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US-Truppenabzug aus Deutschland: Polen als neuer Standort? | BR24

© picture alliance / Nicolas Armer/dpa

US-Truppenabzug aus Deutschland: neuer Standort Polen?

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    US-Truppenabzug aus Deutschland: Polen als neuer Standort?

    Wohin mit den US-Truppen, falls sie aus Deutschland abgezogen werden? Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hofft, dass ein Teil davon nach Polen kommt. Das Verhältnis zwischen Polen und den USA ist gerade enger denn je.

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    Für die Trump-Administration ist Polen ein wichtiger Ausgleich zu den westeuropäischen Verbündeten: Als zum Beispiel aus der Debatte über neue Kampfflugzeuge in Deutschland Mitte Mai eine Frage über den Einsatz von Atomwaffen wurde, griff die US-Botschafterin in Polen, Georgette Mosbacher, schnell zum Handy und textete: "Wenn Deutschland atomare Ressourcen verringern und die NATO schwächen will, könnte Polen die Ressourcen bei sich aufnehmen."

    US-Truppen von Deutschland nach Polen?

    20 US-Atomwaffen sind auf dem Stützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz gelagert. Warum die nicht näher an die – so Mosbacher wörtlich - Ostflanke der NATO, nach Polen verlegen? Die Trump-Administration habe sich in ihrer Außenpolitik von Anfang an stärker um die Verbündeten in Mittel- und Ost-Europa bemüht, schätzt Nile Gardiner von der Hermitage Foundation, einem konservativen Politikinstitut in Washington D.C.

    "Die bisherige Machtbasis mit Paris, Berlin und Brüssel wird von aufstrebenden Mächten in Osteuropa herausgefordert, vor allem durch Warschau. Es entsteht ein Europa mit deutlich mehr Facetten. Die Vereinigten Staaten stellen sich auf die Veränderungen ein und versuchen sie auch zu beeinflussen." Nile Gardiner, Heritage Foundation, Washington D.C.

    USA und Polen: Freundschaft und Geschäfte

    Die polnische Bevölkerung liebe die Vereinigten Staaten und die USA liebten Polen, fasst US-Präsident Trump das Verhältnis bei einem Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in New York zusammen. Dabei kehren drei Themen immer wieder: Reiseerleichterungen, Energie und Militär. Und nicht zuletzt geht es immer auch um Geschäfte.

    Die polnische Regierung hat in den vergangenen Jahren für 4,8 Milliarden Dollar ein Raketenabwehrsystem in den USA gekauft. Anfang des Jahres unterzeichnete Warschau einen Deal über 4,6 Milliarden Dollar für 32 Kampfflugzeuge vom Typ F-35. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine Anfang 2014 erneuert das polnische Militär seine Ausrüstung.

    Die Angst Polens vor Russland findet in Washington Gehör

    Warschaus Sorge vor dem russischen Nachbarn, der Einfluss sucht, findet in Washington Gehör. Darauf angesprochen, reagierte Präsident Trump im Juni 2019 zwar ausweichend: "Ich hoffe, dass Polen, Russland und Deutschland miteinander klar kommen. Ich will das alle miteinander klar kommen". Gleichzeitig versprach er dem polnischen Präsidenten aber, 1.000 bis 2.000 US-Soldaten in Polen zu stationieren, vermutlich ein Teil der Soldaten, die aus Deutschland abgezogen werden sollen.

    USA und Polen stehen eng zueinander. "Die Beziehung zwischen Polen und den Vereinigten Staaten ist sehr stark. Ich würde Polen als zweiteinflussreichsten Verbündeten in Washington bezeichnen, direkt nach Großbritannien", sagt Nile Gardiner von der Hermitage Foundation. Mittlerweile können polnische Staatsbürger wie Westeuropäer ohne Visum in die USA reisen. Anstatt wie bisher 160 Dollar zahlen zu müssen.

    Doch auch wenn die polnisch-amerikanische Freundschaft im Moment eng ist - beim Thema Atomwaffen ist die Regierung in Warschau bisher ganz deutlich: Das NATO-Land will weder die Bündnispartner noch Russland zu sehr brüskieren und lehnte bisher jeden Vorschlag der Schutzmacht USA für eine atomare Aufrüstung ab.

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