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Wolfgang Vichtl

BR24-Redaktionsleiter Wolfgang Vichtl ist in Vorarlberg nahe dem österreichischen Lech, wo drei deutsche Skifahrer bei einem Lawinenabgang starben. Florian Haas hat mit ihm über das Unglück und seine Eindrücke gesprochen.

Herr Vichtl, wie ist die Situation vor Ort?

Ich bin im Moment in Zug bei Lech, es schneit inzwischen deutlich stärker als heute früh. In der Nacht war es sehr windig, insgesamt fielen über Nacht gut 20 Zentimeter Neuschnee. Die Sicht ist heute schlecht, es zieht zunehmend zu - deshalb sind heute nicht viele Skifahrer unterwegs. Gestern aber hatten wir einen schönen Skitag, mit Sonnenschein ab dem Nachmittag.

…Und gestern ist ja dann auch das Unglück passiert, bei dem drei deutsche Tourengeher getötet wurden, einer wird noch vermisst. Wie haben Sie davon mitbekommen?

Alle hier reden inzwischen davon und fragen sich betroffen, warum die vier auf einer gesperrten Skiroute unterwegs waren. Wir wissen, dass es sich bei den vier Skifahrern um Männer im Alter von 32, 36, 57 und 28 handelt – der 28-Jährige ist der, der noch vermisst wird. Sie waren offenbar gut ausgerüstet, konnten von den Rettern per Handyortung gefunden werden, in der Nacht gegen 23 Uhr. Am Abend hatte die Frau einer der Männer eine Vermisstenanzeige aufgegeben.

Können Sie etwas zum Unglücksort sagen?

Die Männer waren am Rüfikopf unterwegs, dem Berg, der direkt von Lech am Arlberg mit einer modernen Seilbahn erschlossenen ist. Abseits der Pisten gibt es eine bei schönem Wetter gut befahrbare Skiroute, die auch präpariert wird, den "Langen Zug", erschlossen auch von einem Ziehlift - an schönen Tagen. Dort waren die Variantenfahrer gestern offenbar unterwegs, trotz Sperre.

Trotz Sperre also sind die Männer dieses Risiko eingegangen. Wird in Lech und Umgebung nicht vor solchen Gefahren gewarnt?

Im Web warnt der lokale Wetterdienst, es gibt den Vorarlberger Lawinenwarndienst, in den Hotels hängt der aktuelle Lawinenbericht aus. Jeder, der es mitbekommen will, bekommt es auch mit. Heute Früh - gegen 7, 8 Uhr - haben sie hier außerdem Lawinen kontrolliert gesprengt, das hört man deutlich. Wie in den letzten Tagen auch.

Sie sprachen eingangs von einem "wunderbaren Skitag" gestern auf den gesicherten Pisten. War das vielleicht ein trügerisches Idyll, zumindest für die verunglückten Skifahrer?

Das könnte sein. Hier redeten gestern alle von von einer perfekten "Winterwunderwelt". Als gestern gegen 14 Uhr die Sonne herauskam, sind viele juchzend die Pisten heruntergewedelt, auch weil der Schnee ziemlich perfekt war. Fast alle gesicherten Pisten waren offen. Aber man sah eben auch immer wieder Freerider und Snowboarder rechts oder links abseits der Piste wegfahren, die sich nicht an die Regeln hielten - und Kopfschütteln bei den meisten anderen Skifahrern auslösten.

Das wirkt jetzt nicht so, als herrsche in dem Ort Panikstimmung?

Das ist ganz bizarr. Von einer "Schneekatastrophe" mag hier kaum jemand sprechen. Im Gegenteil, die Hoteliers freuen sich, dass endlich richtig viel Schnee liegt, "richtig Winter". Die sind auch sehr professionell beim Schneeräumen, der Flexenpass – das ist der Pass, der das obere Lechtal mit dem Klostertal verbindet – ist im Moment nicht gesperrt, die Zufahrt über die B 198 ist weiterhin möglich.

Trotzdem ist die Zufahrt über den Arlbergpass nicht möglich. Und Lech war ja unter der Woche mal kurzzeitig nicht erreichbar.

Das war am Mittwoch. Aber nicht wegen des vielen Schnees, sondern vor allem wegen der Lawinengefahr. Da konnte wegen schlechter Sicht nicht vom Hubschrauber aus gesprengt werden, heißt es. Am Freitag noch konnten man den Flexenpass problemlos gut mit Winterreifen befahren. Aber alle wissen: Das kann sich jederzeit ändern.

Und Sie haben auch keine Angst, eingeschneit zu werden?

Wir rechnen hier damit, dass die B 198 in den nächsten Tagen zwischenzeitlich gesperrt wird. Es schneit weiter. Aber die Schneeräumfahrzeuge, schweres Gerät, sind pausenlos im Einsatz.

Hier passierte das Lawinenunglück: Der Rüfikopf, aufgenommen am 12. Januar (Samstagnachmittag)

Hier passierte das Lawinenunglück: Der Rüfikopf, aufgenommen am 12. Januar (Samstagnachmittag)