BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

WWF-Studie: Massive Waldabholzung während Corona | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Ein Lkw transportiert Holz aus dem Amazonas Regenwald, Mato Grosso, Brasilien, Südamerika

Per Mail sharen

    WWF-Studie: Massive Waldabholzung während Corona

    Der WWF beklagt eine deutlich gestiegene Waldzerstörung. Die Rodungen hätten zuletzt um bis zu 150 Prozent zugenommen. Am meisten seien Gebiete in Indonesien, Brasilien und im Kongo betroffen. Die Umweltschützer sprechen von einem "Corona-Effekt".

    Per Mail sharen

    Während der Corona-Pandemie hat die Zerstörung des Tropenwaldes weltweit massiv zugenommen. Das geht aus einer Studie der Umweltstiftung WWF hervor, für die sie Satelliten-Daten der University of Maryland auswertete.

    "Alles weist darauf hin, dass wir es bei der explodierenden Waldzerstörung mit einem Corona-Effekt zu tun haben", sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Die Fläche der Tropenwälder in den 18 untersuchten Ländern schrumpfte im "Corona-Monat" März demnach um 6.500 Quadratkilometer, was etwa sieben Mal der Fläche Berlins entspricht.

    Anstieg der Waldzerstörung um etwa 150 Prozent

    Dies bedeutet laut WWF-Analyse einen Anstieg der Waldzerstörung um durchschnittlich 150 Prozent im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019. Am meisten betroffen waren im März demnach Indonesien mit mehr als 1.300 Quadratkilometern, der Kongo mit 1.000 Quadratkilometern und Brasilien mit 950 Quadratkilometern.

    Das nichtstaatliche brasilianische Amazonas-Forschungsinstitut Imazon registrierte in Amazonien für April ebenfalls eine abgeholzte Fläche von 529 Quadratkilometern - ein Anstieg von 171 Prozent im Vergleich zum April des vergangenen Jahres, wie Imazon der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

    Umstrittenes Gesetz im brasilianischen Kongress

    Dem Institut zufolge könnten viele der Abholzungen in Brasilien von Eindringlingen vorgenommen worden sein, die noch keine Landtitel besitzen. Der Wissenschaftler Carlos Souza, der die Veränderung des Amazonas-Waldes untersucht, sagte: "Zuerst nehmen sie die öffentlichen Flächen ein und danach versuchen sie, diese Gebiete legal zu bekommen."

    Dies könnte ein sogenanntes Landraub-Gesetz künftig ermöglichen: Dieses Gesetzesprojekt hatte Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro im Dezember eingebracht. Es soll in den kommenden Tagen im Kongress behandelt werden. Im Falle einer Verabschiedung würde dies die illegale Abholzung und unrechtmäßige Besetzung von öffentlichem Land vor 2018 nachträglich legalisieren. International wurde Bolsonaro für diese und weitere Pläne zur Aufweichung des Umweltschutzes im Land bereits vielfach kritisiert.

    Wald als Einnahmequelle in der Krise

    Vielerorts nutzen die Menschen den Wald nach WWF-Angaben auch aufgrund wegbrechender Jobs als Einnahmequelle. Finanzielle und technische Unterstützung könnten dazu beitragen, die Zerstörung einzudämmen.

    Zum Schutz der Wälder fordert der WWF eine Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer. Technische und finanzielle Hilfe könnte dazu beitragen, die illegale Entwaldung einzudämmen. Dazu gehöre nicht nur die bessere Durchsetzung von Gesetzen, sondern auch die Schaffung alternativer Einkommensquellen und die Abmilderung sozialer Probleme durch Folgen der Corona-Pandemie, hieß es.

    Der mächtigste Hebel seien jedoch die internationalen Handelsbeziehungen. Hier brauche es dringend bessere und verbindliche Sozial- und Umweltstandards, insbesondere zu entwaldungsfreien Lieferketten. Rund ein Sechstel aller in der Europäischen Union gehandelten Lebensmittel tragen nach WWF-Angaben zur Entwaldung in den Tropen bei. "Der Schutz der Wälder ist eine gemeinsame Aufgabe, der sich niemand entziehen kann", so WWF-Vorstand Heinrich.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!