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Türkei: "Die Hagia Sophia ein letztes Mal anschauen" | BR24

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Bildrechte: Karin Senz/ARD

Die Hagia Sophia in Istanbul war einst das größte Gotteshaus der Christenheit, dann jahrhundertelang eine Moschee und seit 1934 ein Museum. Aktuell ist der Zugang gesperrt - schon bald soll im Gebäude das erste Freitagsgebet stattfinden.

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Türkei: "Die Hagia Sophia ein letztes Mal anschauen"

Die Hagia Sophia in Istanbul war einst das größte Gotteshaus der Christenheit, dann jahrhundertelang eine Moschee und seit 1934 ein Museum. Schon kommende Woche sollen wieder Muslime darin beten - so will es der türkische Präsident Erdoğan.

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Von
  • Karin Senz

Die Hagia Sophia in Istanbul ist mehr als ein historisches Gebäude - das hat sich vor allem in den vergangenen Tagen wieder gezeigt. Ihr Schicksal bewegt und berührt die Menschen.

Ulas etwa sitzt mit einer Freundin auf einer Bank in der Sonne mit freiem Blick auf die Hagia Sofia. Die beiden Istanbuler sind enttäuscht: "Wir hatten uns gesagt, wir wollen die Hagia Sophia noch ein letztes Mal anschauen, bevor Sie ruiniert und zerstört wird. Aber sie ist wegen der Innenarbeiten geschlossen."

Am 24. Juli soll es das erste Freitagsgebet in dem Gebäude geben. Die zahlreichen Polizisten lassen schon jetzt keinen mehr in die Nähe des Eingangs. Überall stehen Absperrungen. Wer nur in den Park zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee will, wird schon kontrolliert.

Besucher sollen weiter alle Fresken und Mosaike können

Die Verantwortlichen haben unterdessen offenbar alle Hände voll zu tun, zu beschwichtigen, zum Beispiel der frühere Europaminister Ömer Celik: "Die Hagia Sophia wird auch als Moschee für einheimische und ausländische Besucher offen sein", betont er.

Historische Mosaiken und Fresken blieben erhalten. "Während der Gebetszeiten, werden diese Ikonen durch einen Vorhang oder ein Lichtsystem nicht zu sehen sein. So verlangt es unser Glaube." Danach seien sie jedoch wieder zu sehen, sagt auch der Vorsitzende der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbas.

Kritik an den Moschee-Plänen von der EU

Der 24. Juli – die regierungstreue Zeitung Sabah – ordnet den Tag gleich historisch ein und titelt: "Von Lausanne bis zur Hagia Sophia Moschee – ein Datum, das für die Souveränität der Türkei steht." Denn am 24. Juli 1923 schließt die Türkei mit damaligen Großmächten den Vertrag von Lausanne. In ihm sind die Grenzen mit Griechenland festgeschrieben.

Athen gehörte auch schon vor diesem Seitenhieb zu den schärfsten Kritikern der Moschee-Pläne, drohte Ankara sogar. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell reagierte zurückhaltender, verurteilte die Entscheidung aber. Das wiederum stieß dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu sauer auf: Kritik würde man respektieren, aber "dieses Wort Verurteilung – das lehnen wir ab."

Erdoğan: Historischen Fehler korrigieren

Präsident Recep Tayyip Erdoğan verteidigt die Entscheidung gestern Abend in einer Rede noch mal: "Auch wenn die Hagia Sophia durch eine falsche Entscheidung in ein Museum umgewandelt wurde – wir machen jetzt wieder eine Moschee aus ihr."

Die Diskussionen rund um das Thema sind emotional aufgeladen – allerdings nicht bei allen. Ein junger Mann aus Bremen knipst seine Freundin vor der Hagia Sophia in sicherem Abstand zu den Absperrungen. Eigentlich wäre bei ihrem Städtetrip heute ein Besuch drinnen angesagt. Der junge Mann zuckt mit den Schultern: "Ich bin halt nicht religiös und ich respektiere das, wenn die Regierung es so entscheidet."

Tourismusminister verspricht Überraschung

Die beiden sparen sich rund 25 Euro Eintritt. Der wird wohl auch künftig wegfallen, wenn die Hagia Sophia Moschee wird. Dabei kann die Türkei grade jetzt in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Geld gut brauchen, um das 1.500 Jahren alte Bauwerk zu erhalten.

Ulass Freundin Tuna zieht die Augenbrauen hoch: "Das werden wir dann bei unsren Steuern spüren entweder bei den Zigaretten oder beim Alkohol. Die Preise für solche Sachen, die Sie nicht wollen, werden steigen."

Zumindest will Kultur- und Tourismusminister Nuri Mehmet Ersoy offenbar keine Kosten und Mühen scheuen aus dem Museum wieder eine Moschee zu machen. Ein ganzes Team würde gerade hinter den verschlossenen Türen daran arbeiten: Restauratoren, Architekten, ein Historiker und ein Religionsbeauftragter, sogar ein Vertreter der UNESCO sei mal da gewesen, erzählt er. "Lassen Sie sich überraschen."

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