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Türkei droht Syrien mit "harter Tour" - Neue Vergeltungsschläge | BR24

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Erdogan versucht die EU zu erpressen.

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Türkei droht Syrien mit "harter Tour" - Neue Vergeltungsschläge

Nach der Eskalation des Konflikts zwischen Syrien und der Türkei hat Ankara im UN-Sicherheitsrat mit Vergeltungsschlägen gedroht. Beobachter warnen vor einer internationalen militärischen Konfrontation. Derweil griff die Türkei Ziele in Syrien an.

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Das NATO-Mitglied Türkei hat Syrien im UN-Sicherheitsrat mit Vergeltungsschlägen gedroht.

"Wenn sie es auf die harte Tour lernen wollen, können sie das haben. Die Türkei will keinen Krieg. Aber die Türkei wird nicht zögern, Gewalt anzuwenden, wenn ihre Sicherheit bedroht ist." Türkischer UN-Botschafter Feridun Hadi Sinirlioǧlu bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Jede Provokation von syrischer Seite werde mit aller Macht beantwortet werden. Die Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums war kurzfristig nach einem Luftangriff auf die türkische Armee in der nordsyrischen Provinz Idlib einberufen worden. Dabei waren am Donnerstag nach türkischen Angaben mindestens 33 Soldaten getötet worden - Sinirlioǧlu nannte am Freitag die Zahl 34. Nach dem Vorfall forderte Ankara Beistand der NATO.

"Chemiewaffen-Anlage" in Syrien angegriffen

Ankara zerstörte nach eigenen Angaben in der vergangenen Nacht eine "Chemiewaffen-Anlage" in Syrien. Die Anlage der syrischen Führung liege 13 Kilometer südlich von Aleppo, sagte ein hochrangiger türkischer Regierungsvertreter. Das Militär sei auch gegen "eine große Zahl anderer Regime-Ziele" vorgegangen, hieß es.

USA sichern Ankara Unterstützung zu

Unterdessen stärkte die USA der Türkei für mögliche weitere militärische Manöver den Rücken. "Die Türkei hat unsere volle Unterstützung, um in Selbstverteidigung auf ungerechtfertigte Angriffe auf türkische Beobachtungsposten zu reagieren, die zum Tod ihrer eigenen Streitkräfte geführt haben", sagte die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft. Das gelte auch für die kommenden Tage.

Auch US-Außenminister Mike Pompeo teilte mit, die USA stünden nach dem "verachtenswerten" Angriff an der Seite des Nato-Bündnispartners.

Russland: Idlib ist syrisches Staatsgebiet

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja äußerte Bedauern über den Tod der türkischen Soldaten, sagte dabei aber auch, dass diese sich außerhalb eines Beobachtungspostens aufgehalten hätten. "Als klar wurde, dass es passiert ist, ergriff die russische Seite umfassende Maßnahmen, um die Feindseligkeiten zu beenden." Er betonte, dass es sich trotz allem bei der Region Idlib um syrisches Staatsgebiet handele.

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten, und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet. Eigentlich gilt eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war Syrien mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Weltsicherheitsrat für sofortigen Waffenstillstand

UN-Chef António Guterres nahm ebenfalls an der Sitzung des Sicherheitsrats teil und warnte, dass der Syrien-Konflikt mit der Eskalation in eine neue Phase eingetreten sei. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte: "Es gibt ein Risiko eines Abgleitens in eine große, offene, internationale, militärische Konfrontation. Es verursacht auch unerträgliches menschliches Leid und bringt Zivilisten in Gefahr." Mehr als 900.000 Zivilisten sind seit Dezember vor den Kämpfen in Nordwestsyrien geflohen.

Neben einer Reihe weiterer UN-Botschafter forderte auch der deutsche Vertreter Christoph Heusgen eine sofortige Waffenruhe und betonte die "volle Solidarität" mit der Türkei. Dabei wandte er sich auch gegen Syriens Schutzmacht Moskau. "Wir fordern Russland auf, die Unterstützung der Militäroffensive durch das syrische Regime zu beenden."

Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten des Weltsicherheitsrates sprach sich am Freitag für einen sofortigen Waffenstillstand in Syrien aus. 13 der 15 Mitglieder unterstützten die Forderung von UN-Generalsekretär Guterres.

Flüchtlinge ziehen zur Grenze

Ankara drohte bereits, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, später wurden die Aussagen allerdings relativiert. Türkische Medien zeigten derweil Videos, wie Flüchtlinge an der türkischen Küste auf Boote warteten und Menschen über den Landweg versuchten, Griechenland und damit die EU zu erreichen.

Griechenland versucht, seine Grenzen zur Türkei abzuschotten. "Die ganze Nacht durch haben die Sicherheitskräfte illegale Grenzübertritte verhindert", sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos. Es habe mehrere Festnahmen von Migranten gegeben.

Tränengas und Blendgranaten an der Grenze

Die Türkei lasse seit Freitag massiv Migranten zur Grenze kommen, so der Minister. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag haben die griechische Grenzpolizei und Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei Tränengas und Blendgranaten eingesetzt, um Migranten daran zu hindern, über den bereits geschlossenen Grenzübergang  bei Kastanies/Pazarkule nach Griechenland zu kommen.

Die Lage ist weiter angespannt. Einigen Migranten gelang es, den Grenzfluss Evros mit Schlauchbooten zu überqueren, wie das griechische Staatsfernsehen berichtet.

Die Türkei hat in den vergangenen Jahren 3,7 Millionen Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg aufgenommen.

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Nach dem Tod von 33 türkischen Soldaten bei Idlib erhebt die Türkei schwere Vorwürfe an Syrien und Russland. Sie hätten gewusst, wo die Truppen sich bewegten. An der türkischen Grenze zu Griechenland wachsen unterdessen die Spannungen.

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