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UN-Klimagipfel: Schauveranstaltung oder Chance? | BR24

© ARD New York / Peter Mücke

Beim UN-Klimagipfel in New York stellen Regierungsvertreter aus aller Welt ab heute ihre Pläne für den Kampf gegen die Erderwärmung vor. Bisher kam bei den Treffen wenig Konkretes heraus - obwohl die Zeit drängt.

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UN-Klimagipfel: Schauveranstaltung oder Chance?

Beim UN-Klimagipfel in New York stellen Regierungsvertreter aus aller Welt ab heute ihre Pläne für den Kampf gegen die Erderwärmung vor. Bisher kam bei den Treffen wenig Konkretes heraus - obwohl die Zeit drängt.

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Dieser Gipfel ist von vorne herein als Schaufensterveranstaltung angelegt. Die schönsten Klimaschutzauslagen dieser Welt zum Anschauen, Bewundern und Nachmachen. Der UN-Klimagipfel hat schon in den Vorjahren stattgefunden und er ist Psychologie pur: Keine Verhandlung, kein Abkommen, keine Beschlüsse.

Dennoch kann das Format Kraft entfalten. Das hängt aber vom freien Willen der Staaten ab, nicht vom UN-Generalsekretär. "Wir sind dabei den Wettlauf zu verlieren!" Antonio Guterres drängt die Staaten immer wieder öffentlich, er fordert einen "tiefgreifenden Wandel". Das Treffen in New York müsse ein Tag der "konkreten und realistischen Taten" werden.

Nichts wirklich Neues

Aber das alles entspricht der Rhetorik früherer Auftritte. Noch bei jedem Klimagipfel haben Guterres und seine Vorgänger Dinge gesagt wie "the time to act is now - jetzt ist es Zeit, zu handeln. Das klingt jeweils ein bisschen wie das Pfeifen im Wald, denn der Wille dazu ist nicht gewachsen, er schwindet eher dahin.

Die Bewegung, ausgelöst durch Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung, ist keineswegs eine weltweite Sache. Das war etwa bei der Klima-Zwischenkonferenz des UN-Klimasekretariats im Juni in Bonn auszumachen.

Große Länder steigen aus

Die USA haben sich abgewandt, Brasilien und auch Australien. Die internationalen Organisationen sind in einer kritischen Situation, sehen sich immer starker in Frage gestellt: Insbesondere beim Klimaschutz ist der Gegenwind schärfer geworden - und das obwohl der Weltklimarat in seinen Berichten immer deutlicher belegt, dass der Kampf gegen den Klimawandel drängender ist denn je und die Schäden absehbar immer größer werden.

Schnelle Fortschritte beim internationalen Klimaschutz wären wichtig. Die Staaten haben zwar im Übereinkommen von Paris 2015 vereinbart, dass sie die Temperaturerhöhung auf deutlich unter zwei Grad - möglichst sogar auf 1,5 Grad - begrenzen wollen. Aber alles, was sie bislang an Zusagen gemacht haben, reicht nicht annähernd hin, um dieses Ziel auch zu erreichen.

2020 sollen langfristige Ziele stehen

Selbst wenn alle Versprechen eins zu eins eingelöst würden, sind mindestens drei Grad Temperaturerhöhung wahrscheinlich. Deshalb ist schon in Paris vereinbart worden, dass alle fünf Jahre nachgelegt werden soll. Bei der Klimakonferenz 2020 wird es so weit sein. Dann müssten die Staaten neue NDCs - konkrete nationale Zusagen zum Klimaschutz für 2030 - vorlegen und Pläne für ein Fernziel in 2050.

Guterres bereitet diesen Prozess schon jetzt vor. Bislang gibt es nämlich wenig Signale, keine Bereitschaft von Staaten, sich da zu bewegen. Seine Strategie: Beim Treffen in New York sollen die ersten Vorreiter ihre verschärften Klimaziele öffentlich präsentieren. Die Hoffnung: Dann werden andere im Lauf der Zeit folgen und Ende 2020 kann dann das alles offiziell im UN-Verhandlungsprozess zusammengefasst und festgehalten werden.

Thunberg spricht - Merkel auch

Guterres versucht so viel Druck zu machen, wie er kann. Auch in New York wird Greta Thunberg, die Ikone der Klimaschutzbewegung, eine Rede halten - als Stimme der jungen Generation. Auch dieses Programmelement hat Tradition bei diesen Treffen.

Ansonsten dürfe in New York nur reden, wer auch etwas zu sagen habe, betonen die UN-Offiziellen. Der Generalsekretär hat sich die Entwürfe vieler Staaten schicken lassen, sagen seine Beamten im Vorfeld. Und er hat ausgewählt. Jeder Redner wird nur drei Minuten haben. Doch die knallharte Ansage kann so knallhart nicht gemeint gewesen sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nach jahrelanger Abstinenz erstmals wieder bei der UN-Vollversammlung und dem UN-Klimagipfel dabei sind wird, hatte schon ein Rederecht lange, bevor die Bundesregierung irgendetwas beschlossen hatte in Sachen Klimaschutz.

Immerhin kann sie dazu jetzt etwas Neues erzählen. Deutschland ist aber auch so wichtig, als Geldgeber in diesem Prozess, und wohl schon deshalb "gesetzt". Auch die jeweils hochrangigen Vertreter aus Großbritannien, Frankreich, Indien, China, Russland, Indonesien werden wohl sprechen.

Welche Pläne hat China?

Andere haben aber erst gar nicht gedrängelt: die USA etwa. Sie sind auch nur durch eine Abteilungsleiterin des Außenministeriums vertreten. Auch Brasilien und Australien werden nicht reden. Bedeutsam könnte sein, ob und was China beizutragen hat. Der Außenminister könnte erklären, wie Peking seine Klimazusagen bis 2050 erreichen will.

Beobachter aus den Klimaschutzverbänden erwarten, dass 60 Staaten ankündigen, ihre Zusagen verschärfen zu wollen. Wie und wie stark, das allerdings ist unklar. In vielen Fällen geht es wohl zuerst um Finanzierungszusagen. Um die Liste der Ankündigungen zu füllen, sollen auch Initiativen aus Wirtschaftskreisen und Regionen vorgestellt werden.

Jennifer Morgan, die Chefin von Greenpeace International, ist skeptisch, ob der Tag wirklich ein Erfolg werden kann. Es sei noch Zeit sich überraschen zu lassen, meint sie. Aber: Die Staaten neigen dazu, sich Zeit mit dem Klimaschutz zu lassen. Wenn die Verträge 2020 als Zeitpunkt für neue Zusagen festlegen, dann spricht vieles dafür, dass sie sich, wenn überhaupt, auch erst dann bewegen werden.

Von Werner Eckert, SWR