Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Trump in GB: Schwere Zeiten für die "Special Relationship" | BR24

© BR

Trump in Großbritannien eingetroffen

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Trump in GB: Schwere Zeiten für die "Special Relationship"

Proteste drohen den Besuch des US-Präsidenten im Vereinigten Königreich zu überschatten. Trump stachelt die Stimmung an, indem er sich in die britische Innenpolitik einmischt. Diplomaten hoffen auf Schadensbegrenzung.

Per Mail sharen

US-Präsident Trump wird heute mit seiner Familie im Buckingham Palace empfangen, und am Abend wird die Queen zu seinen Ehren ein Staatsbankett geben. Vielen Briten gefällt allerdings nicht, dass Trump hier mit Pomp und militärischen Ehren empfangen wird - Proteste sind für heute und morgen schon angekündigt. Und die Diplomaten in London, sie zittern.

Lewis Lukens, der beim letzten Besuch von Trump stellvertretender Leiter der Mission in der US-Botschaft war, redet offen über das, was er befürchten würde, wenn er noch im Amt wäre: "Ich glaube, meine größte Sorge wäre, dass der Präsident etwas Unangemessenes sagt oder tut, was gegen das Protokoll verstößt", sagt er. "Wissen Sie: Er fliegt dann am Mittwoch wieder ab, aber wir in der Botschaft müssen dann den Schaden begrenzen und die britisch-amerikanischen Beziehungen reparieren."

Trump unterstützt Johnson

Schadensbegrenzung müssen die Diplomaten allerdings jetzt schon betreiben, denn Donald Trump hat am Wochenende mit zwei Interviews für Aufsehen gesorgt. Er hat klar gemacht, dass er im Rennen um Theresa Mays Nachfolge Boris Johnson unterstützt und hat sich indirekt für einen harten Brexit ausgesprochen.

In Großbritannien kommt diese Einmischung nicht gut an - auch nicht, wenn die USA der engste Partner sind: "Ich gebe unserer Beziehungen die höchste Note, wenn es um Besonderheit geht. Oder kann ich noch höher gehen?", so Trump über die "special relationship", die ganz besondere Beziehung zwischen Großbritannien und den USA.

Sie sei im höchsten Maße besonders, meinte Trump bei seinem Besuch vor einem Jahr - was ihn aber schon damals nicht davon abhielt, May zu düpieren. Für seinen jetzigen Besuch gilt es als wahrscheinlich, dass Trump sich mit Boris Johnson treffen wird - vielleicht sogar auch mit Nigel Farage, der mit seiner Brexit-Partei gerade die Europawahl in Großbritannien gewonnen und die Konservativen von Noch-Premierministerin May in die Knie gezwungen hat.

Der D-Day verbindet

Das dürfte bei der Unterredung von Trump und May morgen in Downing Street 10 nicht gerade für gute Stimmung sorgen. Auf der anderen Seite verspricht Trump jetzt etwas, was die Regierungschefin immer wollte: Der US-Präsident will sich für ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA einsetzen, das das bisherige Handelsvolumen verdoppeln oder verdreifachen und die Verluste der Briten durch einen Brexit mehr als kompensieren würde.

Um die "special relationship" wird es daneben aber auch in klassischer Form gehen, im Bereich der Sicherheit. Präsident Trump will May die Zusage abringen, dass Großbritannien den chinesischen Telekommunikationsanbieter Huawei nicht am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes beteiligt.

Nach der aktuellen Politik soll dann am Mittwoch, dem dritten und letzten Tag des Trump-Besuchs, das Gedenken im Vordergrund stehen. In Portsmouth wird an den D-Day erinnert, die Landung der Alliierten in der Normandie vor 75 Jahren.

D-Day: Das ist der Teil der anglo-amerikanischen Geschichte, der beide Länder bis heute zusammenschweißt. Inwiefern der jetzige Staatsbesuch von Donald Trump der weiteren Vertiefung dieser besonderen Beziehungen dienen wird, ist eine der spannenden und offenen Fragen.

© dpa-Bildfunk

US-Präsident Trump auf dem Weg nach Großbritannien