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Unverpackt plastikfrei einkaufen liegt im Trend | BR24

© BR / Andreas Wenleder

Wie plastikfreies Einkaufen funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus Regensburg.

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Unverpackt plastikfrei einkaufen liegt im Trend

In vielen Orten gibt es schon Unverpackt-Läden. Hier können Kunden Lebensmittel, aber auch Kosmetik oder Haushaltswaren weitgehend ohne Plastikverpackung kaufen. Das kommt gut an, macht Händlern aber auch Mühe, wie ein Beispiel aus Regensburg zeigt.

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Verpackungsfreie Supermärkte liegen im Trend - denn immer mehr Menschen möchten so weit wie möglich auf Einwegverpackungen aus Plastik verzichten. Immer mehr Läden und Märkte bieten deshalb nun ihre Waren offen an, so dass sich die Kunden die benötigte Menge abfüllen können.

Verpackungsfrei einkaufen: Ein Beispiel aus Regensburg

Jasmin Simmel betreibt in der Regensburger Altstadt das "Füllgut". Ein Unverpackt-Laden, in dem sich Kunden fast komplett versorgen können. Egal ob Nudeln, Müsli, Nüsse und Getreide, das vor Ort gemahlen wird: Die Kunden füllen sich ihre Produkte in mitgebrachte Schüsseln ab. Flüssige Lebensmittel werden in wiederverwendbaren Gläsern angeboten. Abgerechnet wird nach Gewicht. Damit sie ihren eigenen Laden verwirklichen konnte, startete Simmel ein Crowdfunding-Projekt im Internet. In vier Wochen brachte sie 30.000 Euro zusammen.

Die Unterstützer sind jetzt größtenteils Kunden des Ladens. Sie schätzen das plastiklose Einkaufen. Doch um Plastikmüll zu vermeiden, ist Jasmin Simmel nicht nur wichtig, dass die Kunden keine Plastikverpackungen mit nach Hause nehmen, auch die Rohware sollte ohne Plastikverpackung auskommen.

Ware wird meist in großen Papiersäcken angeliefert

Für dieses Ziel arbeitet Simmel mit einem Großhändler zusammen, der sich auf Unverpackt-Läden spezialisiert hat. Die meisten Produkte bekommt sie von ihm in großen Papiersäcken. Aber nicht bei allen Produkten ist das möglich.

"Cashewnüsse und Pistazien sind zum Beispiel sehr ölhaltig. Die bekommen wir in Kunststoffsäcken, aber auch hier immer im Großgebinde. Ansonsten haben wir fast keine Lebensmittel mehr in Plastik." Jasmin Simmel
© BR / Andreas Wenleder

Jasmin Simmel in ihrem Laden

Die nicht vermeidbaren Plastiksäcke werden im Laden als Müllsäcke weiterverwendet. Doch auch Lebensmittel, die nicht zwingend eine Plastikverpackung bräuchten, werden nicht immer in Papiersäcken geliefert. So kamen Simmels italienische Nudeln lange Zeit in großen Kunststoffverpackungen an. Durch ein wenig Hartnäckigkeit hat sich das aber geändert.

"Es war nicht so einfach, aber unser Großlieferant hat es jetzt klargemacht: Jetzt bekommen wir auch alle Nudeln in Papiersäcken. Es tut sich was, wenn man immer wieder nachhakt, und das ist das Schöne." Jasmin Simmel

Reinigen und wiederbefüllen: Das Konzept macht Arbeit

Das Unverpackt-Konzept ist indes mit viel Aufwand für die Ladenbetreiber verbunden. Die Behälter, aus denen die Kunden ihre Waren bekommen, müssen ständig nachgefüllt werden. Alle flüssigen Produkte kommen in großen Plastikeimern. Diese gehen an den Hersteller zurück, werden wiederbefüllt, müssen aber auch gereinigt werden. Ein Aufwand, der große Supermarktketten vor Probleme stellen würde, glaubt Jasmin Simmel.

"Für Lidl oder Aldi wäre es vom Personellen nicht möglich. Das ist viel Arbeit, auch Pflegearbeit. Alleine das Wiederbefüllen ist ein großer Aufwand, den man täglich hat." Jasmin Simmel

Immer mehr Läden bieten plastikfreies Einkaufen an

Der Aufwand wird von den Kunden geschätzt. Auch wenn Jasmin Simmel trotz Einkauf in Großpackungen preislich mit den großen Supermärkten nicht immer mithalten kann, unterstützen Kunden das plastiklose Konzept. Sie sind bereit, etwas mehr auszugeben. Und die Nachfrage steigt: In vielen bayerischen Städten kann man mittlerweile verpackungsfrei einkaufen.

Gestärkt durch den Erfolg in Regensburg hat Simmel ein zweites Crowdfunding-Projekt gestartet. Diesmal kamen in vier Wochen sogar 40.000 Euro zusammen. Deshalb gibt es jetzt einen zweiten Laden in Simmels Heimatstadt Straubing.