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Unruhen in Äthiopien: Zahl der Toten steigt auf 166 | BR24

© REUTERS/Simon Dawson

Unruhen in Äthiopien: Zahl der Toten steigt auf 166

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Unruhen in Äthiopien: Zahl der Toten steigt auf 166

Die Proteste in Äthiopien nach der Ermordung eines Popsängers haben Folgen. Mehr als 1.000 Personen wurden festgenommen, die Zahl der Opfer steigt. Premier Abiy spricht von einer gezielten Destabilisierung seines Landes.

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In Äthiopien sind seit dem Beginn der Unruhen in der vergangenen Woche mindestens 166 Menschen ums Leben gekommen. 145 Zivilisten und elf Mitglieder der Sicherheitskräfte wurden nach Angaben der Polizei in der Region Oromia getötet. Zehn weitere Todesopfer wurden aus der Hauptstadt Addis Abeba gemeldet.

Die landesweiten Proteste waren durch die Ermordung des beliebten Sängers Hachalu Hundessa ausgelöst worden. Premierminister Abiy Ahmed prangerte "orchestrierte Versuche" zur Destabilisierung seines Landes an.

Mehr als tausend Festnahmen

Nach Angaben der Behörden sind die Todesfälle auf Einsätze der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten sowie Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen zurückzuführen. Die Unruhen in Oromia wurden inzwischen aber "vollständig gestoppt", wie die Polizei am Samstag mitteilte. Rund 2300 Menschen wurden nach Polizeiangaben in der Hauptstadt und Oromia festgenommen. Darunter ist auch Jawar Mohammed, ein prominenter Aktivist und Regierungskritiker, wie sein Sender OMN bestätigte.

Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern am Freitag kündigte Abiy an, die an den Unruhen Beteiligten sowie deren "Hintermänner" zur Rechenschaft zu ziehen. Der Premierminister machte "interne und externe Kräfte" für die Ausschreitungen verantwortlich und bezog sich dabei auch auf die derzeitigen Spannungen mit dem Nachbarland Ägypten im Zusammenhang mit einem riesengroßen Staudamm-Projekt am Nil.

Äthiopiens Premier trug während des teilweise vom Staatsfernsehen übertragenen Regierungstreffens eine Armeeuniform.

Auswärtiges Amt ist "besorgt und erschrocken"

Menschenrechtler kritisierten die Sicherheitskräfte für ihren Umgang mit den Protesten: "Die Reaktion der Regierung auf die Demonstranten droht, die seit langem schwelenden Spannungen zu verschärfen", teilte Human Rights Watch mit. Auch das Auswärtige Amt zeigte sich "besorgt und erschrocken" über die Vorfälle und forderte "alle Beteiligten zu Gewaltfreiheit und zu Dialog" auf, wie ein Sprecher mitteilte.

Am Wochenende war die Lage in Oromia Berichten zufolge weiter angespannt, etliche Läden blieben geschlossen. In der Hauptstadt hatte sich die Lage bis zum Sonntag wieder entspannt, wie ein dpa-Reporter berichtete. Allerdings blieb das in Teilen Äthiopiens abgeschaltete Internet weiter aus.

Mord an Sänger löste Unruhen aus

Der am vergangenen Montag ermordete Sänger Hachalu gehörte den Oromo an, der größten Volksgruppe in Äthiopien. In seiner Musik hatte er oft das Gefühl der Oromo ausgedrückt, wirtschaftlich und politisch benachteiligt zu werden.

Andauernde Proteste der Oromo hatten 2018 zum Rücktritt des Regierungschefs geführt. Nachfolger Abiy wird als Reformer und Hoffnungsträger gesehen. Er bringt alle Voraussetzungen mit, die Volksgruppen zu versöhnen, denn sein Vater ist Oromo und Muslim, seine Mutter Amharin und Christin. Wegen seiner Befriedungsbemühungen erhielt er im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis.

Der Hoffnungsträger steht in der Kritik

Allerdings sind während seiner Amtszeit ethnische Spannungen und Konflikte wieder angestiegen. Obwohl er selbst Oromo ist, werfen ihm Oromo-Nationalisten Benachteiligung vor.

Äthiopien mit seinen 100 Millionen Einwohnern ist ein Vielvölkerstaat, in dem es immer wieder Spannungen zwischen den Volksgruppen gibt. Die Behörden machten wiederholt die Rebellengruppe Oromo Liberation Army und die oppositionelle Tigray-Volksbefreiungsfront für die Unruhen verantwortlich.

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