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Türkei: USA erkennen Sicherheitszone an | BR24

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Die USA und Türkei haben sich auf eine 120-stündige Feuerpause im Norden Syriens geeinigt. US-Vizepäsident verkauft das als Erfolg für seinen Chef, die Türkei sieht den Zweck der Offensive bestätigt.

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Türkei: USA erkennen Sicherheitszone an

Die USA und Türkei haben sich auf eine 120-stündige Feuerpause im Norden Syriens geeinigt. US-Vizepäsident verkauft das als Erfolg für seinen Chef, die Türkei sieht den Zweck der Offensive bestätigt.

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Entschlossener Blick, feste Stimme - US-Vize-Präsident Mike Pence nennt die Einigung mit der Türkei eine Waffenruhe, die für Nord-Syrien 120 Stunden, also umgerechnet rund fünf Tage gelten soll: "Die türkische Seite wird die Operation Peace Spring unterbrechen, um den Abzug der YPG-Truppen aus der Sicherheitszone für 120 Stunden zu ermöglichen."

Wichtig war dem US-Vize auch die Botschaft, die er noch vor der eigentlichen Überraschung, also der Waffenruhe für Nordsyrien verkündete. Das alles, so Pence, sei auch und vor allem den guten Beziehungen der USA zur Türkei zu verdanken und auch US-Präsident Trump persönlich. Trump selbst weiß, dass er für seine Entscheidung, US-Militär aus Nordsyrien abzuziehen, international heftig kritisiert wurde - weil dies den Beginn der türkischen Militäroffensive markierte.

Trump erleichtert

Trump wirkte gestern via Twitter sehr erleichtert. Die Nachrichten aus Ankara seinen tolle Neuigkeiten - Millionen Leben würden gerettet werden, so Trump. Eher nüchtern dagegen die Reaktion des türkischen Außenministers Cavusoglu am Abend in Ankara:

"Wir werden die Operation Peace Spring unterbrechen, um den Abzug der PKK / YPG-Truppen aus der Sicherheitszone in 120 Stunden zu ermöglichen. Wir machen nur eine Pause. Dies ist kein Waffenstillstand, Wir unterbrechen die Operation nur, um den Terroristengruppen, die die Ziele der Operation sind, den Rückzug aus der Sicherheitszone zu ermöglichen." Mevlüt Cavusoglu, türkischer Außenminister

Vor allem die USA müssen jetzt also hoffen, dass die mit ihnen bis vor kurzem verbündeten YPG-Kämpfer auch tatsächlich schnell mit dem Rückzug beginnen und diesen dann auch im Sinne der Bedingungen dieser Feuerpause umfassend durchführen. Waffen abgeben, Stellungen zerstören, das verlangt die Türkei - nur dann gibt es aus türkischer Sicht tatsächlich eine Chance auf ein Ende der Kämpfe.

Türkei: USA akzeptieren Sicherheitszone

Am Abend meldete sich der Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte SDR in einem kurdischen Fernsehsender und sagte, die kurdischen Kämpfer würden die zwischen den USA und der Türkei ausgehandelte Feuerpause akzeptieren.

Aus Sicht ihres Außenministers hat die Türkei mit dem Abkommen über eine Feuerpause jetzt auch die Zusage, dass sie eine sogenannte Sicherheitszone im Norden Syriens bekommt:

"Die USA haben die Bedeutung und Funktion der Sicherheitszone im Hinblick auf den Schutz der berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei anerkannt. Die türkischen Streitkräfte haben die vollständige Einigung über die Kontrolle dieser Zone erzielt." Mevlüt Cavusoglu, türkischer Außenminister

Türkei sieht sich als Kontrollmacht

Auf Nachfragen von Journalisten bei der Pressekonferenz in Ankara musste Außenminister Cavusoglu auch auf die Erfolgsaussichten der vereinbarten Feuerpause eingehen. Wohl wissend, dass Präsident Erdogan eine schnelle Waffenruhe noch gestern als Möglichkeit zur Lösung des Konflikts ausgeschlossen hatte. Jetzt, das weiß auch Außenminister Cavusoglu, wird Erdogan möglicherweise bei seinem fest eingeplanten USA-Besuch über genau diese Waffenruhe weiterverhandeln müssen:

"Ich hoffe, dass die Elemente dieser gemeinsamen Erklärung in den kommenden Tagen erfolgreich umgesetzt werden, sodass unsere Bedenken ausgeräumt und unsere Erwartungen durch diese Schritte erfüllt werden. Ich hoffe, dass der Besuch unseres Präsident Erdogans in den USA unter diesen Bedingungen laufen wird“. Mevlüt Cavusoglu, türkischer Außenminister

Damit gab der türkische Außenminister in Anwesenheit des US-Vizepräsidenten deutlich zu verstehen, dass sich die Türkei unabhängig von der vereinbarten Feuerpause als Kontrollmacht im Norden Syriens sieht - in einem von ihr bestimmtem Korridor. Einem Korridor, den die Türkei mit syrischen Flüchtlingen besiedeln will.

© BR

Nach der Einigung auf einen Brexit-Deal blieben beim EU-Gipfel in Brüssel die Verhandlungen über einen möglichen Beitritt von Albanien und Nord-Mazedonien ohne Einigung. Ein weiterer Punkt auf der Agenda: die türkische Militäroffensive in Nordsyrien.