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Die Feuerwehr war hundertfach im Einsatz, wie zum Beispiel hier in Hamburg.
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Elisabeth Kagermeier
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Die Feuerwehr war hundertfach im Einsatz, wie zum Beispiel hier in Hamburg.

Nach der Dürre kam der Knall: Die von vielen ersehnten Sommergewitter entwickelten sich in Teilen Deutschlands zu gefährlichen Unwettern. Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag fegte ein orkanartiger Sturm von West nach Ost übers Land. Die Unwetterfront entwurzelte Bäume, löste Brände aus und der Starkregen ließ Bäche über die Ufer treten. Die Feuerwehr rückte hunderte Male aus. Der Verkehr auf Deutschlands Schienen und Straßen ist nach wie vor behindert.

Besonders hart trafen es den Raum Hannover, Hamburg sowie die Nordseeküste, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes am frühen Freitagmorgen sagte. An der Küste maß der Wetterdienst Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern, im Inland bis zu 110 Stundenkilometer. Auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland knickte der Sturm Bäume um, deckte vereinzelt Häuser ab und sorgte für Verkehrsbehinderungen.

Am häufigsten rückte die Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume aus

Am häufigsten rückte die Feuerwehr wegen umgestürzter Bäume aus

Verletzte Fußgänger und Autofahrer, brennende Häuser, zwei Tote Hunde

Mehrere Menschen mussten wegen Verletzungen ins Krankenhaus: In Hamburg hat ein umgestürzter Baum zwei Jugendliche getroffen. Der 18-jährige Junge und das 15-jährige Mädchen seien am Donnerstagabend im Stadtteil Harburg unterwegs gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Beide kamen ins Krankenhaus, die Verletzungen sind aber nicht lebensbedrohlich.

Ein 78-jährige Autofahrer war am Donnerstagnachmittag in Sassenberg im Münsterland unterwegs, als plötzlich ein Baum vor dem Fahrzeug auf die Straße fiel, wie die Polizei mitteilte. Nach dem Zusammenprall versorgten Rettungskräfte ihn und die drei übrigen Insassen des Wagens.

Ein Auto wurde in Hamburg von einem umstürztenden Baum getroffen

Ein Auto wurde in Hamburg von einem umstürztenden Baum getroffen

Ein Blitzschlag hat in Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstagabend ein reetgedecktes Haus in Brand gesetzt. Laut Polizei hat das Feuer das Doppelhaus in Ribnitz-Damgarten nahe Rügen komplett zerstört, teilte die Polizei mit. Zu der Zeit waren zwei Bewohner im Alter von 82 und 76 Jahren im Haus. Sie konnten sich noch rechtzeitig ins Freie retten und blieben unverletzt.

Auch in einem Hundehotel am Niederrhein brach Feuer aus. Laut der Polizei im Kreis Wesel schlug auch hier vermutlich ein Blitz ein. Zwei Tiere starben, außerdem zerstörten die Flammen mehrere Hundezwinger.

In Berlin wurden die Besucher der Leichtathletik-EM am Abend dazu aufgerufen, wegen des Gewitters im Olympiastadion zu verharren. „Bitte bleiben Sie hier, das ist der sicherste Ort für Sie“, hieß es am Ende der Veranstaltung. Kurz nach 22.30 Uhr hatten jedoch fast alle Zuschauer die Tribünen verlassen, der Regen hatte nachgelassen.

Über hundert Kinder aus Zeltlager gerettet, Betreuer noch vermisst

Auch deutsche Urlauber traf das Unwetter hart. Ein Zeltlager mit 119 Kindern und Jugendlichen aus dem Raum Leverkusen endete in einer spektakulären Rettungsaktion. Durch die heftigen Regenfälle hatte sich das bei Touristen beliebte Gewässer Ardèche in Südfrankfreich in einen reißenden Fluss verwandelt. Der Campingplatz der Gruppe wurde nach starkem Regen komplett überspült.

Fast 270 Feuerwehrleute sowie Taucher und vier Helikopter waren im Einsatz, um insgesamt 350 Menschen von mehreren Zeltplätzen zu retten. 80 Menschen befanden sich laut Informationen der Rettungskräfte in ernsthafter Gefahr. Zehn Menschen kamen ins Krankenhaus, darunter auch fünf Minderjährige.

Während die Kinder aus Leverkusen in Sicherheit sind und die ersten Eltern sie abholen, wird einer ihrer Betreuer noch vermisst. Der 70-jährige Deutsche wollte sich nach Angaben der südfranzösischen Polizei in einem Wohnmobil vor den Wassermassen retten. Die Überschwemmung am Fluss Ardèche riss den Wohnwagen mit, später wurde er zerstört am Ufer aufgefunden.

Der 70-Jährige wurden bis zum Morgen nicht gefunden. Die Behörden in Südfrankreich wollen an diesem Freitag die Suche nach dem Vermissten mit Rettungskräften und Hubschrauber fortsetzen.

Unwetter in Frankreich

Unwetter in Frankreich

Nach wie vor mehrere Zugstrecken gesperrt

Auch zentrale Strecken im Bahn-, Straßen-, und Flugverkehr waren vom Unwetter beeinträchtigt. Nachdem vielerorts Bäume auf Schienen und Straßen stürzten, waren einige Strecken im Westen und Norden Deutschlands nicht befahrbar, viele Züge fielen aus. Für gestrandete Zugreisende stellte die Deutsche Bahn in der Nacht an mehreren Bahnhöfen Aufenthaltszüge bereit.

Die Bahn kämpfte noch am Freitagvormittag mit Störungen. Noch gesperrt waren laut Bahn.de am Vormittag die Strecken Hannover-Hamburg und Bremen-Hamburg. Wegen Unwetterschäden zwischen Wolfsburg und Hannover komme es außerdem auf der Verbindung vom Ruhrgebiet nach Berlin zu einer Umleitung und Verspätungen. „Wir rechnen damit, dass die Störungen gegen Mittag behoben sind“, sagte ein Bahnsprecher in Hamburg.

Der Flughafen Frankfurt stellte am Donnerstag für etwa eine halbe Stunde der Betrieb ein. Etwa ein Zehntel der mehr als 1500 geplanten Starts und Landungen fiel an diesem Tag aus.

Die Aussichten: Der Sommer kommt zurück, aber ohne erneute Hitzewelle

Zum Wochenende dürfte sich das Wetter wieder beruhigen. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die große Hitze dann zwar vorerst vorbei - sommerlich warm bleibt es trotzdem. Die Höchsttemperaturen bleiben in ganz Deutschland nach langer Zeit aber wieder unter 30 Grad. Nach dem kurzen, aber heftigen Regen bleibt es nun weitestgehend wieder trocken. Nur im Südosten Bayerns und in Schleswig-Holstein kann es zu Regenfällen kommen.

Die Dürre der vergangenen Wochen ist damit noch nicht besiegt. Der extrem trockene Boden könne im Moment das Wasser nicht aufnehmen, sagte Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Notwendig sei vielmehr ein „schöner, leichter Sommerregen über zwei, drei Tage hinweg“.

Mit Material von dpa

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Elisabeth Kagermeier

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B5 aktuell vom 10.08.2018 - 09:45 Uhr