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Urban Gardening - Gemüseanbau auf dem Friedhof | BR24

© picture-alliance/dpa

Tomatenpflanze auf einem Grab

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    Urban Gardening - Gemüseanbau auf dem Friedhof

    Die Begräbniskultur wandelt sich. Es gibt Friedwälder, Seebestattungen und immer mehr Menschen werden feuerbestattet. Friedhofsflächen liegen geradezu brach. Der Evangelische Friedhofsverband öffnet nun seine Begräbnisstätten für den Gemüseanbau.

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    Die Begräbniskultur in Deutschland wandelt sich. Da gibt es Friedwälder, Seebestattungen, Andersgläubige bevorzugen ihre eigenen Grabfelder und immer mehr Menschen werden in platzsparenden Urnen bestattet. So manche traditionellen Friedhöfe leeren sich deshalb.

    Viele Friedhöfe sind grüne Oasen inmitten dicht bebauter Großstädte. Trotzdem können Friedhofsverwaltungen Flächen ohne Gräber nicht einfach zu Parkanlagen umwidmen. Das käme zu teuer. In Berlin hat ein Evangelischer Friedhofsverband deshalb entschieden, eine seiner Begräbnisstätten für den in der Stadt beliebt gewordenen Gemüseanbau zu öffnen.

    Gemüse vom Friedhof und niemand stört sich daran

    Auf der Suche nach neuen Nutzungsmöglichkeiten arbeitet der Friedhofsverband jetzt mit den Gemeinschaftsgärtnern der Prinzessinnengärten zusammen, einem Urban-Gardening-Verein in Berlin. Die Prinzessinnengärten bewirtschaften seit dem Frühjahr den kleinen Acker und haben 60 Hochbeete aufgebaut. Zwei Mal pro Woche treffen sich Hobbygärtner auf dem Friedhofsgelände.

    Des Menschen letztes Gärtlein ...

    Verschiedene Mangold-Arten, alte Erdbeersorten oder Puffbohnen - die Prinzessinnengärtner haben ihre Friedhofsbeete zum Teil als Arche für selten gewordene Sorten angelegt. Und das Gemüse wächst in respektvollem Abstand zu den noch bestehenden Gräbern. Angehörige, die hier noch die wenigen Gräber besuchen, fühlen sich sogar sicherer, seit die neuen Friedhofsgärtner da sind. Früher trieben sich oft Junkies hier herum.

    "Wir haben gesehen, dass es wirklich gut angenommen wird von den Leuten und sehr, sehr nachbarschaftlich ist. Und auch, dass die Arbeit auf dem Friedhof sich für niemanden störend auswirkt, sondern eher positiv ist auch für Menschen, die hier Gräber haben." Robert Shaw, Geschäftsführer der Prinzessinnengärten

    ... der Gottesacker

    Dass in früheren Zeiten wohl nicht nur Tote auf den Kirchhöfen ruhten, sondern offenbar auch Tiere geweidet haben, lässt sich heute noch nachlesen bei den Brüdern Grimm im Märchen "Tischlein deck`dich". Dort spricht die lügnerische Ziege:

    "Wovon sollt' ich satt sein? / Ich sprang nur über Gräbelein / Und fand kein einzig Blättelein."