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Twitter-Video zeigt mutmaßlich Polizeigewalt in Österreich | BR24

© Screenshot Video von Marcus MoD auf Twitter

Hat ein Polizist in Wien auf einen fixierten Mann eingeschlagen?

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    Twitter-Video zeigt mutmaßlich Polizeigewalt in Österreich

    In Österreich sorgt ein Video über mutmaßliche Polizeigewalt für Aufregung. Es zeigt einen am Boden fixierten Demonstranten und einen Polizisten, der zuschlägt. Seine Kollegen greifen nicht ein. Auch sollen Filmaufnahmen behindert worden sein.

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    Österreich kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Skandal um das Ibiza-Video von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem darauf folgenden Bruch und Sturz der Regierung versetzt nun ein Video über einen mutmaßlichen Prügel-Polizisten die Alpenrepublik in Aufruhr.

    Schläge auf am Boden liegenden Mann

    Auf dem am Samstag auf Twitter veröffentlichten Handy-Film ist ein Mann zu sehen, der zuerst von drei, dann von fünf Polizisten auf dem Bauch liegend am Boden fixiert wird. Ein Polizist versetzt ihm mehrere heftige Schläge. Das Geschehen ist zum Teil von anderen Polizisten verdeckt. Deutlich zu erkennen sind aber mehrere Schlagbewegungen.

    Niemand greift ein - Beamte schirmen ab

    Im Hintergrund ruft eine Stimme mehrmals: "In die Nieren!", mehrere Polizeibeamte stehen tatenlos um die Gruppe herum - keiner greift ein. Einige drehen dem Geschehen den Rücken zu. Andere Beamte versuchen, die Film-Aufnahmen zu unterbinden. Demonstranten rufen immer wieder "Aufhören!", "Polizeigewalt", "Wir sind friedlich, was seid ihr?" und "Pressefreiheit".

    In einem längeren Live-Stream-Video auf Youtube ist zu sehen, wie mehrere Polizisten den Bereich auch von anderen Seiten gegen Handy-Filmer und -Fotografen abschirmen.

    Polizei Wien untersucht den Vorfall

    Ein Polizeisprecher bestätigte am Samstag der österreichischen Nachrichtenagentur APA, dass man über das Video informiert sei und die Vorwürfe sehr ernst nehme. "Wieweit hier ein verschuldetes Verhalten besteht, das wird die Staatsanwaltschaft entscheiden", so der Sprecher.

    Mittlerweile ist ein erster "Anlassbericht" an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt, erste beteiligte Polizisten wurden vernommen. Demnach habe sich Folgendes abgespielt: Der Mann soll sich durch Fußtritte dagegen gewehrt haben, von den Polizisten aus der Sitzblockade weggetragen zu werden. Daraufhin sei er festgenommen und von mehreren Beamten am Boden fixiert worden, wo es dann zu den Szenen aus dem Twitter-Video kam.

    Demonstration von Klimaaktivisten

    Der Film entstand bei einer Demonstration am Freitag in Wien. Wie der ORF meldet, hatten rund 250 Klimaaktivisten bei einer Kundgebung der Gruppe "Ende Geländewagen" die große Ringstraße blockiert. Einige seilten sich auch von einer Brücke ab. Auf weiteren Videos ist zu sehen, wie Polizisten Demonstranten wegtragen. Wie die Polizei mitteilte, wurden rund 100 Demonstranten wegen Widerstandes vorläufig festgenommen.

    Veranstalter sprechen von "brutalem" Vorgehen

    Die Veranstalter der Demo hatten sich schon am Freitag über "brutales" Vorgehen der Polizei beklagt. Einige Beamte seien mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen, so eine Sprecherin. Ein Aktivist habe eine Platzwunde am Kopf erlitten, ein anderer musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

    Wie es dem Mann aus dem Video geht, ist unklar. Laut der Demo-Sprecherin handelt es sich bei ihm um einen Passanten, "der an der Aktion vorbei lief und (...) spontan inspiriert war, ebenfalls mit zu protestieren." Dass er dafür solche Gewalt erfahren musste, sei schrecklich.

    Ex-Innenminister Kickl fuhr harten Kurs

    Bis zum Bruch der rechts-konservativen Regierung von Strache und Kanzler Sebastian Kurz war der FPÖ-Mann Herbert Kickl Innenminister und zuständig für die Polizei. Kickl gilt als innenpolitischer Hardliner und als Scharfmacher. So sorgte etwa ein Rundschreiben an die Landespolizeidirektionen, kritische Medien mit einer Art Informationssperre zu belegen, für Wirbel.

    Auch sprach er davon, Asylbewerber "konzentriert an einem Ort zu halten". Unter seiner Leitung wurde der österreichische Sicherheitsapparat personell aufgestockt und aufgerüstet. Auf Nachwuchssuche ging er dabei auch mit Inseraten in rechtslastigen Blättern.