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UN-Tribunal fällt Urteil gegen Ex-Serbenführer Karadzic | BR24

© pa/dpa/Michael Kooren

Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag

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    UN-Tribunal fällt Urteil gegen Ex-Serbenführer Karadzic

    Wegen Völkermordes steht Radovan Karadzic in Den Haag vor Gericht.Der Ex-Präsident der bosnischen Serbien soll für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein. Heute wird das Urteil verkündet.Die Anklage fordert lebenslänglich. Von Stefan Ozsváth

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    Pale, 20 Kilometer östlich von Sarajevo: Die Kleinstadt gehört bereits zur serbischen Teilrepublik Bosniens. Von Pale aus dirigierte Radovan Karadzic während des Bosnien-Krieges als Präsident und Oberbefehlshaber die bosnischen Serben. Der 70-jährige Psychiater gilt hier als Held. 13 Jahre lang hatte sich Karadzic versteckt, gedeckt von einem mächtigen Netzwerk. Als Alternativmediziner Dragan Dabic war er in Belgrad untergetaucht. 2008 wurde er endlich an das UN-Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag ausgeliefert - gegen den Protest seiner Anhänger.

    Architekt der "ethnischen Säuberungen"

    800.000 Gerichtsakten, fast 600 Zeugen wurden gehört an den gut 500 Sitzungstagen - ein Prozess der Superlative. Karadzic gilt als Architekt der sogenannten "ethnischen Säuberungen".  Angeklagt ist Karadzic auch wegen der fast vierjährigen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo mit fast 11.000 Toten und wegen des Massakers von Srebrenica mit mehr als 8.000 Toten im Juli 1995. 

    Stolpert der Angeklagte über Direktive Nummer 7?

    Gibt es Belege, die Radovan Karadzic entscheidend belasten könnten? Ein Beleg ist etwa die Direktive Nummer 7 vom März 1995. Darin forderte Karadzic, damals Präsident der bosnischen Serben, den Bosniaken - also den Muslimen im Land - das Leben unerträglich zu machen. Der Osten Bosniens - auch Srebrenica - sollte den Serben gehören. Das war das erklärte Kriegsziel, sogenannte "ethnische Säuberungen" das Mittel.