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Trump ist US-Zinssenkung zu gering | BR24

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Trump kritisiert US-Notenbank

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Trump ist US-Zinssenkung zu gering

Die US-Notenbank hat den Leitzins um 0.25 Prozentpunkte gesenkt, der erste solche Schnitt in zehn Jahren. Präsident Trump geht das nicht weit genug. Jetzt steht die Unabhängigkeit der Fed auf dem Spiel.

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Der US-Präsident hat seinem Ärger schnell Luft gemacht: Die Finanzmärkte hätten sich eine lang anhaltende und aggressive Runde von Zinssenkungen gewünscht, textete Donald Trump. Der Chef der US-Zentralbank, Jerome Powell habe sie im Stich gelassen. Trumps Attacken sind so heftig, dass sich Powell die Frage gefallen lassen musste, ob er dem Präsidenten mit der Zinsentscheidung der FED nicht doch nachgegeben hat:

"Wir nehmen keine Rücksicht auf politische Überlegungen in unseren Diskussionen. Und wir versuchen nicht, mit Geldpolitik unsere Unabhängigkeit zu beweisen." US-Notenbankchef Jerome Powell

Erste Zinssenkung seit zehn Jahren

Die FED hat entgegen den Forderungen aus dem Weißen Haus die Zinsen nur um 0,25 Prozent gesenkt. Immerhin: Das erste Mal seit beinahe zehn Jahren. Die Zentralbank wird außerdem den Verkauf von Anleihen zwei Monate früher aussetzen als zunächst geplant. Den US-Finanzmärkten wird damit kein weiteres Geld entzogen.

Der Ausblick für die US-Wirtschaft sei freundlich, und der Schritt der Zentralbank soll helfen, dass es auch so bleibt, sagte Powell auf einer Pressekonferenz.

"Die Entscheidung soll helfen gegen Abwärtstrends - infolge eines schwachen weltweiten Wachstums und Unsicherheiten in der Handelspolitik. Und sie soll helfen, schneller zum Ziel einer Inflation von zwei Prozent zurückzukehren." US-Präsident Jerome Powell

Kritiker: Zinssenkung nicht gerechtfertigt

Kümmere sich die FED jetzt stärker um Schlagzeilen über Handelskonflikte als die Wirtschaftsdaten in den USA, fragte ein Journalist. Denn Kritiker wenden ein, dass die gegenwärtige Konjunktur in den USA keine Zinssenkung rechtfertigt. Die Konjunktur war zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Aber die Inflation ist unverändert niedrig; der Konsum und die Zahlen vom Arbeitsmarkt gelten als stabil.

Richtig kompliziert wurde es, als Powell erklären sollte, ob weitere Zinsschritte folgen:

"Ich habe gesagt, dass es nicht der Beginn einer Serie von Zinssenkungen ist. Ich habe nicht gesagt, dass es nur ein Schritt sein wird oder so was. Ich meinte, dass wir in keiner Situation für eine lang anhaltende Runde für Zinssenkungen sind." US-Präsident Jerome Powell

Trump widerspricht Powell

Genau in dem Punkt hat Präsident Trump dem Chef der FED wenige Minuten später widersprochen. Der Dow Jones könnte zehntausend Punkte höher stehen, das Wirtschaftswachstum bei vier Prozent liegen, wenn die Zentralbank nur handeln würde, hatte Trump schon vorab gewettert.

Das Wall Street Journal weist noch auf einen anderen Punkt hin: Nämlich auf das Zusammenspiel der internationalen Finanzmärkte. Hielte die FED an ihren Zinsen fest, während die europäische Zentralbank immer weiter Zinsen senkt, fließt mehr Kapital in die USA. Das stärkt den Dollar gegenüber dem Euro.US-Präsident Trump hatte den Europäern wiederum vorgeworfen, den Euro absichtlich zu schwächen. Das sei ein großer Wettbewerbsnachteil für die USA.