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"Überlebensfrage": Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche | BR24

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In der lutherischen Kirche ganz selbstverständlich: Frauen am Altar

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    "Überlebensfrage": Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche

    Zugang zu allen Ämtern und Leitungsfunktionen für Frauen in der katholischen Kirche fordert die Benediktinerin Philippa Rath. Gleichberechtigung sei eine Frage des Überlebens, sagt sie im Interview der Woche – und kämpft für Reformen in ihrer Kirche.

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    Von
    • Elisabeth Möst

    Viele Frauen engagieren sich ehrenamtlich. "Sie sind das Herz und die Seele der Kirche, und trotzdem stoßen sie überall an ihre Grenzen", konstatiert Schwester Philippa Rath. Frauen in der katholischen Kirche begleiten Kranke, die Krankensalbung spenden dürfen sie nicht. Sie bilden Kommunionkinder aus, die Beichte abnehmen dürfen sie nicht. Frauen wird damit Kompetenz und Spiritualität abgesprochen, sagt die Benediktinerin im Interview der Woche auf B5 aktuell.

    "Der Skandal, den wir derzeit in unserer Kirche haben, ist, dass Frauenberufungen erst gar nicht geprüft werden – nur weil es Frauen sind." Schwester Philippa Rath

    Diese Geschlechterdiskriminierung, diese Ungerechtigkeit möchte die Ordensfrau beseitigen. Dabei gehe es nicht um Machtergreifung, sondern um ein anderes Verständnis von Amt und Leitung: als gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen, mehr Pastoral und weniger Hierarchie.

    Keine Machtspiele, sondern gemeinsame Verantwortung

    "Wir sind ja alle Kirche, und die Hälfte der Katholikinnen und Katholiken sind Frauen. Und insofern ist es einfach eine Frage der Gerechtigkeit, dass Frauen an der Verantwortung und am Dienst in der Kirche beteiligt werden." Jesus sei das beste Beispiel, sagt die Benediktinerschwester. Wie Jesus mit den Frauen umging, sei beispielhaft gewesen: "Das war, wie man heute sagt, auf Augenhöhe. Da gab es keinen Machtmissbrauch." Ein normaleres Miteinander der Geschlechter in der Kirche wäre auch eine vorbeugende Maßnahme gegen Missbrauch – "da bin ich 100 Prozent von überzeugt", sagt Philippa Rath.

    Philippa Rath ist seit 30 Jahren Benediktinerin in der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Sie hat Theologie, Geschichte und Politikwissenschaften studiert, ist Vorstand der Klosterstiftung und hat ein Zusatzstudium für Existenzanalyse. Außerdem war sie an der so genannten MHG-Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche beteiligt. Als Delegierte im "Synodalen Weg" und Mitglied des Forums "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" setzt sie sich für Reformen in der katholischen Kirche ein.

    Die Stimme der Frauen

    In ihrem jüngst erschienenen Buch "Weil Gott es so will" (Herder-Verlag) hat die Ordensschwester 150 Stimmen von Frauen gesammelt. Es sind Zeugnisse von Frauen, die sich zu einem Dienst in der Kirche berufen wissen – als Diakonin oder auch als Priesterin. An der eigenen Berufung sein Leben lang vorbei leben zu müssen, hält die Benediktinerin für eine traumatische Erfahrung: "Die meisten haben sich irgendwie arrangiert, aber sie leiden zum Teil seit Jahrzehnten."

    Philippa Rath nennt es eine "ungeheure Verschwendung an Begabungen und Charismen", wenn Frauen nicht entsprechend ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden. Sie selbst jedoch strebte nie ein höheres Kirchenamt an: "Ich habe immer eine Berufung fürs Ordensleben gehabt und konnte meine Talente, Fähigkeiten und Charismen innerhalb meines benediktinischen Ordens leben."

    Die Kirche verliert die Frauen

    Rath geht davon aus, dass sich die meisten Frauen unter 40 Jahren schon sehr weit von der Kirche entfernt hätten, weil sie nicht mehr an eine Reform glauben würden. Das spiegelt sich auch in ihrem Buch wider. Nur drei von 150 Autorinnen waren junge Frauen, die noch bereit sind, für ihre Berufung zu kämpfen. "Wenn das Thema Frauen in der Kirche nicht bald eine fundamentale Neuorientierung bekommt, dann fürchte ich, wird auch die mittlere Generation bald weg sein." Und das möchte die Ordensschwester auf jeden Fall verhindern.

    Die Zukunft der Kirche

    Dass eine Reform in der Kirche durchaus möglich ist, zeigt der Blick auf andere Länder. In der Schweiz etwa predigen Frauen ganz selbstverständlich. Dort leiten Frauen Gemeinden und haben Einzel-Beauftragungen für die Krankensalbung, für die Taufe und auch für die Assistenz bei der Eheschließung. Es bestünden bereits viele Möglichkeiten im geltenden Kirchenrecht, die Frauen mehr Beteiligung ermöglichen würden – auch ohne die Priesterinweihe.

    "Ich bin überzeugt, dass sehr viele der Synodalversammlung hinter diesen Reformbestrebungen stehen", sagt Schwester Philippa. Sie sei hoffnungsvoll, dass sie zu gut begründeten Beschlüssen kommen können, die Reformen anregen. Doch das alleine reiche nicht aus: Natürlich könnten nur Teile dieser Reformen selbständig innerhalb der deutschen Diözesen umgesetzt werden. Einiges müsse in Rom auf den Weg gebracht werden.

    "Ich denke, wenn die Amtsträger und die Verantwortlichen unserer Kirche die Erzählungen und Berufungsgeschichten dieser Frauen an sich heranlassen würden, würden sie ihren Blickwinkel ändern." Auch Papst Franziskus hat sie das Buch "Weil Gott es so will" zukommen lassen, ob er es schon gelesen hat, weiß Schwester Philippa allerdings nicht.

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