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Türkei-Flüchtlingsdeal: "EU muss sich weiter solidarisch zeigen" | BR24

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Immer wieder droht Präsident Erdogan, die Türkei könne ihre "Türen öffnen" - falls die EU nicht mehr Hilfe leiste. Der sogenannte EU-Türkei-Deal steht auf der Kippe. Der Migrationsforscher Gerald Knaus sieht jetzt beide Seiten in der Verantwortung.

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Türkei-Flüchtlingsdeal: "EU muss sich weiter solidarisch zeigen"

Immer wieder droht Präsident Erdogan, die Türkei könne ihre "Türen öffnen" - falls die EU nicht mehr Hilfe leiste. Das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen steht auf der Kippe. Migrationsforscher Gerald Knaus sieht jetzt beide Seiten in der Verantwortung.

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Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte der Migrationsforscher Gerald Knaus, der das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen 2016 mitentwickelt hatte:

Die EU hat ein genauso großes Interesse wie die Türkei, dass Syrer in der Türkei human aufgenommen werden, sich nicht auf den Weg machen. [...] Da muss die EU sich weiterhin solidarisch zeigen und darf sich nicht darauf verlassen, dass die Türkei für die EU die gesamte Herausforderung alleine stemmt.

Knaus verwies auf die Überforderung der Behörden auf den griechischen Inseln:

Der Kern des Abkommens, dass der scheitert, das liegt nicht an den Türken, sondern an den Verfahren in Griechenland. [...] Das bringt auch nichts, hier auf die Griechen einzuschlagen und zu sagen: Ihr müsst eure Verfahren beschleunigen. Alleine geht das gar nicht bei den Zahlen, die wir derzeit haben. [...] Hier liegt es in den Händen der EU, in Griechenland das Abkommen ernsthaft umzusetzen.

Zugleich forderte Gerald Knaus, der auch Chef des Thinktanks "Europäische Stabilitätsinitiative" (ESI) ist, weiter das Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zu suchen. Der hatte damit gedroht, die Grenzen für syrische Flüchtlinge nach Europa zu öffnen. Knaus fügte an:

Das wird nicht leichter gemacht durch den aggressiven Ton von Erdogan.

Nach den Worten von Knaus sind es derzeit vor allem Afghanen, die auf den griechischen Inseln ankommen:

Für die ist klar, die Rückführungen in die Türkei funktionieren überhaupt nicht. Wer also die Inseln erreicht, wird nach einigen Monaten von den Inseln aufs Festland gebracht und kann dann seinen Weg nach Deutschland fortsetzen. Das war noch nie so offensichtlich wie in diesem Jahr. Denn in sieben Monaten wurden insgesamt von den griechischen Inseln 82 Personen zurückgebracht.