Der Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk hat mindestens 18 Menschenleben gefordert, 35 Menschen werden noch vermisst.

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Ermittler: Noch 36 Menschen nach Raketenangriff vermisst

Ermittler: Noch 36 Menschen nach Raketenangriff vermisst

Nach dem Raketenangriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk suchen Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. Laut Behörden werden noch 36 Menschen vermisst. Bislang wurden 18 Tote geborgen.

Nach dem Raketenangriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk suchen Rettungsmannschaften weiter nach Überlebenden. Den ukrainischen Behörden zufolge wurden am Dienstag noch mehr als 36 Menschen vermisst. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf mindestens 18 gestiegen, wie örtliche Einsatzkräfte mitteilten.

Angehörige versammelten sich in der Nähe des Einkaufszentrums, in dem sich zum Zeitpunkt des Raketenangriffs am Montag mehr als 1.000 Menschen befunden hatten.

Angriff auf Einkaufszentrum in Ukraine beschäftigt UN-Sicherheitsrat

Auf Antrag der Ukraine wird sich auch der UN-Sicherheitsrat mit dem Beschuss des Einkaufszentrums beschäftigen. Das mächtigste UN-Gremium will am Dienstag um 21.00 Uhr zu dem Thema beraten, wie Diplomaten in New York am Montag mitteilten. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Wirtschaftsmächte G7 hatten nach Bekanntwerden der Attacke diese am Rande ihres Gipfels auf Schloss Elmau scharf kritisiert und Moskau mit Konsequenzen gedroht.

Selenskyj verurteilt Angriff

Nach dem Angriff hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Video im Onlinedienst Telegram veröffentlicht, das den brennenden Gebäudekomplex sowie Rettungsdienste und Feuerwehrwagen zeigte. "Das Einkaufszentrum steht in Flammen und die Rettungskräfte bekämpfen den Brand", schrieb Selenskyj.

Selenskyj betonte: "Russland lässt seine Unfähigkeit weiter an der Zivilbevölkerung aus. Es ist sinnlos, von seiner Seite auf Anstand und Menschlichkeit zu hoffen".

X-22-Raketen eingesetzt

"Der Raketenbeschuss von Krementschuk traf einen belebten Ort, der nichts mit den Kämpfen zu tun hat", schrieb der Bürgermeister der Stadt, Witalij Malezkij, auf Facebook.

Die Rakete war am Nachmittag in das Gebäude eingeschlagen. Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte zufolge sollen bei dem Angriff Luft-Boden-Raketen des Typs X-22 eingesetzt worden sein. Diese seien von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden, hieß es von ukrainischer Seite.

Russland gibt Angriff auf Krementschuk zu

Russland hat den Angriff mittlerweile indirekt eingeräumt. Das Verteidigungsministerium teilte mit, die Attacke habe mehreren Hallen gegolten, in denen Waffen aus Europa und den USA gelagert gewesen sein sollen. Die Explosion dieser Munition habe dann einen Brand in dem nahegelegenen Einkaufszentrum ausgelöst.

Das Ministerium behauptet aber, das Gebäude sei nicht mehr in Betrieb gewesen. Fotos, Videos und Einträge der Geschäfte aus dem Einkaufszentrum legen aber nahe, dass das nicht stimmt.

"Weiteres Kriegsverbrechen"

Der Gouverneur der Region Poltawa, Dmytro Lunin, warf den russischen Truppen ein "weiteres Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor. Ein Raketenangriff auf ein volles Einkaufszentrum sei ein "zynischer Terrorakt gegen die Zivilbevölkerung". Der britische Premierminister Boris Johnson warf Russlands Präsident Wladimir Putin "abgrundtiefe Grausamkeit und Barbarei" vor.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Monaten gegen eine russische Invasion. Die Vereinten Nationen haben bisher über 4.700 zivile Todesopfer erfasst, geht aber wie die Regierung in Kiew von weitaus höheren Opferzahlen aus.

Karte: Die militärische Lage in der Ukraine

Ostukraine: Acht Tote in Schlange für Trinkwasser

Die Kämpfe in der Ostukraine gingen unterdessen unvermindert weiter. In einer Schlange vor einem Tankwagen mit Trinkwasser in der ukrainischen Stadt Lyssytschansk wurden bei einem russischen Raketenangriff nach Behördenangaben acht Menschen getötet. Weitere 21 wurden verletzt, wie der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, erklärte. Lyssytschansk ist die letzte große Stadt in der Region, die noch unter ukrainischen Kontrolle ist, nachdem das russische Militär das benachbarte Sjewjerodonezk eroberte. Die ukrainischen Behörden forderten Zivilisten dringend zum Verlassen von Lyssytschansk auf.

Durch russische Angriffe auf Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden nach Angaben von Gouverneur Oleh Synehubow fünf Menschen getötet und 22 weitere verletzt. Unter den Verletzten seien fünf Kinder, schrieb Sinegubow bei Telegram.

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