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US-Demokratin Harris: Eine historische Wahl | BR24

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Sie ist eine der profiliertesten Senatorinnen: Die 55-jährige Kamala Harris aus Kalifornien. Die Tochter einer Mutter aus Indien und eines Vaters aus Jamaika tritt nun für die US-Demokraten als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt an.

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US-Demokratin Harris: Eine historische Wahl

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten Biden zieht zusammen mit der Senatorin Harris in den Wahlkampf. Sie wäre die erste Schwarze und die erste Frau überhaupt im Weißen Haus.

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US-Senatorin Kamala Harris hat Ex-Vizepräsident Joe Biden nichts geschenkt. Vor einem Jahr kritisierte sie, Biden habe sich in den 70er-Jahren dagegen ausgesprochen, Kinder mit Bussen über Schulbezirke und Kindergärten zu verteilen. Das sogenannte "Bussing" sollte die Rassentrennung auch im Alltag der USA beseitigen.

"Es gab dieses kleine Mädchen in Kalifornien, sie war Teil des zweiten Jahrgangs, in dem Weiße und Schwarze gemeinsam lernen sollten. Sie wurde mit dem Bus jeden Tag in eine Schule gebracht." Und das kleine Mädchen war ich, sagte Harris in der Fernsehdebatte, und Biden hatte anschließend Schwierigkeiten, darauf zu reagieren. Damals bemühte sich die Senatorin auch um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Sie setze ihre Kampagne später aus.

Von Gegnern zu Verbündeten

In der Late Night Show von Steven Colbert musste Harris vor ein paar Wochen erklären, warum sie und Biden trotzdem gut miteinander auskommen.

"Das war eine Debatte. Eine Debatte über unterschiedliche Meinungen zu Themen. Ich unterstützte Joe Biden mehr als 100 Prozent, und ich werde alles tun, damit Joe Biden gewählt wird." Kamala Harris

Die 55-jährige bekommt jetzt eine Chance, ihr Versprechen umzusetzen: Joe Biden hat Kamala Harris als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin vorgeschlagen.

Biden erreicht zwei Ziele

Die politische Analystin Amy Walter sagte im Fernsehsender Fox News, Biden erreiche mit seiner Entscheidung gleich zwei Ziele:

"Zum einen ist es historisch, denn er schlägt zum ersten Mal eine schwarze Amerikanerin und eine Frau mit teils indischen Wurzeln vor. Zum anderen geht er auf Nummer sicher." Amy Walter, politische Analystin

Denn die US-Senatorin hat Erfahrung, hat Wahlen gewonnen und kennt den politischen Betrieb in Washington.

Harris kann Biden helfen

Kamala Harris wurde 1964 in Oakland in Kalifornien geboren. Ihr Mutter, eine Bürgerrechtlerin und Krebsforscherin, war 1960 aus Indien in die USA eingewandert. Ihr Vater, ein Wirtschaftsprofessor, stammt aus Jamaica. Die Familie war Mitglied einer Baptisten-Gemeinde und des lokalen Hindu-Tempels.

Das könnte wichtig sein bei der kommenden Wahl: Die US-Demokraten müssen alle Teile der amerikanischen Bevölkerung ansprechen, wenn sie gegen Präsident Trump gewinnen wollen.

Senatorin nannte Trump wiederholt einen "Rassisten"

An Stellen, an denen Biden hölzern wirkt, kommt Harris meist herzlich rüber. Sie verfolgt demokratische Anliegen: So hatte sie als Senatorin für die Amtsenthebung von Präsident Trump gestimmt. Und sie scheut sich nicht, den Präsidenten für einen Rassisten zu halten:

"Wenn sie damit meinen, dass er afrikanische Länder Dreckslöcher nennt, wenn sie damit meinen, dass er Einwanderer als Vergewaltiger und Mörder bezeichnet, dann denke ich, kann man keinen anderen Schluss ziehen." Kamala Harris

Trump hatte Harris für eine Kandidatur in Kalifornien früher einmal 6.000 Dollar gespendet. Jetzt reagierte der Präsident so, wie er seit Beginn seiner Präsidentschaft auf politische Gegnerinnen reagiert. Er schmähte die Senatorin als "nasty", also als fies:

"Ich verfolge sie seit langem, und war überrascht. Sie war außergewöhnlich fies bei der Anhörung von Brett Kavanaugh. Sie war fies bis zu einer Ebene … Es war einfach eine schreckliche Sache, die Art, wie sie den jetzigen Verfassungsrichter behandelt hat. Das werde ich nicht so schnell vergessen." Donald Trump, US-Präsident

Zeit als Bezirksstaatsanwältin unter der Lupe

Aus Sicht linker US-Demokraten ist der größte Ballast, den Kamala Harris mitbringt, ihre Zeit als Bezirksstaatsanwältin in San Francisco. Damals rühmte sie sich mit der Zahl steigender Anklagen und Verurteilungen. Auf Fox News empfiehlt der frühere US-Bildungsminister Bill Bennet den Republikanern, genau an dieser Stelle anzusetzen.

"Sie wird für ihre Unterstützung der Polizei von linken Demokraten kritisiert. Biden steht in der Kritik, weil er die Strafverfolgungsbehörden unterstützt. Das wird interessant." Bill Bennet

Aber auch das Alter spielte eine Rolle, als die Wahl auf Harris fiel. Das hatte der 77-jährige Biden bei anderer Gelegenheit auf CNN schon einmal eingeräumt. Er müsse jemanden aussuchen, der - sollte ihm irgendetwas passieren - ab dem ersten Tag auch das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten übernehmen könne. Auch deshalb gilt Bidens Entscheidung für Harris in den USA als historisch.

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