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Umstrittene Initiative: Bundeswehr-Freiwilligendienst startet | BR24

© BR / Kai Küstner
Bildrechte: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Bundeswehr-Freiwilligen-Dienst startet

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Umstrittene Initiative: Bundeswehr-Freiwilligendienst startet

"Dein Jahr für Deutschland" - unter diesem Motto starten heute die ersten Rekrutinnen und Rekruten den neuen Freiwilligendienst im Heimatschutz bei der Bundeswehr. Doch die Initiative ist umstritten. Kritik kommt von den Wohlfahrtsverbänden.

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Von
  • Kai Küstner
  • Jörn Sawatzki

Heute startet der neue Freiwilligendienst der Bundeswehr. Er wird den bereits bestehenden Freiwilligendienst ergänzen, der nach Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 gestartet wurde. Zunächst sollen pro Jahr 1.000 Interessierte teilnehmen können. Für die siebenmonatige Grundausbildung, zu der ein Monat Urlaub gehört, erhalten sie monatlich 1.550 Euro.

Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz - das mag ein wenig so klingen, als würde die Bundeswehr ab sofort bewaffnete Sozialarbeiter ausbilden. Jedenfalls sendete die Truppe vorab durchaus die Botschaft aus, dass sie von ihrem künftigen Personal eine Mischung aus Kampf und Hilfsbereitschaft erwartet. So pirschen in einem Werbevideo der Bundeswehr Rekrutinnen und Rekruten mit Sturmgewehr im Anschlag durch Sträucher und sind im nächsten Moment zu sehen, wie sie Corona-Rachenabstriche nehmen.

"Heimat ist ein Lebensgefühl, mit dem man Miteinander und Zusammenhalt verbindet. Das haben wir in der Corona-Pandemie besonders gespürt". Mit diesen Worten hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die Funktion der neuen Truppe beworben.

Neuer Freiwilligendienst = 'Bundeswehr light'?

Die angestrebte Mischung von kämpfen und helfen findet jedenfalls Widerhall. 1.000 Plätze gab es dieses Jahr zu vergeben, denen standen rund 9.000 Interessierte gegenüber, so die Zahlen aus dem Verteidigungsministerium. 20 Prozent davon seien Frauen. Die Neuen, die nun an insgesamt 13 Standorten ihren Dienst beginnen, starten zunächst eine dreimonatige militärische Grundausbildung, wie sie andere Soldatinnen und Soldaten auch erhalten.

Nach den drei Monaten bekommen sie dann eine Spezial-Grundausbildung, die sie besonders für den Heimatschutz befähigt, erklärt der Kommandeur der Streitkräftebasis, General-Leutnant Martin Schelleis. Diese Grundausbildung dauert weitere vier Monate. In diesen vier Monaten der Spezialausbildung lernen die Frauen und Männer vor allem Objektschutz. Heißt konkret, das Sichern von bedeutenden Gebäuden, von Lagerstätten oder von Brücken.

Von einer Art "Wehrdienst light" sprechen nicht wenige mit Blick auf den Freiwilligendienst. Denn für diese Form des Dienstes sind Auslandseinsätze ausgeschlossen. Und genau das ist einer der Hauptgründe, warum sich viele Bewerber gegen den normalen Wehrdienst aussprechen, der seit Aussetzung der Wehrpflicht vor genau zehn Jahren ebenfalls freiwillig ist, und sich stattdessen für das "Jahr für Deutschland" entscheiden. Getreu dem Motto: 'Abenteuer ja, aber auch nicht zu viel'.

In diesem Zusammenhang hat die Wehrbeauftragte Eva Högl die Bundeswehr zu mehr Realismus bei der Rekrutierung ermahnt. Den jungen Menschen müsse ein realistisches Bild vermittelt werden. Sie höre häufig von Soldatinnen und Soldaten, dass bei der Personalgewinnung ein falsches Bild von der Bundeswehr vermittelt würde und sich der Alltag dann ganz anders darstellte, berichtet Högl.

Caritas: "Schnupperkurs für die Bundeswehr"

Für die Rekrutinnen und Rekruten beginnt erst nach den sieben Ausbildungsmonaten die Zeit, die dann wirklich dem Heimatschutz gewidmet ist. Insgesamt beträgt diese wiederum sechs Jahren, davon sollen fünf Monate Wehrdienst abgeleistet werden. Der kann in der Hilfe bei Schnee oder Flutkatastrophen oder auch der Pandemiebekämpfung bestehen. Deutliche Kritik am Freiwilligendienst kommt von den Wohlfahrtsverbänden. So fordert Caritas-Präsident Peter Neher:

"Die Bundeswehr sollte das einfach als das bezeichnen, was es ist. Es ist eine Art Schnupperkurs für die Bundeswehr. Freiwilligendienste sind das Vorrecht der Zivilgesellschaft und nicht des Staates. Und deswegen gilt es, genau die bestehenden Freiwilligendienste wie freiwilliges soziales Jahr, freiwilliges ökologisches Jahr oder auch den Bundesfreiwilligendienst zu stärken." (Caritas-Präsident Peter Neher)

Für die Bundeswehr jedoch scheint das neue Jahr für Deutschland nur Vorteile zu bieten. Schafft sie sich doch somit ein zusätzliches Reservoir an Reservisten. Einig sind sich Wohlfahrtsverbände und Streitkräfte darin, dass die Erfahrung, etwas für die Gesellschaft zu tun, gerade für junge Leute sehr wertvoll sein kann. Vom "Kitt, der unsere Gesellschaft in schwierigen Zeiten zusammenhält", spricht die Verteidigungsministerin mit Blick auf die Dienste, mit denen man sich ehrenamtlich engagieren kann. Nur ob das bei den Streitkräften sein muss, darüber scheiden sich die Geister.

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