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Stadt oder Land - welcher Lebensraum hat Zukunft? Die meisten Menschen wünschen sich vor allem einen nachhaltigen Lebensstil.

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    Stadt-Land-Umfrage: Nachhaltigkeit gewollt, Sorge vor Einsamkeit

    Wie wollen die Menschen in der Stadt und auf dem Land in Zukunft leben? Dazu haben Forschende zum Auftakt der ARD-Themenwoche "Stadt.Land.Wandel" eine große Umfrage veröffentlicht. Bei einem Thema stimmen die Befragten jedoch weitgehend überein.

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    Zum Auftakt der ARD-Themenwoche "Stadt.Land.Wandel" ist eine große Umfrage mit dem Titel "Stadt.Land.Chancen" veröffentlicht. Fast alle Befragten, egal ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben, eint der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Etwa 95 Prozent sagen aus, dass es ihnen wichtig ist, dass ihre Lebensmittel regional angebaut werden. Und rund 97 Prozent möchten gerne einfach erkennen können, welche Auswirkungen ein bestimmtes Produkt auf die Umwelt hat.

    Befragte wünschen sich Nachhaltigkeit und Regionalität

    Damit sich nachhaltige Produkte aber auch bei den Menschen durchsetzen könnten, seien neben dem Wert der Nachhaltigkeit noch zwei weitere Faktoren wichtig, erläutert Prof. Martina Schraudner vom Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRi), Mitautorin der Studie: einerseits das Vertrauen, dass das gekaufte Produkt auch wirklich nachhaltig ist. Dazu brauche es eine Instanz, die prüft und reguliert. Und zweitens, so Schraudner, müsse es eine Art Gerechtigkeit geben. Das Produkt müsse für viele verfügbar und leistbar sein.

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    Egal ob Stadt oder Land - die meisten Menschen wünschen sich regional angebaute Produkte.

    Wo die Wünsche und Sorgen bei Bewohnern aus Stadt und Land dagegen deutlicher auseinandergehen, sind Fragen rund um die Themenbereiche Wohnen, Mobilität, Gesundheit oder Kultur und Freizeit.

    Land: Versorgung und Vereinsamung

    So befürchten knapp 82 Prozent der Menschen auf dem Land, dass die gesundheitliche Infrastruktur in ihrer Umgebung schlechter werden könnte. Diese Einschätzung teilen nur zwei Drittel der Stadtbewohner. Und während in der Stadt immer neue Ideen für Mobilität umgesetzt werden, geht das Land oft leer aus. 76 Prozent der Landbevölkerung meint, nicht von neuen Mobilitätsangeboten profitieren zu können – im Vergleich zu 61 Prozent der Städter.

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    Viele der Befragten fürchten, an ihrem Wohnort nicht von neuen Mobilitätsangeboten profitieren zu können.

    Stadt: Mietpreise und Naherholung

    Die hohen Energiepreise waren im Sommer, als die Umfrage durchgeführt wurde, noch kein großes Thema – sehr wohl aber die hohen Lebenshaltungskosten insgesamt, gerade in den Städten. So sagen zum Beispiel fast 74 Prozent der Städter, dass sie Angst haben, sich ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu können; allerdings teilen diese Sorge auch 69 Prozent der Landbewohner.

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    Viele Menschen fürchten um ihren Wohnraum. Je geringer das Einkommen, desto größer die Sorge der Befragten.

    Problem Freizeitgestaltung auf dem Land und in der Stadt

    Was die Bewohner aus Stadt und Land noch unterschiedlich beschäftigt, ist die Freizeitgestaltung. In der Stadt gebe es die Sorge, insbesondere bei jüngeren Frauen, zu wenig Naherholungsgebiete im direkten Umfeld zu haben, erläutert Schraudner: "Und im Gegenzug gibt es auf dem Land die Sorge, weniger Kulturangebote zu haben."

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    Gerade im ländlichen Raum fürchten viele Befragte, dass die gesundheitliche Versorgung sich verschlechtert.

    Sorge vor Vereinsamung

    Auf dem Land noch stärker als in der Stadt ist die Angst vor Vereinsamung, wenn junge Menschen wegziehen oder das Dorfzentrum ausstirbt. Gerade ältere Menschen äußern diese Sorge - gleichzeitig aber häufig auch den Wunsch mitzugestalten, wie ihr Wohnort in Zukunft aussieht.

    Wie das aussehen könnte, zeigen die Forschenden in mehreren Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern, die sie in Bayern gemacht haben. Ein Vorschlag: für alle frei zugängliche Erholungsflächen und Treffpunkte. Das können sowohl Plätze und Parks sein, als auch die Sporthalle der Schule nebenan, die nach dem Schultag für alle offen sein könnte.

    Die Umfrage Stadt.Land.Chancen wurde von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und dem Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer IAO durchgeführt. Der Bayerische Rundfunk ist Medienpartner. Fast 9.000 Menschen aus ganz Deutschland haben bei der Online-Umfrage mitgemacht. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber ein fundiertes Stimmungsbild der Bevölkerung wieder.

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