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Unterschätzte Alternative: Erdgasautos | BR24

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Immer mehr Autofahrer kaufen sich ein neues Fahrzeug mit alternativem Antrieb. Die KfZ-Neuzulassungen bei alternativen Kraftstoffen stieg um 107,8 Prozent.

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Unterschätzte Alternative: Erdgasautos

Um Fahrverbote zu vermeiden, müssen die Autos umweltfreundlicher werden. Politik und Industrie setzen seither fast ausnahmslos auf die E-Mobilität. Und übersehen dabei die Erdgasautos. Die aber überzeugen nicht nur mit ihrer Ökobilanz.

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Umweltschutz ist Stephan und Sabine Schober wichtig. Aufs Autofahren verzichten will das Ehepaar aus Puchheim bei München dennoch nicht. Aber gibt es überhaupt Fahrzeuge, deren Umweltbilanz stimmt und die dennoch soviel Komfort und Nutzwert bieten wie herkömmliche Benziner und Diesel?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hat der 53 Jahre alte IT-Fachmann vor einigen Monaten, als sich die Familie ein neues Auto kaufen wollte, viel im Internet recherchiert. Das Ergebnis: Die Schobers haben sich einen SEAT Leon mit Erdgasantrieb gekauft, ein Elektroauto kam für sie nicht in Frage. Aus mehreren Gründen, wie Stephan Schober erzählt:

"Uns waren die Anschaffungskosten zu hoch. Außerdem sind wir überzeugt, dass wir mit dem Biomethan eine günstigere Gesamtökobilanz haben. Abgehalten hat uns insbesondere der Raubbau an der Natur für die Akkus, die man in großer Zahl für die Elektroautos benötigt." Stephan Schober

Was für ein Erdgasauto spricht

Seit Anfang Juli steht nun das nigelnagelneue Erdgasauto der spanischen VW-Tochter SEAT in der Puchheimer Garage, ein PKW so groß wie ein Golf. Laut Liste hätte der gut ausgestattete Wagen eigentlich rund 30.000 Euro gekostet, dank Diesel-Umtauschprämie und weiteren Rabatten mussten die Schobers nur 21.000 Euro zahlen.

Doch nicht der vergleichsweise günstige Preis war für die Kaufentscheidung ausschlaggebend. Sondern die gute Ökobilanz des Erdgasautos: Keine Stickoxide, kein Feinstaub, keine Abgasnachbehandlung, 25 Prozent weniger CO2 Ausstoß als bei einem vergleichbaren Benziner. Und wenn man Biomethan tankt, kommt das klimaschädliche CO2 praktisch gar nicht aus dem Auspuff. Erdgasautos fahren dann so emissionsfrei wie E-Mobile, vorausgesetzt, deren Akkus wurden mit Ökostrom aufgeladen.

Das alles hat den studierten Naturwissenschaftler Schober innerhalb weniger Wochen zu einem überzeugten Anhänger von CNG-Fahrzeugen werden lassen. CNG, diese drei Buchstaben stehen für "Compressed Natural Gas", "komprimiertes Erdgas" also.

Umweltfreundlicher als ein E-Mobil?

Birgit Maria Wöber fährt schon seit 20 Jahren mit CNG-Autos. Die Begeisterung für den alternativen Antrieb ist ihr Beruf geworden. Zusammen mit ihrem Bruder betreibt sie ein auf die Technologie spezialisiertes Beratungsbüro. "Gib Gas" heißt ihr kleines Unternehmen, aber die CNG-Lobbyistin aus München ist überzeugt: CNG-Fahrzeuge sind der vielgelobten Elektrokonkurrenz weit überlegen. Und das nicht nur, weil der alternative Kraftstoff, egal ob klassisches Erdgas oder klimaneutral hergestelltes Biomethan, umgerechnet etwa nur die Hälfte kostet wie Benzin oder Diesel. "CNG ist die sofort verfügbare, für den Bürger bezahlbare Verkehrs- und Mobilitätswende, die alle fordern", sagt Wöber.

