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Bayerisches Landeskriminalamt

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    Landeskriminalamt wird 75 Jahre: Die spektakulärsten Fälle

    Das Bayerische Landeskriminalamt feiert Geburtstag: Am 11. Mai 1946, vor 75 Jahren, wurde das Amt in München gegründet. Seither haben die Ermittler zahlreiche spektakuläre Fälle gelöst – ein heimtückisches Attentat ist bis heute jedoch ungeklärt.

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    Von
    • Henning Pfeifer

    Gerade mal 20 Beschäftigte zählte das Amt 1946. Inzwischen hat es sich zu einer Behörde mit 2.000 Beschäftigten und eigener Ermittlungstätigkeit entwickelt. Geblieben sind bis heute die kriminaltechnische Laborarbeit und der Bereich der Kriminalwissenschaft.

    1952 erhielt die Behörde seinen heutigen Namen und die Kompetenzen wurden Zug um Zug ausgeweitet. Gehörte das Phänomen Falschgeld bereits kurz nach dem Krieg zu den Aufgaben, kamen bis heute Ermittlungen in den Bereichen der Organisierten Kriminalität, des polizeilichen Staatsschutzes und der Cyberkriminalität hinzu. Zudem verfolgt das BLKA seit 2013 polizeiinterne Verfehlungen, wenn also gegen Beamtinnen und Beamte ermittelt wird. Auch Schussabgaben durch Polizeikräfte werden vom BLKA auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft.

    Von Fingerabdruckblättern bis zu digitalen Innovationen

    In den ersten Jahren seines Bestehens archivierte das BLKA Fingerabdruckblätter, die mühsam per Hand einzelnen Straftätern und Straftaten zugeordnet werden mussten. Heute gleichen Computerprogramme in digitalen Datenbanken erfasste Genetische wie auch echte Fingerabdrücke miteinander ab und zeigen selbständig mögliche Übereinstimmungen an. Zu den neuesten Errungenschaften digitaler Technik gehört der virtuelle Tatort. Rundum-Kameras erfassen Räume, die Jahre später virtuell begangen werden können, also auch dann noch, wenn ein Tatort nicht mehr existiert. Gleichzeitig lassen sich im virtuellen Abbild Hintergrundinformationen hinterlegen, die sich auf einzelne Abschnitte eines Tatorts beziehen.

    Vielfältige Ermittlungen und Aufgaben

    Heute ermitteln Fahnder des Landeskriminalamts unter anderem bei Sprengstoffverbrechen, Drogenhandel, Geldfälschung, bei extremistisch motivierten Straftaten, bei Kunstdiebstählen oder bei Fällen von Landesverrat. Daneben verfügt das LKA über Experten, die als Technische Sondergruppe knifflige Situationen bewältigen. Sie entschärfen alle erdenklichen Arten von selbstgebauten Bomben oder rücken aus, wenn gefährliche Chemikalien im Spiel sind. Die Spezialisten gehören zur Ermittlungsdienststelle, die mit über 430 Kriminalisten die stärkste Abteilung im Bayerischen Landeskriminalamt darstellt.

    Große Fälle des BLKA

    • 1970: Brandanschlag auf die Israelitische Kultusgemeinde

    Am 13. Februar legten unbekannte Täter im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in der Münchner Innenstadt in mehreren Stockwerken Feuer. Die Flammen breiteten sich rasch aus, eine Flucht über das Treppenhaus war nicht möglich. Zwei Frauen und fünf Männer kamen ums Leben. Der Anschlag ist bis heute ungeklärt.

    • 1976: Die Oetker-Entführung

    Am 14. Dezember entführte ein zunächst unbekannter Täter den Studenten Richard Oetker und zwang ihn, sich in eine Holzkiste zu legen. In der Kiste erhielt der 25-Jährige Stromschläge, die ihn lebensgefährlich verletzten. Gegen Zahlung von 21 Millionen D-Mark wurde er freigelassen. Nach komplexen Ermittlungen wurde am 30. Januar 1979 der arbeitslose Betriebswirt Dieter Zlof festgenommen und nach einem Indizienprozess zu 15 Jahren Haft verurteilt.

    • 1980: Das Oktoberfestattentat

    Am 26. September riss eine selbstgebaute Bombe am Haupteingang zur Wiesn zwölf Menschen in den Tod. Auch der Attentäter Gundolf Köhler – ein Rechtsextremist mit Kontakten zur damaligen Wehrsportgruppe Hoffmann – starb bei dem Anschlag. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt, 68 von ihnen schwer. Nachdem die Ermittlungen auf Köhler als Einzeltäter hinwiesen, mehrten sich in den Jahren danach, dass es weitere am Anschlag Beteiligte gegeben haben könnte. 2014 wurden die Ermittlungen wiederaufgenommen, führten jedoch zu keinem anderen Ergebnis, so dass die Bundesanwaltschaft das Verfahren im Juli 2020 einstellte.

    • 1998: Kronzeuge gegen die Mafia

    Am 3. Mai nahm die Polizei in Kempten den 38-jährigen Giorgio Basile fest. Er stand im Verdacht, in Duisburg einen Mord begangen zu haben. Basile beschloss auszupacken und entpuppte sich als professioneller Auftragsmörder. Er räumte 30 Morde ein, arbeitete eng mit den italienischen Behörden zusammen und wurde zu einem wichtigen Kronzeugen. Für seine Morde verbrachte er nur sechs Monate in einem Gefängnis und lebt seitdem im Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort.

    • 2004: Tödlicher Tsunami

    Am 26. Dezember verwüstete eine Flutwelle nach einem Erdbeben Küstengebiete Südostasiens. Rund 230.000 Menschen fanden den Tod, aus Deutschland wurden 537 Opfer identifiziert. Aus Bayern reisten 20 Polizeibeamte in das Katastrophengebiet, um Opfer zu identifizieren. Das LKA koordinierte die mehr als 400 Vermisstenanzeigen aus Bayern. 144 aus dem Freistaat stammende Menschen konnten nur noch als Tote ermittelt werden. Das Schicksal eines 39-jährigen Mannes aus Karlsfeld ist bis heute ungeklärt.

    • 2016: Terroranschlag am OEZ

    Am späten Nachmittag des 22. Juli schoss ein 18-Jähriger um sich. In einem Schnellrestaurant, vor dem Olympia-Einkaufs-Zentrum und im OEZ traf er neun Menschen tödlich. Kurz darauf erschoss er sich selbst. Viele Stunden war unklar, ob er der einzige bewaffnete Täter im Stadtgebiet war. Aus mehreren Stadtteilen werden Schüsse gemeldet, doch am Ende stand fest: Der 18-Jährige war der einzige Täter. Lange Zeit sprachen die Ermittler von einem "Amoklauf" als Hauptmotiv, 2019 wurde der Anschlag vom LKA als "politisch motivierte Gewaltkriminalität – rechts" bewertet.

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