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Uiguren in München: Chinas Muslime im Exil | BR24

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In China leben rund zwölf Millionen Uiguren. Die muslimische Minderheit wird in der Volksrepublik verfolgt. Zwei Millionen Menschen sind in Lagern inhaftiert. Menschenrechtler sprechen von Genozid. Viele Uiguren leben im Exil, etwa in München.

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Uiguren in München: Chinas Muslime im Exil

In China leben rund zwölf Millionen Uiguren. Die muslimische Minderheit wird in der Volksrepublik verfolgt. Zwei Millionen Menschen sind in Lagern inhaftiert. Menschenrechtler sprechen von Genozid. Viele Uiguren leben im Exil, etwa in München.

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Totale Kontrolle über das Volk - das sei das Ziel der chinesischen Regierung, meint Asgar Can. Der 60-Jährige musste als Kind aus Xinjiang im Osten Chinas fliehen. Heute lebt er in München und ist Vorsitzender der "Uigurischen Gemeinde in Deutschland", mit 700 Menschen die größte in Europa.

"Wir werden verfolgt, weil wir Muslime sind, weil wir an eine Religion glauben", sagt Asgar Can. "China will uns von unserer Religion trennen. Sie denken, dann wird es einfacher, uns zu assimilieren." Der chinesische Staat verbiete den Uiguren, ihre Sprache zu sprechen, religiöse Rituale auszuüben, Frauen dürften keine Kopftücher tragen, Männer keine Bärte.

Menschenrechtler sprechen von Genozid

Grundlegende Menschenrechte wie Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit sind in China nicht selbstverständlich – den Uiguren werden sie weitgehend verwehrt. In China wird weltweit am häufigsten die Todesstrafe vollzogen - oftmals seien es Uiguren, die in Schauprozessen verurteilt und hingerichtet würden, beklagen Menschenrechtler von der "Gesellschaft für bedrohte Völker". Sie wirft der chinesischen Regierung Genozid vor, Völkermord.

"Wer als Uigure Kontakt mit dem Ausland aufnimmt und nur seine eigenen Familienangehörigen hier in München anruft, kann dafür schon für zwei, drei Jahre ins Gefängnis gehen", sagt Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker. "Man hat in den letzten Jahren versucht, alle Informationsflüsse zwischen Xinjiang und Deutschland zu unterbrechen."

Uiguren in Straflagern

Asgar Can schafft es dennoch Kontakt zu halten. Der Exil-Münchner darf seine Heimat nicht mehr besuchen, nicht einmal die Nachbarländer Kasachstan oder Kirgisistan. Kürzlich hat er in Berlin mit einem ehemaligen Insassen eines Straflagers in seiner Heimatprovinz Xinjiang gesprochen. Von ihm bekam er Informationen über den Alltag im Lager.

"In der Früh müssen sie die Regierung und die Führungskraft der chinesischen Regierung loben, sie müssen Gesänge auswendig lernen", sagt Asgar Can. "Wer das nicht machen will, bekommt nichts zu essen und wird mit den Händen an Stühlen angekettet."

Angehörige im Ausland wissen oftmals nicht, wie es ihren Familienangehörigen in der Heimat geht.

"Mir haben viele Angehörige gesagt, die in Europa oder in Amerika leben: Wenn ich wüsste, dass mein Vater, meine Mutter oder mein Sohn tot ist, würde ich besser leben als mit dieser unheimlichen Unsicherheit, nicht zu wissen, was ist." Ulrich Delius, Gesellschaft für bedrohte Völker

Die Lage der zwölf Millionen Uiguren im Osten Chinas könne sich nur bessern, wenn die Welt über das Unrecht rede, meint die "Gesellschaft für bedrohte Völker". Die deutsche Regierung setzt sich für die Menschenrechte der Uiguren ein. Bei jedem Staatsbesuch deutscher Politiker in China soll ihre Situation angesprochen werden - das wurde der "Gesellschaft für bedrohte Völker" versprochen.

Deutsche Firmen in der Provinz Xinjiang

Doch China ist auch ein wichtiger Handelspartner für deutsche Firmen. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause kritisiert deutsche Unternehmen, die in der Provinz Xinjiang Niederlassungen haben – und die Straflager tolerieren. "VW unterhält ein Werk in Xinjiang - vor kurzem hat der CEO von VW, Herr Dieß, bei einer internationalen Automesse geäußert, er wüsste nichts von Lagern", sagt Bause. "Er musste danach etwas zurückrudern, aber so etwas darf nicht sein, dass weltbekannte deutsche Unternehmen in Regionen tätig sind, in denen sie möglicherweise an Menschenrechtsverletzungen mitverdienen."

Asgar Can von der Uigurischen Gemeinde hofft, dass auch die wirtschaftlichen Beziehungen ein Instrument zur Verbesserung der Menschenrechte sein könnten. Sein Traum: Irgendwann doch nochmal seine Verwandten in China besuchen zu dürfen.