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Noch 2016 ist Trump in Teilen der Republikaner verteufelt worden. Seit seinem Sieg stand die Partei aber geschlossen hinter ihm – und tolerierte Skandal um Skandal. Doch es sieht schlecht aus mit der Wiederwahl. Nun bröckelt die Unterstützung.

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Trumps Republikaner - Ende der Unterwerfung?

Noch 2016 wurde Trump in Teilen der Republikaner verteufelt. Seit seinem Sieg stand die Partei aber geschlossen hinter ihrem Präsidenten – und tolerierte die Skandale. Doch mit der Wiederwahl sieht es schlecht aus. Nun bröckelt die Unterstützung.

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Vor Kurzem war es noch undenkbar, doch plötzlich gehen Abgeordnete der republikanischen Partei auf Abstand zu Präsident Donald Trump. In einem Telefonat mit Wählern distanzierte sich Ben Sasse, Senator aus Nebraska, deutlich vom US-Präsidenten. "Die Art, wie er Diktatoren den Hintern küsst, wie er das Leid der Uiguren in China missachtet, er hat keinen Finger gekrümmt für die Menschen in Hongkong", erklärt Sasse. "Und wir führen unsere Verbündeten nicht länger an, sondern wir hintergehen sie unter seiner Führung."

Der texanische Senator John Cornyn spricht über Differenzen mit Trump. Und Maines Senatorin Susan Collins lässt offen, für wen sie bei der Präsidentschaftswahl stimmen will. Aber warum jetzt?

Trump und die Republikaner: Vom "Trickbetrüger" zum Heilsbringer

Für die Antwort lohnt ein Blick zurück: "Trickbetrüger", "pathologischen Lügner" und "Fanatiker" nannten prominente Republikaner Donald Trump im Sommer 2016. Die Abneigung bestand wechselseitig – Trump hielt die Führung der Republikaner für einen Teil des Problems.

Was alles veränderte: Der New Yorker gewinnt die Wahl in der Nacht zum 9. November 2016. Die Republikaner haben außerdem die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Damit soll als Erstes die verhasste Krankenversicherung Obamacare gekippt werden.

Republikaner wollen Obamacare kippen – und scheitern

Im Frühjahr 2017 legt der Sprecher im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, einen Entwurf vor. Doch der Vorschlag ist nicht abgestimmt. Die ideologischen Gräben und das politische Gezerre innerhalb der Republikaner treffen Trump unvorbereitet. Am Ende kippt der inzwischen verstorbene John McCain, Senator aus Arizona, einen Kompromiss im Kongress.

Der Präsident ist außer sich und kehrt zurück zur Basis: eine Rallye in Arizona, dem Heimatstaat von John McCain und Jeff Flake – einem weiteren Trump-Kritiker in den Reihen der Republikaner. "Und ich soll auch nicht über euren anderen Senator sprechen, der nachgiebig ist an der Grenze und bei Verbrechen", sagt Trump dort über seinen Parteikollegen.

Senator Flake: "Schamlose Missachtung von Wahrheit und Anstand"

Der Präsident schlägt nicht länger nur per Textnachrichten zurück, sondern er entzieht seinen Kritikern die Basis vor Ort. Dutzende Abgeordnete der Republikaner treten den Rückzug an. Senator Jeff Flake warnt vor nachhaltigen Schäden für die Partei. "Die persönlichen Angriffe, die Drohungen gegenüber Prinzipien und Institutionen, die schamlose Missachtung von Wahrheit und Anstand", schimpft Flake über den Politikstil Trumps. "Politik kann uns zum Schweigen bringen, wenn wir eigentlich sprechen sollten." Und wer schweige, könne zum Komplizen werden, so Flake, der seit 2019 nicht mehr im Senat sitzt.

Steuerreform gelingt – Republikaner geschlossen

Doch der Aufruf verhallt. Die Republikaner, die bleiben, suchen nun gemeinsam mit dem Präsidenten nach einem Erfolg: Der Plan einer Steuerreform wird wieder aufgelegt. Dieses Mal steht Trumps Mehrheit. Bei einer Feier im Rosengarten des Weißen Hauses im Dezember 2017 sind Abgeordnete aufgefordert, lobende Worte an den Präsidenten zu richten.

"Etwas so Tiefgreifendes ist nicht möglich ohne ausgezeichnete Führung des Präsidenten", sagte Paul Ryan, seiner Zeit Sprecher des Repräsentantenhauses. "Mr. Präsident, danke, dass Sie uns über die Ziellinie getragen haben."

Es ist eine Szene der Unterwerfung. Und der Pakt hält. Erst recht, als die US-Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus 2018 gewinnen. Präsident Trump verdankt allein den Republikanern, dass er nach dem Impeachment–Verfahren nicht des Amtes enthoben wurde. Denn der Partei galt Trump als gute Chance auf den Machterhalt.

Auch wegen Corona: Mehrere Republikaner gehen auf Distanz

Doch die Corona-Pandemie und das Verhalten des Präsidenten stellen den Pakt in Frage: Vor allem Abgeordnete der Republikaner, die um ihre Wiederwahl fürchten, erkennen, welchen Preis sie für ihr Bündnis zahlen könnten. Deshalb gehen sie auf Distanz.

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