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Urlaub in Skandinavien: Nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen | BR24

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Urlaub im Norden nicht überall möglich

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Urlaub in Skandinavien: Nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen

Als eines der ersten Länder Europas hatte Dänemark am 14. März seine Grenzen dichtgemacht. Nun öffnet es am Montag wieder für Touristen aus Deutschland, Island und Norwegen. Bedingung ist, dass sie mindestens sechs Übernachtungen gebucht haben.

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Wer als Deutscher ein Sommerhaus in Dänemark besitzt oder seinen Partner in dem Land besuchen will, darf bereits seit Ende Mai wieder einreisen. Einwohner Schleswig-Holsteins dürfen ab Montag ohne triftigen Einreisegrund über die Grenze nach Dänemark fahren.

Dänemark freut sich auf Lockerungen und Touristen

Wochenlang war gar nichts, und plötzlich: Trubel im Tivoli, Kopenhagens berühmtem Vergnügungspark. Die Wiedereröffnung nach der Corona-Zwangspause war ein Volksfest. Clowns, eine Kapelle, viele begeisterte Familien und mittendrin der strahlende Chef Lars Liebst. "Ich bin sehr glücklich, darauf haben wir lange gewartet. Ich denke, es ist eine echte Erleichterung für viele, dass sie wieder hierher kommen können".

Tourismusindustrie atmet auf

Und das gilt ab Montag auch für deutsche, norwegische und isländische Touristen in Dänemark. Sie dürfen ab dann wieder kommen, wenn sie nachweisen können, dass sie in Hotels, Ferienhäusern oder auf Campingplätzen mindestens sechs Übernachtungen gebucht haben, allerdings nicht in der Hauptstadtregion rund um Kopenhagen, die ist nur für Tagesgäste offen.

Dänemarks Tourismus-Industrie atmet vorsichtig auf. Wie auch die auf Island, wo man die Corona-Krise besonders effektiv gemanagt hat und es aktuell nur noch mit vereinzelten Neuinfektionen zu tun hat. Ganz oben im Norden hofft man darauf, dass langsam wieder "gesunde" Gäste kommen. Es gibt allerdings ganz eigene Einreiseregeln, erklärt der Isländische Chefepidemiologe Thorolfur Gudnason. "Jeder, der ab Montag hier ankommt, müsste eigentlich weiter in eine zweiwöchige Quarantäne. Aber nicht, wenn sie oder er sich unmittelbar nach der Ankunft testen lässt und unsere Corona-App aufs Smartphone lädt, die übrigens Touristen auch sehr nützliche Inseltipps gibt", erklärt sie die derzeitigen Regeln.

Island freut sich auf Touristen

Island ist mehr als jedes andere Land im Norden wirtschaftlich abhängig von Touristen. Mehr als zwei Millionen kommen inzwischen in normalen Jahren, darunter immer mehr Kreuzfahrer. Aber 2020 ist nun einmal alles andere als normal und da freut man sich über jeden einzelnen Besucher. Noch ist deren Zahl tatsächlich, sagen wir, übersichtlich. Genau das macht Island zum Geheimtipp im Norden: Denn es wird so schnell wohl nicht wieder möglich sein, Islands fantastische Natur, die Geysire, die Wasserfälle, die Vulkane, im Sommer ohne Touristenmassen in entsprechend großer Ruhe und Einsamkeit zu genießen.

Grenze zu Norwegen bleibt weiterhin dicht

Wer das in Norwegen tun möchte, muss übrigens noch ein bisschen warten, dort sollen die Grenzen bis zum 20. August geschlossen bleiben, in Finnland dürfen ab Montag Norweger, Dänen, Isländer und Balten wieder urlauben, Deutsche ohne eigenes Ferienhaus oder ohne finnische Verwandte aber noch nicht. Wann sich das ändert, ist unklar. In zwei Wochen soll es eine Entscheidung geben.

Tja, und dann hätten wir da noch Schweden, das seinen eigenen sehr entspannten Weg durch die Krise geht und die Grenzen nie geschlossen hat. Ein wichtiger Grund dafür ist der Tourismus. Nach dem Fast-Totalausfall über Ostern setzen jetzt viele auf den Sommer. Auch Gustav Bengtsson. Er ist Chef von Marias Camping in Mellbystrand in der Provinz Halland an der Westküste Schwedens südlich von Göteborg und für ihn gilt wie für alle in der Branche: Besucher sind willkommen, allerdings gelten eben auch Corona-Abstands- und Hygieneregregeln. "Jetzt kommen die Deutschen", hoffte er im schwedischen Radio, "da müssen wir uns vorbereiten und sehen, wie das funktionieren kann".

Schweden geht seinen eigenen Weg

Ganz so frei, wie Besucher auch aus Deutschland wohl hoffen dürften, wird es aber nicht, schon gar nicht, solange es in vielen Bundesländern eine Quarantänepflicht für Schwedenrückkehrer gibt. Das ist die Schattenseite des schwedischen Weges, Corona macht um das Land deshalb keinen Bogen, im Gegenteil, die Zahl der Neuinfizierten ist laut Robert-Koch-Institut gegenwärtig die höchste in Europa. "Wir haben die Frequenz fürs Saubermachen und Desinfizieren in den öffentlichen Bereichen und in den Toiletten zum Beispiel erhöht", versichert Gustav, mehr könne man momentan nicht tun. Wir können keine Großveranstaltungen oder Tanzabende organisieren, denn es gilt ja weiter die Begrenzung auf maximal 50 Personen. Das ist schwierig, vor allem zum Mittsommerfest. Die Leute erwarten schließlich, dass dann was passiert", erklärt er weiter.

Aber daraus wird mit Sicherheit nichts auf seinem Campingplatz direkt am Wasser, der wie viele andere so schön liegt, dass man ihn eigentlich auch ohne krachende Party gut genießen kann. Wenn das nicht die Deutschen tun, dann eben Gustavs Landsleute. "Hemester" ist hier das neue Modewort, eine Mischung aus "semester" für "Ferien" und "hem" für Zuhause, Urlaub zu Hause also. Schon jetzt bleiben von Deutschen stornierte Plätze nicht lange frei. Schweden, die in diesem Sommer auf Auslandsreisen verzichten, auch verzichten müssen, die freuen sich darüber.

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