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Türkisches Recycling-Projekt - Brot für Müll | BR24

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Müll liegt am Straßenrand in Istanbul

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    Türkisches Recycling-Projekt - Brot für Müll

    Die Istanbuler entdecken das Müll-Recycling im eigenen Haushalt - was mit zunehmender Armut in der Pandemie-Krise zu tun hat. Und mit einem neuen Punkte-System.

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    Von
    • Oliver Mayer-Rüth
    • tagesschau.de

    Zwei Jungs im Grundschulalter tragen auf den Schultern Säcke voll mit Plastikmüll und Altpapier. Die dünnen Jacken, Jogginghosen und Turnschuhe der beiden zeigen: Es fehlt das Geld für winterfeste Kleidung. Die Mutter im langen, dunklen Mantel, das Haar unter einem Kopftuch, trägt ebenfalls einen Sack mit Müll. Ihr Ziel ist ein Transporter der Stadtverwaltung des Istanbuler Viertels Zeytinburnu.

    Mitarbeiter des Rathauses nehmen auf einer Rampe, die aus dem Lkw ausgeklappt wird, den Müll entgegen, wiegen diesen und geben der Mutter und ihren Söhnen, abhängig von der Menge, Punkte, die auf einer Chipkarte gespeichert werden.

    Täglich kommen mehr

    Fethiye Alatas sagt, ihr Sohn habe sie animiert, den Müll hierherzubringen. Sie hätten 21 Kilo Müll gebracht und dafür elf Punkte gesammelt. Dann erklärt sie stolz, dass sie jetzt in den Supermarkt gehen und die Punkte für Lebensmittel einlösen könne. "Damit kann ich etwas für meine Kinder kaufen", sagt sie und lächelt.

    Die beiden Mitarbeiter der Stadtverwaltung fahren täglich durch Zeytinburnu und warten an verschiedenen Orten auf Bürger, die getrennten, verwertbaren Müll bringen. Vor zwei Monaten startete das Projekt, und es kommen täglich mehr, um ihren recyclebaren Müll in Punkte einzutauschen.

    Das dürfte auch etwas mit der zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage der Türkei in der Pandemie zu tun haben. Inflation und Arbeitslosigkeit steigen. Fethiye Alatas sagt, ein Laib Weißbrot koste bereits zwei Lira, umgerechnet 20 Cent. Selbst ein Brot mehr sei schon eine große Hilfe für sie und die Familie. Deshalb finde sie das Recycling-Projekt großartig.

    Zwar gibt es in der Türkei bereits ein Recycling-System. Die Ärmsten der Armen streifen mit Handkarren durch die Städte und klauben aus Mülltonnen wiederverwertbare Reste. Doch die Bevölkerung trennte bisher den Müll zu Hause kaum. Man schmiss alles in die gleiche Tonne.

    Schon 70 Tonnen Müll gesammelt

    Das will die Stadtverwaltung Zeytinburnu ändern. Muhammet Kisa, Leiter des Umweltamtes von Zeytinburnu, erzählt, seit November habe man im Rahmen des Projekts 70 Tonnen Müll gesammelt und dafür Punkte im Wert von 40.000 türkischen Lira, also etwa 4400 Euro, verteilt. Die Bewohner Zeytinburnus brächten Müll getrennt in die Kategorien Metall, Plastik, Papier, Glas und elektronischen Müll, so Kisa.

    "Wir haben dieses Punktesystem eingeführt, um einen Anreiz für die Mülltrennung zu schaffen", erklärt er. Bisher sei die Bevölkerung über Recycling noch nicht so informiert gewesen. Das ändere sich durch das Projekt.

    Die Pandemie trägt dazu bei, dass die Bewohner beim Mülltrennen derzeit besonders fleißig sind. Möglicherweise sei aufgrund der wirtschaftlichen Lage das Leben im Land teurer geworden, sagt Kisa vorsichtig. Vielleicht reichten die Löhne oft nicht mehr aus. Das gelte ja für die ganze Welt, glaubt er. So könnte das Projekt für die Menschen in Zeytinburnu eine kleine Hilfe sein.

    Weniger bleibt für Handkarren-Sammler

    Den verwertbaren Müll verkauft die Stadtverwaltung und kann so das Projekt finanzieren. Ein Nachteil ist das System für die Handkarren-Müllsammler, denn je mehr Menschen selbst den Müll trennen und abgeben, desto weniger landet in Mülltonnen. Doch das Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung für einen umweltschonenderen Umgang mit Müll könne nur entstehen, wenn alle mitmachten, so Kisa.

    Die 57-jährige Havva Akar hat am Vormittag ebenfalls Müll abgegeben und ist direkt in den Supermarkt gegangen. Sie habe Reis, Linsen, Eier, Milch und Butter gekauft, erzählt sie. Das sei natürlich gut, aber das Wichtigste, so Akar, sei dass die Natur weniger unter dem Müll leide.

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