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Antonio Guterres

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    UN-Klimagipfel: Guterres fordert Ausrufung des "Klimanotfalls"

    Fünf Jahre nach der Einigung auf das Pariser Abkommen hat UN-Generalsekretär Guterres alle Staaten aufgerufen, den "Klimanotfall" zu erklären. Er warnte vor einem "katastrophalen Temperaturanstieg" noch in diesem Jahrhundert.

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    • tagesschau.de

    UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die Staaten der Welt aufgefordert, den "Klimanotfall" zu erklären. Dieser solle so lange gelten, bis CO2-Neutralität erreicht sei - also unterm Strich keine zusätzlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangten, sagte er zum Auftakt eines digitalen Klimagipfels fünf Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens.

    Die Welt gehe nach wie vor nicht in die richtige Richtung, mahnte Guterres. In Paris hätten die Staaten versprochen, den Temperaturanstieg so nah bei 1,5 Grad wie möglich zu begrenzen. Aber die dort gemachten Zusagen beim Klimaschutz reichten nicht aus, und nicht mal diese würden eingehalten. "Heute haben wir es 1,2 Grad wärmer als in der Zeit vor der Industrialisierung", sagte der UN-Generalsekretär. Wenn man nicht den Kurs wechsle, steuere man auf einen "katastrophalen Temperaturanstieg von mehr als drei Grad" noch in diesem Jahrhundert zu. "Kann irgendjemand noch leugnen, dass wir vor einem dramatischen Notfall stehen?"

    "Grüner Weg" nach der Corona-Pandemie?

    38 Staaten hätten den "Klimanotfall" bereits erklärt. Damit trügen sie der Dringlichkeit und dem Risiko Rechnung, sagte Guterres. "Ich bitte alle anderen dringend, sich dem anzuschließen." Die Welt sei nicht zum Scheitern verdammt. Der Aufbau nach der Corona-Pandemie biete eine Gelegenheit, Wirtschaft und Gesellschaft auf einen "grünen Weg" zu führen. Bislang sei das nicht der Fall. Die großen 20 Industrienationen steckten über ihre Rettungspakete zu viel Geld in fossile Brennstoffe, mahnte der UN-Generalsekretär.

    Viele Städte, Regionen und Staaten haben schon den Klimanotfall oder auch -notstand ausgerufen, das Europaparlament hat ihn im November 2019 für die ganze EU erklärt. In aller Regel ist das ein symbolischer Akt, der die Dringlichkeit der Klimakrise unterstreicht.

    Merkel sagt weitere Hilfen für arme Länder zu

    Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies in ihrer Rede auf den Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohleverstromung als deutschen Beitrag. "Deutschland weiß um seine Verantwortung und darum, dass ehrgeizige Ziele auch ehrgeizige nationale Beiträge erfordern", sagte sie. Neben dem Ausbau regenerativer Energien nannte sie als Maßnahmen die CO2-Bepreisung und den nationalen Emissionshandel ab 2022 für Verkehr und Wärme.

    Merkel erklärte auch, dass sich Deutschland für einen internationalen Prozess zur Klimafinanzierung einsetzen werde. Alle Staaten müssten Klimaschutz-Investitionen finanzieren können, sagte sie. Dafür wolle Deutschland zusätzlich knapp 500 Millionen Euro bereitstellen. "Deutschland hält seine Zusage ein, seine Haushaltsmittel zur Klimafinanzierung bis 2020 auf jährlich vier Milliarden Euro zu verdoppeln." Auch in Zukunft werde man einen "angemessenen Beitrag" leisten.

    Die Industrieländer hatten 2009 in Kopenhagen versprochen, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz in Entwicklungsländern zu mobilisieren. Zuletzt hatten die Vereinten Nationen kritisiert, dass diese Marke noch nicht erreicht sei. Wie das Entwicklungsministerium erklärte, kommen die 500 Millionen Euro aus seinem Haushalt.

    Biden verspricht Rückkehr zu Pariser Abkommen

    Die UN-Videokonferenz soll den nächsten großen Klimagipfel in Glasgow vorbereiten, der wegen der Corona-Pandemie aufs nächste Jahr verschoben wurde. Dann werden auch wieder die USA dabei sein, die diesmal nicht teilgenommen hatten.

    Der künftige US-Präsident Joe Biden versprach jedoch anlässlich des Jahrestags des Pariser Abkommens erneut eine Rückkehr seines Landes zu der Vereinbarung. "Die Vereinigten Staaten werden dem Pariser Abkommen am ersten Tag meiner Präsidentschaft wieder beitreten", sagte er. In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit wolle er einen Klimagipfel der wichtigen Wirtschaftsmächte einberufen. Seine Regierung werde die Klimaziele der USA verschärfen und das Land auf einen Weg bringen, wonach der Treibhausgas-Ausstoß bis spätestens 2050 unterm Strich auf null gebracht werde.

    Mit Informationen von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

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