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Trump droht Iran mit Dutzenden Angriffen | BR24

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US-Präsident Trump hat gedroht, 52 "strategisch und kulturell wichtige" Ziele im Iran anzugreifen. Auf Trwitter begründete er es als Vergeltungsschläge.

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Trump droht Iran mit Dutzenden Angriffen

US-Präsident Trump hat den Iran davor gewarnt, US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen zu attackieren. Falls dies geschehe, würden die USA Dutzende iranische Ziele angreifen. Bundesaußenminister Maas setzt sich für eine Deeskalation der Lage ein.

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US-Präsident Donald Trump hat den Iran mit scharfen Worten vor Racheakten nach dem tödlichen US-Luftangriff auf General Ghassem Soleimani gewarnt. Für den Fall, dass der Iran US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen attackieren sollte, gebe es eine Liste mit 52 wichtigen iranischen Zielen, die dann angegriffen würden, schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

Soleimani galt als bekanntestes Gesicht des iranischen Militärs im Ausland und wird von vielen Landsleuten als Märtyrer betrachtet. Die iranischen Revolutionsgarden erwarten am Sonntag nach eigenen Angaben Millionen Iraner zu Trauermärschen und Zeremonien zu seinen Ehren. Die Führung in Teheran hatte Vergeltung für den Tod Soleimanis angekündigt.

Harte Drohungen auf Twitter

Auf Twitter richtete Trump martialische Worte an die Iraner, denen er dringend von Vergeltungsaktionen abriet: Ansonsten würde Orte, die für die Islamische Republik und deren Kultur teils sehr bedeutsamen seien, "sehr schnell und sehr hart angegriffen". Seine Tweet-Serie schloss Trump mit den Worten: "Die USA wollen keine Drohungen mehr!"

Trump begründete die Zahl der 52 ausgewählten Zielorte mit "jenen 52 amerikanischen Geiseln, die der Iran vor vielen Jahren genommen hat". Dies bezieht sich auf die Besetzung der US-Botschaft in Teheran im November 1979. Aus Protest gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs in den USA hatten iranische Studenten damals 52 Angehörige der US-Botschaft als Geiseln genommen und die Auslieferung des Schahs gefordert. Washington verhängte Sanktionen, die Geiselnahme endete nach 444 Tagen.

Irak: Debatte zu Abzug von US-Truppen

Das irakische Parlament berät am Sonntag in einer Dringlichkeitssitzung über Forderungen nach einem Abzug der rund 5.000 verbliebenen US-Truppen im Land. Der geschäftsführende Regierungschef Adel Abdel Mahdi sprach von "angemessenen Maßnahmen", um "die Würde des Irak und dessen Sicherheit und Souveränität" zu erhalten. Vize-Parlamentssprecher Hassan al-Kabi sagte: "Es ist Zeit, dem Leichtsinn und der Arroganz der USA ein Ende zu bereiten."

USA: Demokraten kritisieren Trumps Handeln

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, durch unverhältnismäßigen Einsatz des US-Militärs Soldaten, Diplomaten und amerikanische Bürger in Gefahr gebracht zu haben. Das Vorgehen der Regierung und ihre nachgelieferte Begründung dazu werfe "ernsthafte und drängende Fragen auf". Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren warf Trump angesichts seiner jüngsten Warnung an den Iran die "Drohung mit Kriegsverbrechen" vor, ihr Mitbewerber Joe Biden bescheinigte dem Republikaner zunehmend irrationales Handeln.

Außenminister Maas setzt sich für Deeskalation ein

Unterdessen liefen Bemühungen an, eine weitere Zuspitzung der Lage abzuwenden. "Wir werden in den kommenden Tagen alle Hebel in Bewegung setzen, um einer weiteren Eskalation der Lage entgegenzuarbeiten - in den Vereinten Nationen, der EU und im Dialog mit unseren Partnern in der Region, auch im Gespräch mit dem Iran", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) der "Bild am Sonntag". Er stehe in engem Kontakt mit seinen britischen und französischen Kollegen, dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell und US-Außenminister Mike Pompeo.

In Israel wollte sich der engste Kabinettskreis um Regierungschef Benjamin Netanjahu am Sonntag nach Medienberichten mit möglichen Racheangriffen des Irans auf israelische Ziele befassen. Seit dem US-Angriff in Bagdad ist Israel in erhöhter Alarmbereitschaft.