob man überhaupt wählen geht oder nicht.

Trump verdankte seinen Sieg 2016 vor allem zwei Faktoren: Er schaffte es, seine Basis besser zu mobilisieren, nämlich weiße Männer aus der Arbeiterschicht mit niedrigem Bildungsniveau, von denen viele zum ersten Mal wählen gingen. Seine Konkurrentin Hillary Clinton dagegen konnte ihre potentielle Wählerschaft nicht an die Urnen ködern: Frauen aus den Vorstädten mit Uni-Abschluss. Auch diesmal kommt es darauf an, wer besser mobilisieren kann: Trump die weißen Arbeiter - oder Biden die Akademikerinnen aus den Vorstädten.

Registrierte Demokratin: "Finde keinen der beiden gut"

Die Vorhersagen sind schwierig. Und zwar auch wegen Wählerinnen wie Donna aus Pennsylvania. Ihr Fazit des intensiven Wahlkampfs in ihrem Swing State: Verwirrend und beunruhigend. Die Krankenschwester aus einem Vorort von Pittsburgh will unbedingt wählen. Nur weiß sie immer noch nicht für wen. "Ich bin registrierte Demokratin. Aber ich wähle den, den ich für besser geeignet für den Job halte. Das Problem ist nur: Diesmal finde ich keinen der beiden gut."

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