BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

320.000 Becher landen im Müll – in einer Stunde | BR24

© BR

Umweltministerin Svenja Schulze will die Einwegbecher-Flut bekämpfen.

10
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

320.000 Becher landen im Müll – in einer Stunde

Die Umweltministerin will der Wegwerfgesellschaft den Kaffeehahn abdrehen. Sie setzt auf Mehrweg, Pfandsysteme und Verteuerung. Nur bis wann die Becherflut gestoppt werden soll, sagt sie nicht.

10
Per Mail sharen
Teilen

Preisfrage: Wie viele Kaffeebecher gehen in einen durchschnittlichen Stadtmülleimer? Antwort: Rund 200. Weil kaum jemand seinen Kaffeebecher kleinquetscht, bevor er ihn entsorgt, und die Zahl der Stadtbewohner seit zehn Jahren steigt, die einen Kaffee in der Hand halten wollen, haben die Städte ein Problem mit herumliegenden Bechern – außerhalb des überquellenden Mülleimers.

Deutsche werfen 320.000 Becher weg – in der Stunde

Die Deutschen füllen mit ihrem Kaffee-unterwegs-Konsum 80 Millionen solcher Eimer im Jahr. Das rechnet das Umweltbundesamt in seiner Studie zum Einwegbecherverbrauch vor. 320.000 Einmalbecher wandern so pro Stunde in den Müll. Macht 2,8 Milliarden deutsche Müllbecher im Jahr. Verschlossen mit 1,3 Milliarden Einwegplastikdeckeln. Da sind die Becher vom privaten Gartenfest noch gar nicht mitgerechnet.

Einwegbecherhersteller sollen mehr bezahlen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze kündigt an, dagegen an verschiedenen Fronten vorgehen zu wollen: "Wir werden die Hersteller von Einwegbechern künftig mehr zur Kasse bitten", sagte Schulze heute. Wie genau sagt sie aber nicht. Ein Fonds sei vorstellbar, in den die Hersteller einzahlen müssten. Das Geld, das hier zusammenkommt, könnten die Kommunen dann ins Einsammeln der Einwegbecher investieren.

Alternative: Tasse wechsle dich

Außerdem plant Schulze eine Vereinbarung mit der Gastronomie: Wer Kaffee zum Mitnehmen verkauft, soll Mehrweg-Becher anbieten, dazu braucht es Pfandsysteme, die Schulze fördern will. Mehrwegsysteme gibt es schon, zum Beispiel von Fair-Cup. Das Start-Up hatte als Schülerprojekt einer Berufsfachschule in Göttingen 2016 begonnen. Die Idee dahinter: Die bunten Tassen aus recycelbarem Kunststoff zurückgeben zu können im Café, beim Bäcker oder im Pfandautomat im Supermarkt. Mittlerweile beteiligen sich Geschäfte deutschlandweit. In Bayern sind die Fair-Cups bisher nur bei der Versicherungskammer Bayern zu haben. Man sei mit weiteren Interessenten in München im Gespräch, heißt es bei Fair-Cup.

Am besten wäre Mehrweg – aber bis wann?

Mehrwegbecher wären die umweltschonendste Alternative, hat das Umweltbundesamt errechnet. Sogar wenn man Transport und das Ausspülen miteinrechnet. Allerdings müssten die Becher mindestens zehnmal genutzt werden, besser 25 Mal, sonst sei der Mehrwegbecher sogar umweltschädlicher als der Einwegbecher. Und auch für die Kunden sollten Einwegbecher dem Umweltbundesamt zufolge teurer werden. Das Umweltbundesamt hält einen Aufpreis von 20 Cent pro Becher und 10 Cent für den Plastikdeckel für ausreichend. Damit könne der Einwegbecherverbrauch innerhalb von drei Jahren um die Hälfte gesenkt werden. Bis wann die Becherflut eingedämmt werden soll, sagt die Umweltministerin aber nicht. Erst wolle sie mit dem Handel sprechen. Wenn alle freiwilligen Maßnahmen nicht helfen, würde sie auch gesetzliche Regeln treffen.

Verteuern hat schon einmal geholfen – bei den Plastiktüten

Dieses Vorgehen hat schon einmal funktioniert. Ganz ohne Verbote. 2016 wurde eine Vereinbarung mit dem Handel getroffen, um die Zahl von Plastiktüten zu reduzieren. Seitdem gibt es kaum mehr Läden, in denen man nicht für die Plastiktasche zahlen muss. Laut Umweltministerin Schulze ist die Vereinbarung ein voller Erfolg: Der Plastiktütenanteil sei seit 2016 um zwei Drittel zurückgegangen.