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Tsunami-Katastrophe 2004: "Weg, wir müssen weg" | BR24

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Heute vor 15 Jahren überfluteten riesige Tsunami-Wellen Küsten am Indischen Ozean. 228.000 Menschen starben. Videos von Augenzeugen zeigen, wie sich beim Herannahen der Wassermassen Faszination in Panik verwandelte.

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Tsunami-Katastrophe 2004: "Weg, wir müssen weg"

Heute vor 15 Jahren überfluteten riesige Tsunami-Wellen Küsten am Indischen Ozean. 228.000 Menschen starben. Videos von Augenzeugen zeigen, wie sich beim Herannahen der Wassermassen Faszination in Panik verwandelte.

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Das Meer hatte sich ungewöhnlich weit zurückgezogen am Strand von Phuket an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag. Stefan Kühn aus Norderney machte mit seiner Familie Urlaub in Thailand. Er filmte die sich hoch auftürmenden Wellen in der Ferne.

"Was ist das?", hört man seine Frau auf dem Video fragen, "ein Seebeben?" - "Nein, bestimmt nicht", antwortet er ruhig, niemand am Strand scheint beunruhigt. Dann sieht man auf dem Amateurvideo Boote kentern - und plötzlich hört man eine aufgeregte Stimme: "Weg, wir müssen weg! Nach hinten!" Minutenlang folgen panische Schreie, wildes Gerenne, hektisches Atmen. Stefan Kühns Aufnahmen dokumentierten den Schrecken und die Gewalt des Tsunami.

Bis zu 30 Meter hohe Wellen

228.000 Menschen starben, als bis zu 30 Meter hohe Wellen Strände und Städte in Indonesien, Thailand, Indien und Sri Lanka überrollten. Sie wurden ausgelöst von einem unterseeischen Beben der Stärke 9,3 - dem drittstärksten jemals gemessenen. Ganze Dörfer wurden fortgerissen, Schiffe an Land gespült. Die Schäden gingen in die Milliarden.

15 Jahre später: In Banda Aceh wird die Lautsprecheranlage eines Tsunami-Warnturmes getestet. Die indonesische Provinz war eine der am schlimmsten betroffenen Regionen: 130.000 Menschen starben allein hier. Arif Munandar verlor 24 Angehörige bei der Katastrophe - darunter seine Frau und drei Kinder. Heute arbeitet er als Techniker in der Tsunami-Warnanlage.

"Ich bin jetzt Waise", sagt er. "Der einzige Platz zum Leben für mich ist hier. Deshalb habe ich hier auch mein Haus wiederaufgebaut. Ich wollte hierbleiben - dort, wo meine Liebsten den Tod fanden, obwohl ich oft gefragt wurde, wegzuzuziehen."

Tsunami-Warnsystem in schlechtem Zustand

Insgesamt 400 Millionen Dollar investierten die betroffenen Staaten in ein verbessertes Tsunami-Warnsystem mit Messbojen und Seismometern. In gefährdeten Regionen wurden Warntürme und Schutzbunker gebaut. Doch sie sind teilweise schlecht gewartet, der Stahl rostet, Glühbirnen sind zerschlagen, der Beton bröckelt.

Die Technik sei nicht auf dem modernsten Stand, erklärt der Chef des Katastrophenschutzes in Aceh, Sudarwardi. "Man könnte hier eine Menge mehr machen, um die Menschen besser zu schützen", sagt er. "Aber es fehlt uns schlicht am Geld. Ein Großteil unserer Ausrüstung ist sehr alt."

"Ein Tsunami wie 2004 würde heute viel weniger Opfer fordern"

Alles in allem aber sei der Indische Ozean sicherer geworden seit 2004, ist der Koordinator für das Tsunami-Warnsystem, Srinivasa Tummala, überzeugt. "Wir haben durchaus Fortschritte gemacht", sagt er. "Ein Tsunami wie 2004 würde heute signifikant weniger Opfer fordern. Aber die Herausforderungen sind immer noch groß - wie etwa der Tsunami in Palu mit 4000 Toten vergangenes Jahr gezeigt hat." Viele der dort Getöteten würden seiner Ansicht nach mit einem besseren System heute noch leben.

Als kürzlich die thailändische Nationalhymne als Test aus den Lautsprechern der Tsunami-Warnanlage am Strand von Phuket schepperte, standen die Menschen stramm in nachdenklicher Stille. Hoffend, dass sie diese Lautsprecher nie in einem Ernstfall hören müssen.

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Heute vor genau 15 Jahren hat ein verheerender Tsunami im Indischen Ozean große Küstenstriche verwüstet und fast 230.000 Menschen in den Tod gerissen, darunter auch mehr als 500 Deutsche. Bei mehreren Gedenkfeiern wurde heute der Opfer gedacht.