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Eine Frau arbeitet an einem Laptop (Symbolbild)
© picture alliance/All Canada Photos/Alex Maxim
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Eine Frau arbeitet an einem Laptop (Symbolbild)

Manche Geschichten müssen über Ländergrenzen hinweg recherchiert werden. Gute Beispiele sind die "Panama Papers" oder die "Cum Ex Files", die internationale Steuerskandale auslösten. Solche Recherchen sind langwierig, aufwändig und teuer. Und sie führen nicht immer zu einem guten Ergebnis.

In Berlin haben sich diese Woche Journalistinnen und Journalisten aus ganz Europa getroffen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen – und welchen Problemen sie bei ihren Recherchen mitunter begegnen.

Regierungsbehörden sind oft wenig kooperativ

Die Niederländerin Geesje van Haren ist eine von acht Journalisten und Journalistinnen, die sich dem Thema "Verschwundene Migrantenkinder in der EU" verschrieben haben. Seit einigen Jahren betreibt sie mit ihrem Team einen Blog, das sich dem Thema widmet, und beliefert eine Reihe von Redaktionen mit den Rechercheergebnissen.

Jährlich verschwinden zwischen 7.000 und 10.000 Kinder und Jugendliche in der EU, nachdem sie in Ankunftsländern registriert wurden. Oft werden sie Opfer von Menschenhändlern. Das Team um Geesje van Haren recherchiert unter anderem in den Niederlanden, Großbritannien und Italien. Ein schwieriger Job, sagt van Haren.

Eine der größten Schwierigkeiten sei es, Informationen von Regierungsbehörden zu bekommen. "Wir machen ja im Grunde deren Job und sie mögen das natürlich nicht, wenn wir ihnen sagen, dass sie ihre Arbeit nicht gut genug machen", erklärt die Journalisten.

Zusammenarbeit bringt Vorteile

Ein solch komplexes Thema könne man nur recherchieren, wenn international zusammengearbeitet wird und wenn man sich gegenseitig vertraut, betont van Haren. Das sei für die Zusammenarbeit ganz wichtig.

Dafür habe man den Vorteil, einzelne Teile einer Recherche vorab veröffentlichen zu können, auch über Grenzen hinweg. "Wenn wir also eine Geschichte in den Niederlanden aufdecken, die für britische Leser interessant sein könnte, dann geben wir das weiter."

Internationale Recherchen können teuer sein

Eine besondere Schwierigkeit bei transnationalen Recherchen sind die oft hohen Kosten. Das war auch ein Problem für Annika Joeres. Sie hat ein Team mit Journalisten aus mehreren Ländern, das das Thema "Klima-Leugner" bearbeitet. Sie sammeln Informationen über Vereine und Verbände, die sich weltweit dagegen engagieren, dass der Klimawandel anerkannt und bekämpft wird.

Annika Joeres erzählt, dass es eine großzügige Spende des Programms "Investigative Journalism for EU" war, die die Recherchen überhaupt erst möglich gemacht hat. "Wir mussten tatsächlich sehr viel reisen, um diese Verbindung zwischen den Klimaleugnern in den USA und Deutschland herauszufinden, waren auch in den USA, waren auf den Klimaleugnerkonferenzen in Portugal, in München, wir waren wiederholt in Brüssel."

Normalerweise, beklagt Joeres, bekämen Freie Journalisten kaum noch Geld für solche Reisen von den Verlagen.

In Osteuropa werden Recherchen häufig nicht veröffentlicht

In Osteuropa stehen Journalisten oft vor einem ganz anderen Problem. Sie können ihre Geschichten nicht in den Zeitungen und Sendern unterbringen. Zwar gibt es hier und da Redaktionen, die sich investigativen Recherchen verschrieben haben, aber in Ländern wie Ungarn oder auf dem Balkan sind die Verlagseigner oft eng mit der Politik verwoben, und haben kein Interesse, zum Beispiel Korruptionsfälle aufzudecken.

Etwas besser sehe es in Tschechien aus, erklärt die Journalistin Pavla Holcova. Sie hat vor sechs Jahren zusammen mit Kollegen aus mehreren Ländern das "Czech Centre for Investigative Journalism" gegründet – auch als Reaktion auf die schwieriger werdende Situation der investigativ arbeitenden Journalisten.

Sie habe da zwei etwas widersprüchliche Meinungen, sagt Holcova: "Wir werden immer mehr zur Zielscheibe, Politiker geben immer öfter üble Kommentare ab, dass es doch ok sei, wenn dem einen oder der anderen etwas zustößt." Auf der anderen Seite habe der Mord an dem slowakischen Journalisten Jan Dudziak gezeigt, dass die Leute noch hinter den Journalisten stünden. Jetzt sei es an der Zeit, diese beiden Punkte zusammenzubringen: "Dass Leute sich nicht nur hinter uns stellen, sondern auch Politiker dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn sie solche Kommentare über die Ermordung von Journalisten fallen lassen."

Journalisten wünschen sich mehr Schutz

Auf politischer Ebene wünschen sich viele Investigativ-Journalisten mehr Schutz: vor unberechtigten Schadensersatz-Klagen, Strafverfolgung und vor verbalen und tätlichen Übergriffen. Diese Forderungen umzusetzen, darin sind sie sich einig – das ist essentiell für die Arbeit international recherchierender Journalisten.