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Kunst aus Kolonialländern: Wie umgehen mit dem Raubgut? | BR24

© picture alliance/dpa

Ein Mädchen steht vor dem Perlenthron Mandu Yenu im Ethnologischen Museum Berlin

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    Kunst aus Kolonialländern: Wie umgehen mit dem Raubgut?

    In deutschen Museen lagern tausende Artefakte aus ehemaligen Kolonialländern. Zum Beispiel der Thron der afrikanischen Bamum, der ein Highlight im neuen Humboldt Forum in Berlin werden soll. Wie könnte ein zeitgemäßer Umgang mit Raubkunst aussehen?

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    Hätte Kaiser Wilhelm II. seinen Thron nach Afrika verschenkt? Wohl kaum. Umgekehrt aber landete der verzierte Thron des Königreichs Bamum 1908 in Berlin, weil Deutschland als Kolonialmacht Druck ausübte.

    Er wurde im 19. Jahrhundert für König Nsangu von Bamum aus Holz geschnitzt und reich mit Kaurischnecken, einer Meeresschnecken-Art, und Glasperlen in mythologisch bedeutsamen Mustern bestickt: "Mandu Yenu", der legendäre Thron, war für die Identität der Stammesbevölkerung sehr wichtig.

    Kaiser in Berlin bekam afrikanischen Thron "geschenkt"

    Ein Nachfolger "verschenkte" ihn an den deutschen Kaiser. Heute weiß man, dass dieses "Geschenk" an die Kolonialherren nicht freiwillig gemacht wurde. Die großen Völkerkundemuseen in Leipzig, Stuttgart und Berlin bedrängten damals die Kolonialbehörde. Alle wollten den afrikanischen Thron. Berlin bekam schließlich den Zuschlag. Im nächsten Jahr soll er das Highlight im neuen Humboldt Forum werden.

    Doch ist das überhaupt legitim? Und wie sieht ein zeitgemäßer Umgang mit kolonialen Artefakten aus? Hartmut Dorgerloh, Intendant des Humboldt Forums, verspricht: Das neue Museum werde zu einem Ort, "wo wir das auch öffentlich aushandeln, wo wir den eurozentrischen Blick verlassen".

    Afrikanische Intellektuelle fordern Rückgabe der Kulturgüter

    Doch reicht das den ehemaligen Kolonialländern aus? Seit zwei Jahren melden sich vor allem afrikanische Intellektuelle vermehrt und vehement zu Wort. Auslöser war die Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an der Universität von Ouagadougou in Burkina Faso Ende 2017. Damals versprach Macron, in Frankreich ausgestellte oder archivierte Kunstwerke aus Afrika teilweise an die Ursprungsländer zurückzugeben.

    Gut so, sagt Felwine Sarr, Professor für Ökonomie, aus dem Senegal. Er verfasst zusammen mit der französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy für Macron den Bericht mit dem Titel "Zurückgeben. Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter".

    "Es gibt eine neue Moral der Beziehung, die akzeptiert, dass die Rückerstattung von Kunstwerken in Angriff genommen werden muss." Felwine Sarr, Professor für Ökonomie, Senegal

    Sollen die Benin-Bronzen zwischen Nigeria und Berlin zirkulieren?

    Auch in Deutschland wird die Rückgabe von Raubkunst thematisiert. Bislang ist aber kaum etwas passiert. Die Politik duckt sich weg, die meisten Museumsdirektoren auch. Zivilgesellschaftliche Aktionsbündnisse wie zum Beispiel "No Humboldt 21!" kritisieren, dass das Konzept des neuen Humboldt-Forums die Würde und die Eigentumsrechte von Menschen in allen Teilen der Welt verletze.

    Besonders eklatant: Der Fall um die berühmten Benin-Bronzen, die 1897 von einer britischen Strafexpedition aus dem Königspalast von Benin-Stadt geraubt wurden. Viele der 3.000 Bronzen, die zu den berühmtesten Artefakten Afrikas überhaupt zählen, befinden sich nun im Britischem Museum in London. Die meisten aber sind nun in Berlin. Wie soll man sie in Zukunft präsentieren? Will man sie irgendwann zurückgeben, sie zwischen Berlin und Nigeria zirkulieren lassen oder behalten? Alles noch offen.

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