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Unkrautroboter – Landwirtschaft ohne schädliche Umweltgifte | BR24

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Bildrechte: ARD/Dietrich Karl Mäurer

Unkrautroboter der ETH Zürich

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Unkrautroboter – Landwirtschaft ohne schädliche Umweltgifte

Landwirtschaft ohne den umweltschädlichen Einsatz von Herbiziden – das verspricht ein vollautomatischer Roboter zur Unkrautentfernung. Entwickelt haben die Maschine Studierende der Technischen Hochschule ETH Zürich. Der Prototyp ist fertiggestellt.

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Von
  • Dietrich Karl Mäurer

Ein silbrig glänzender Kasten, einen Meter hoch, 1,5 Meter lang, einen Meter breit, vier Räder. Die Maschine, die an ein Weltraumfahrzeug erinnert, heißt Rowesys - das steht für Robotic Weeding System, also für robotisches Unkrautbekämpfungssystem.

Ein Unkrautroboter der ETH Zürich

Der Prototyp wurde von zehn Studierenden der Technischen Hochschule ETH Zürich in weniger als einem Jahr entwickelt. Rowesys verspricht eine Revolution der Landwirtschaft. Stundenlanges Jäten und Hacken mit gekrümmten Rücken soll unnötig werden, genauso wie der Einsatz von umweltbelastenden Unkrautbekämpfungsmitteln, erklärt Elektro-Technikstudent Timo Schönegg: "Hinten am Roboter befinden sich vier kleine Pflugscharen. Und die zieht der Roboter zwischen den Zuckerrübenreihen durch den Boden, zirka zwei bis drei Zentimeter tief. Und weiter erklärt der Student: "Diese Scharen trennen das Unkraut von der Wurzel und befördern das Unkraut an die Oberfläche. Und an der Oberfläche vertrocknet das Unkraut dann". Was der aus Überlingen am Bodensee stammende Student erklärt, klingt einfacher, als es ist.

Versuchanordnung auf dem Zuckerrübenfeld

Auf Zuckerrübenfeldern, also dort wo meist besonders viele Herbizide eingesetzt werden, soll der Roboter vollautomatisch unerwünschte Pflanzen umpflügen und natürlich die Zuckerrüben verschonen. Daher steckt er voll anspruchsvoller Computertechnik und hat mehrere Spezialkameras an Bord.

Mit einer Kamera erkennt der Roboter die grünen Zuckerrübenreihen, analysiert wo sich die Reihe im Verhältnis zum Roboter befindet. Eine zweite Kamera, so erklärt Timo Schönegg weiter, erkennt die Zuckerrüben, kann diese vom Unkraut unterscheiden und gibt die Informationen an das System weiter.

Rowesys noch im Teststadium

Bei der Demonstration auf einem Versuchsfeld vor den Toren Zürichs muss Timo Schönegg mit der Fernbedienung einschreiten, denn der Roboter ist vom Weg abgekommen. Noch funktioniert nicht alles so, wie es soll: "Also bis jetzt ist das System noch nicht so, dass man es anstellen kann und der Roboter fährt los und nach acht Stunden ist das Feld fertig gearbeitet. Manchmal verliert er die Reihe und fährt dann in die nächste Reihe. Dann überfährt er Zuckerrüben. Das Ende von der Reihe wird schon sehr oft erkannt, aber eben auch nicht immer. Das sind alles noch Sachen, die optimiert werden müssen."

Roboter benutzt keine Herbizide

Und doch sind die Studierenden der ETH Zürich davon überzeugt, dass Rowesys bereits existierenden Unkrautrobotern anderer Entwickler um Meilen voraus ist. Das liege zum Beispiel an einem Federungs-System das garantiert, dass alle vier Räder jederzeit Bodenkontakt haben und der Roboter so nicht im Feld stecken bleibt. "Wir haben eine Navigation, die rein auf Kamerasystem basiert. Die Roboter, die es jetzt gibt, benötigen vielfach genaue GPS-Daten von den Setzlingen, führt Timo Schönegg weiter aus. Der dritte Vorteil gegenüber anderen Systemen sei, dass es sich hier um rein mechanische Unkrautbekämpfung handle. Andere, im Handel bereits angebotene Unkrautentferner spritzten gezielt Herbizide spritzen können.

Bis Bauern ihre Felder mit Hilfe von Rowesys umweltfreundlich unkrautfrei halten können, wird noch einige Zeit vergehen. Nicht nur die Technik muss zuverlässiger werden, die Studierenden wollen den Roboter auch noch mit mehr Funktionen ausstatten, damit die Maschine nicht die meiste Zeit des Jahres ungenutzt in der Scheune steht.

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