CNG-Fahrzeuge sind technisch ausgereift

Ein großer Pluspunkt der Autos mit CNG-Motoren ist, dass sie seit vielen Jahren in Serie gebaut werden. Und dass sie zwar genauso leistungsstark sind wie Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren, trotzdem aber klimaneutral fahren können. Die Entwicklung der E-Mobilität dagegen steckt bekanntermaßen noch in den Kinderschuhen. Elektroautos sind daher weit teurer, das Problem ihrer geringen Reichweite ist längst noch nicht gelöst, es gibt viel zu wenig Ladestationen, wer sein Auto nicht mit Wind- oder Sonnenstrom laden kann, hat sowieso keine gute Ökobilanz. Immerhin stammen 30 Prozent des deutschen Strommixes aus schmutziger Braunkohle.

Alternative Antriebe im Kommen

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KFZ-Zulassungen: Alternative Antriebe

Dass immer mehr Deutsche ein umweltfreundliches Auto fahren wollen, belegt die Zulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamtes. In den ersten sechs Monaten diesen Jahres kamen doppelt so viele Fahrzeuge mit einem alternativen Antrieb auf die Straße als im Vergleichszeitraum 2017. Ihr Anteil stieg von 2,7 auf 5,4 Prozent. Trotz der bekannten Nachteile konnten E-Mobile ordentlich zulegen, prozentual auf der Überholspur: die Autos mit CNG-Technik. Im Verhältnis zu 1,8 Millionen neuen PKW im ersten Halbjahr 2018 ist ihre Zahl aber immer noch verschwindend gering. (vgl. Grafik).

Warum trotzdem Erdgas hinterher fährt

Bleibt die Frage, warum sich die Erdgas-Autos in Deutschland so schlecht verkaufen. Dafür gibt es viele Gründe, sagt CNG-Lobbyistin Wöber. „Die deutschen Autoverkäufer haben Benzin oder Diesel im Blut und der Verkauf eines Erdgasfahrzeuges ist viel beratungsintensiver.“

Denn dabei müssten einige Vorurteile widerlegt werden. Etwa, dass ein Auto mit Erdgastank eine rollende Zeitbombe sei. Was aber keineswegs stimme, wie Wöber versichert: „TÜV und DEKRA sagen, dass CNG genauso sicher ist wie Benzin oder Diesel. Erdgas entzündet sich erst bei Temperaturen von 650 Grad. Da muss also schon sehr viel passieren, bis die Zündtemperatur erreicht ist.“

Wenig Tankstellen – trotzdem kein Reichweitenproblem

Und auch die geringe Zahl von CNG-Tankstellen – bundesweit haben nur 900 Stationen Erdgas im Angebot – ist kein Argument gegen Autos mit dem alternativen Kraftstoff. Die Reichweite im reinen Erdgasbetrieb liegt zwar nur bei maximal 400 Kilometern, alle am Markt angebotenen Modelle haben aber auch einen Benzintank. Mit dem Leon kann man beispielsweise 50 Liter tanken. Wenn das CNG aufgebraucht ist, schaltet der Motor automatisch auf Benzin-Betrieb um. Mit beiden Kraftstoffen hat der Wagen also eine Reichweite von weit über 1000 Kilometern.

CNG ist der billigste Kraftstoff

Stephan Schober allerdings fährt, wenn möglich, nur mit Biomethan, ist also fast komplett CO2-neutral unterwegs und mit seinem neuen Erdgas-Auto ganz happy. "Ich würde es jedem empfehlen, es ist überhaupt kein Unterschied zum normalen Auto, es ist ein Super-Preis-Leistungsverhältnis, es ist ein hoher Nutzwert und man tut nebenbei auch was für die Umwelt." Der Puchheimer führt genau Buch. Als IT-Fachmann natürlich mit Hilfe einer Internetseite. Auf Spritmonitor.de protokolliert er jede Tankfüllung. Und weiß daher: 100 Kilometer kosten ihn mit seinem neuen Erdgas-Leon 4,48 Euro. Damit ist das Modell aus der Golfklasse billiger unterwegs, als der kleine Zweitwagen der Familie, ein Smart Diesel. Der kommt auf durchschnittliche Spritkosten von 4,75 Euro.