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US-Justizministerium untersucht mutmaßlichen Suizid von Epstein | BR24

© REUTERS/Jeenah Moon

Die Leiche von Epstein wurde nach dem Fund zu einer Untersuchung gebracht.

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US-Justizministerium untersucht mutmaßlichen Suizid von Epstein

Das US-Justizministerium untersucht den mutmaßlichen Suizid des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten Unternehmers Epstein. Derweil gab US-Präsident Trump mit einem Retweet einer Verschwörungstheorie Auftrieb, dass Epstein ermordet worden sei.

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US-Justizminister William Barr hat eine Untersuchung der Todesumstände des wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagten Unternehmers Jeffrey Epstein angeordnet. In einer Mitteilung Barrs hieß es, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem "offenkundigen Suizid" in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde.

"Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen." Justizminister William Barr

Zusätzlich zu den Ermittlungen der Bundespolizei FBI habe er eine interne Untersuchung des Ministeriums in die Wege geleitet. Mitarbeiter des Gefängnisses in Manhattan hatten die Leiche des Ex-Investmentbankers am Samstagmorgen gegen 6:30 Uhr Ortszeit in der Zelle entdeckt.

Verschwörungstheorien im Umlauf

US-Präsident Donald Trump befeuerte mit einem Retweet unterdessen Verschwörungstheorien. Darin wird impliziert, Epstein sei ermordet worden - und zwar, weil er Informationen über die Clintons hatte.

Bürgermeister von New York verspricht Gerechtigkeit

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio versprach den Opfern Gerechtigkeit. "Jeffrey Epstein mag seinem Tag vor Gericht entkommen sein, aber wenn die wohlhabenden Raubtiere, die an seinem Sexring beteiligt waren, glauben, dass sie gerade davongekommen sind, liegen sie falsch", schrieb de Blasio auf Twitter.

Aufsichtspflicht vernachlässigt?

Eine Frage für die Ermittler wird nun sein, ob das Gefängnispersonal seine Aufsichtspflicht vernachlässigte. Epstein war schon im Juli mit Markierungen am Hals bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die "New York Times" berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines Selbstmordversuches ermittelt.

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er habe aber nur eine Zeit lang unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden.

Vorwurf: Aufbau eines Sexhandelsrings mit Minderjährigen

Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem 66-Jährigen vor, zahlreiche minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen anzuwerben.

Epstein wies die Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig. Der Prozess hätte im Juni 2020 beginnen sollen. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte. Epstein zeigte sich gerne mit Stars und hatte zeitweise unter anderem Kontakte zu Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Großbritannien.

Früherer Deal mit Staatsanwaltschaft

Epstein war 2008 einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und so einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen. Er bekannte sich schuldig und saß ohne Verfahren vor einem Bundesgericht eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. Zugestimmt hatte dieser Regelung auch der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta. Nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein trat Acosta von seinem mittlerweile angetretenen Amt als US-Arbeitsminister zurück.

Trump distanzierte sich zuletzt von Epstein

US-Präsident Trump hatte sich im Juli von Epstein distanziert. Er habe vor langer Zeit einen Streit mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm. In einem Interview mit dem "New York Magazine" 2002 hatte Trump Epstein dagegen noch als "großartigen Mann" beschrieben.

Hinweis:

Der Bayerische Rundfunk berichtet - vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte - in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.